„nachhaltige technologien 01 | 2022"
Zunächst wurde eine einheitliche Datenstruktur fest- gelegt. Diese besteht aus Daten zum Unternehmen und zum Betriebsstandort wie Name, Adresse oder Anzahl der Mitarbeiter, aus Kontaktdaten zu einer Kontaktperson inklusive Kontaktdetails, sowie aus Daten zu den identifizierten Abwärmequellen. Diese beinhalten die potenziell verfügbare Energiemenge, das Abwärme-Medium, das zeitliches Profil inner- halb einer regulären Betriebswoche sowie saisonale Schwankungen und den Temperaturbereich (kleiner 50 °C, 50-100 °C, über 100 °C). Um den Schutz die- ser Daten zu gewährleisten, wird der Zugriff auf die unterschiedlichen Datentypen in Abhängigkeit der zugreifenden Person definiert. Autorisierte Gemein- debedienstete und Raumplaner sollten Zugang auf alle Daten haben, Energieberater sowie die breite Öffentlichkeit nur auf einen Teil der Daten. Zur Identifikation von Gebieten, in denen potenziell Vorrang für die Nutzung von Abwärme zu überle- gen ist, werden zunächst technisch-wirtschaftlich sinnvolle maximale Distanzen für den Transport der Abwärmepotenziale ermittelt. Dafür werden Berech- nungs-Ansätze und Daten aus dem Leitfaden der schweizerischen Fernwärme angewandt 3 . Techni- sche bzw. wirtschaftliche Sinnhaftigkeit wird dabei entweder über die Vorgabe maximaler Wärmever- teilverluste oder maximaler Wärmeverteilkosten definiert. Die damit definierten Distanzkreise um die identifizierten Abwärmequellen werden in ei- nem nächsten Schritt mit Karten zu den Gebäuden bzw. deren geschätzten Wärmebedarfen überlagert. Gebiete mit starker Überschneidung zwischen Ange- bots- und Nachfrage-Potenzial könnten in Zukunft zu Abwärme-Vorrang-Gebieten erklärt werden und somit eine Nutzbarmachung der vorhandenen Abwärmepo- tenziale erleichtern (siehe nachfolgende Abbildung). Abwärme-Kontakt-Plattform Aber nicht nur die Raumplanung durch die öffentliche Hand soll eine Nutzung der vorhandenen Abwärme- mengen erhöhen, sondern auch die Erleichterung der Identifikation und Anbahnung potenzieller Projekte durch Unternehmen, Planer und Projektentwickler. Eine Maßnahme in diesem Bereich ist die Erstellung einer Abwärme-Kontakt-Plattform, auf der sich poten- zielle Abwärme-Anbieter, Abwärme-Abnehmer sowie Planer*innen und Projektentwickler*innen finden und Kontakt aufnehmen können. Im Rahmen der Aktuali- sierung des steirischen Abwärmekatasters wurde nun ein Konzept für eine derartige Plattform erarbeitet. Grundlegende Nutzer*innenanforderungen an die Plattform wurden zum einen über eine strukturierte Diskussion innerhalb des Projektteams identifiziert, zum anderen über eine Umfrage in den verschiedenen Zielgruppen: Industrie- und Gewerbe-Unternehmen in der Steiermark, Fern- und Nahwärmenetzbetrei- ber*innen, Planer*innen und Projektentwickler*innen aus der Branche der Ingenieurbüros sowie Forschung und Politik (siehe Abbildung). 1 Zentrale Ergebnisse des Abwärmekataster Steiermark 2021 wurden in der letzten Ausgabe der Nachhaltige Technologien im Detail vorgestellt. 2 https://gis.stmk.gv.at/ 3 Die Parameterstudie basiert auf dem Berechnungstool „Fernwärme – Einfluss des Rohrdurchmessers auf die Wirtschaftlichkeit“, auf Grund- lage von: Nussbaumer, T.; Thalmann, S.: Einfluss von Auslegung und Betrieb auf die Wirtschaftlichkeit von Fernwärmenetzen, 13. Holzener- gie-Symposium, TH Zürich 12.9.2014, Verenum Zürich 2014, ISBN 3-908705-25-8 Darstellung von ausgewiesenen Wärmenetz-Potenzialgebieten der Stadtgemeinde Kapfenberg, überlagert mit identifizierten Abwärme-Zonen im Hochtemperaturbereich (>100 °C) aus umliegenden Industriebetrieben Quelle: AEE INTEC Aufteilung der retournierten Umfrage-Bögen in Bezug auf die Zielgruppen der Plattform Quelle: Umfrage im Rahmen der Arbeiten zum Abwärmekataster Steiermark 2021 (e-think) 26,6% 59 8 5 150 67,6% Ich repräsentiere einen Nahwärme- oder Fernwärme-Netzbetreiber Ich repräsentiere einen Industrie- oder Gewerbebetrieb Ich repräsentiere ein Ingenieur- / Planungsbüro /Projektentwickler im Bereich Wärmenetze und/oder Abwärmenutzung Ich repräsentiere eine öffentliche Stelle Abwärmequelle(n) Wärmenetzgebiet Abwärme Zone (100/70) Gemeindegrenzen 19 18 FLEXIBILISIERUNG INDUSTRIELLER ENERGIESYSTEME
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MzkxMjI2