„nachhaltige technologien 01 | 2022"
Parallel wurden mögliche Konzepte für eine derartige Plattform erarbeitet, indem bestehende Konzepte und Plattformen analysiert, bisherige Stakeholder-Pro- zesse in der Steiermark aufgearbeitet und Konzepte und Datenanforderungen mit dem Land Steiermark diskutiert wurden. Als zentrale Produktfunktionen für eine Abwärme- Kontakt-Plattformwurde das Speichern, Darstellen und Bereitstellen von Daten zu Abwärme, Anbieter*innen und potenziellen Nutzer*innen identifiziert. Dabei geht es in erster Linie um die Darstellung und den Aus- tausch von Basisdaten, so wie sie auch im Landes-GIS integriert sind, und nicht um detaillierte Daten wie etwa gemessene Last- oder Temperaturprofile. Von zentraler Wichtigkeit für die Sinnhaftigkeit der Platt- form sind die Kontaktdaten, diese sind grundlegend für den Aufbau einer Geschäftsbeziehung. Einfache räumliche Analysen sollen auch möglich sein, eine weitere Planung würde aber dann nicht direkt über die Kontakt-Plattform, sondern über andere Planungs- werkzeuge stattfinden. In der Plattform sollten verschiedene Nutzermodi vor- gesehenwerden. Zumeinen sollte es einen öffentlichen Bereich geben, in dem keine Anmeldung notwendig ist, in dem aber auch nicht alle Daten eingesehen werden können. Zum anderen soll es einen Modus für angemeldete Nutzer*innen geben, in dem Daten zum eigenen Standort bearbeitet und freigeschalten wer- den können, und auch zusätzliche Daten sichtbar sind, wie beispielsweise Kontaktdaten. Auch sollte es eine definierte Schnittstelle mit dem Landes-GIS geben, um in der Kontakt-Plattform bzw. dem Landes-GIS eine regelmäßige Aktualisierung der Daten zu erleichtern. Die Ergebnisse der Arbeiten zur Abwärme-Kontakt- Plattform wurden in Form eines Basis-Lastenhefts für eine derartige Plattform zusammengestellt. Diese kann als Basis für eine Ausschreibung zur Erstellung der Plattform dienen. Das Titelbild zeigt einen bei- spielhaften Entwurf für eine Benutzeroberfläche mit Kartendarstellung und diversen Such- und Filterfunk- tionen einer Abwärme-Kontakt-Plattform. Ausblick Die EU hat in Ihrem „Fit for - 55 %“ – Paket das Prin- zip „energy efficiency first“ klar kommuniziert. Die Umsetzung des dort verankerten Energieeffizienzziels bedeutet für alle Mitgliedsstaaten eine große Her- ausforderung. Die Erreichung dieses Ziels stellt aber die Basis zum Erreichen der anderen beiden Ziele dar: die Anhebung des Anteils Erneuerbarer Energien und letztendlich auch die Senkung der Treibhausgas- emissionen. Gerade im Industrieland Steiermark gibt es noch nennenswerte ungenutzte Abwärmepoten- ziale, die es zukünftig zu nutzen gilt. Keine derzeit noch ungenutzte Kilowattstunde sollte verschwendet werden. Dazu sind auch neue und bereits am Markt befindliche Technologien zu integrieren und zu etablie- ren. Aus diesem Grund wird sich die Abwärmenutzung auch im neuen Aktionsplan 2022-2025 der Klima- und Energiestrategie Steiermark in diversen Maßnahmen wiederfinden. Die Umsetzung des erarbeiteten Kon- zepts für eine Abwärme-Kontakt-Plattform kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. "Zur Dekarbonisierung des Energiesystem ist es notwendig, alle zur Verfügung stehenden Quellen optimal zu nutzen. Bei der industriellen Niedertemperaturabwärme gibt es noch ein sehr hohes Potenzial. Mit dem Abwärmekataster wollen wir dieses aufzeigen. Die Abwärme-Kontakt-Plattform soll Planer*innen und Investor*innen mit Wärmebedarf konkret helfen, mit Betrieben mit Abwärme- potential in Kontakt zu kommen. Das nutzt der Umwelt und dem Klima." Dieter Thyr , Referatsleiter Energietechnik und Klimaschutz, Amt der Steiermärkischen Landesregierung / A15- Fachabteilung Energie und Wohnbau Foto: Baldur Dipl.-Ing. Marcus Hummel ist Senior Researcher und Managing Director von e-think energy research. hummel@e-think.ac.at Dipl.-Ing. Franz Mauthner, MSc ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bereichs „Städte und Netze“ bei AEE INTEC. f.mauthner@aee.at Dipl.-Ing. Wolfgang Gruber-Glatzl ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bereichs „Industrielle Systeme“. bei AEE INTEC. w.gruber-glatzl@aee.at Dipl.-Ing. Dieter Preiß ist Mitarbeiter des Referats für Energietechnik und Klimaschutz, Abteilung 15 Energie, Wohnbau, Technik, Amt der Steiermärkischen Landesregierung. dieter.preiss@stmk.gv.at Weiterführende Informationen / Links im E-Paper Abwärmekataster Steiermark https://www.aee-intec.at/awkst-abwaermekataster-steiermark-p278 Im EU Horizon 2020 Projekt „EMB3Rs“ wird eine Open Source-Plattform zur quantitativen Analyse der Nutzungsoptionen von Abwärme- und Abkältepotenzialen in der EU entwickelt. https://www.emb3rs.eu/ Klima- und Energiestrategie Steiermark 2030 (KESS 2030). https://www.technik.steiermark.at/cms/ziel/142705670/DE/
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