„nachhaltige technologien 01 | 2025"
13 Innovative Messmethoden und Forschungsansätze MARGRET begegnet diesen Herausforderungen, indem die Fassadenprüfbox bei AEE INTEC, die über zwei identische, thermisch entkoppelte Räume ver- fügt, für die Messungen herangezogen wird. Die Prüf- box ist mit umfangreicher Messtechnik ausgestattet und seit 2017 erfolgreich im Einsatz. Mit Ausnahme der Testfassade werden die Wärmeströme von fünf Umschließungsflächen thermisch kompensiert, sodass ein Wärmeaustausch nur über die begrünte bzw. die nicht begrünte Referenzfassade möglich ist. Um verschiedene Arten von Grünfassaden messen zu können, wurden 3x3 Meter große, mobile Fas- sadenbegrünungen errichtet, die abwechselnd vor der Prüffassade montiert werden. Dazu gehören troggebundene Klettersysteme mit Wisteria sinensis (Chinesischer Blauregen) sowie Parthenocissus quinquefolia (Wilder Wein) und eine Living Wall der Naturebase GmbH (https://www.naturebase.at) . Ein von der Universität für Bodenkultur ferngesteuertes Bewässerungssystem und eine Düngerpumpe stellen die optimale Versorgung der Pflanzen sicher. Zusätzlich wurden zwei identische Dachbegrünungs- testboxen mit konditioniertem darunterliegendem Hohlraum, eingebauter Sensorik und aktuellem Dämmstandard errichtet. Eine Testbox wurde mit re- duzierter Intensivbegrünung und eine mit bekiestem Referenzdach ausgestattet. Beim Versuchsaufbau wurden die ÖNORM L1131, Begrünung von Dächern und Decken auf Bauwerken, sowie ÖNORM L1136, Vertikalbegrünung im Außenraum, eingehalten, deren Entwicklung vom Verband für Bauwerksbegrünung und GRÜNSTATTGRAU als Partner begleitet wurde. Die verwendete Sensorik erfasst eine Vielzahl von Parametern, darunter Temperatur, Luftfeuchtigkeit, solare Einstrahlung, Wärmeströme und Wasserver- brauch. Parallele Messkampagnen der BOKU Wien bestimmen Leaf Area Index (LAI), den Deckungsgrad der Bepflanzung, die stomatäre Leitfähigkeit sowie die Transpiration und geben Aufschluss über die Vitalität der Begrünung. Neuheit: Messung des Verschattungseffektes mittels PyroScanner Bisherige Messungen zur Verschattung durch Grünfassaden waren meist dadurch limitiert, dass die Messergebnisse mit ortsfesten Pyranometern die räumlich fluktuierende Einstrahlung nicht erfassen können, da die konkrete Anordnung von Vegetati- onsbestandteilen (vor allem Blätter) die Messungen stark beeinflusst und sich im Laufe des jährlichen Wachstums verändert. Damit sind keine aussage- kräftigen Messungen für die gesamte Fassade oder Fensterfläche möglich. Die Verschattungswirkung von begrünten Fassaden, insbesondere vor transpa- renten Fassadenelementen, stellt jedoch die maß- gebliche energetische Wirkung der Grünfassade auf das Gebäude dar. Um dieses Problem zu lösen, wurde ein bewegliches Pyranometer auf einer zweiachsi- gen, mikrocontrollergesteuerten Router-Plattform montiert. Das Pyranometer wird auf einer speziell optimierten Route hinter dem Fenster geführt und erfasst die fluktuierende Einstrahlung an einer Viel- zahl von Messpositionen. Durch Auswertung dieser Messungen kann die durch die Grünfassade hervor- gerufene Änderung der Transmissionseigenschaften des Fensters für unterschiedliche Bewuchsstände und Einstrahlungsverhältnisse ermittelt werden. Die mobile Living Wall (links) und Messungen der Pflanzenparameter an Wildem Wein durch einen Mitarbeiter der BOKU Fotos: AEE INTEC / Martina Majcen 1 https://nachhaltigwirtschaften.at/de/sdz/publikationen/schriftenreihe-2021-43-green-energieausweis.php 2 https://www.th-nuernberg.de/fileadmin/fakultaeten/ar/Forschung2/Konstruktion_und_Technik/Abschlussberichte/GreenFaBS-Schlussbericht-03ET1636A_B-220427-Web.pdf Der Pyroscanner (links) und eine grafische Darstellung der erfassten Messpunkte in einem Scandurchgang Bilder: AEE INTEC 12 LEBEN IM KLIMAWANDEL
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