„nachhaltige technologien 01 | 2025"

n einer Welt, die mit den Herausforderungen des Klimawandels und der Urbanisierung konfrontiert ist, bietet die Begrünung von Gebäuden innovative Lösungen für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Das Forschungsprojekt MARGRET („Messtechnische Erfassung begrünter/nicht begrünter Objekte zur Adaptierung von Berechnungsmodellen“) untersucht in einem kontrollierten Prüfsetting, wie Fassaden- und Dachbegrünungen die Energieeffizienz von zeitgemäß gedämmten Gebäuden beeinflussen und so zur Klimaneutralität beitragen können. Gestützt auf interdisziplinäre Expertise hat MARGRET zum Ziel, standardisierte Messverfahren und Kennwerte zu entwickeln, um die Wirkung von Gebäudebe- grünungen quantitativ zu erfassen und damit die Implementierung in Normen und Energieausweise voranzutreiben. Die Vision von MARGRET Gebäudebegrünungen wirken wie natürliche Klima- anlagen: Sie reduzieren die Aufheizung von Fassaden und Dächern, kühlen durch Verdunstung und bieten gleichzeitig Lebensraum für Flora und Fauna. Neben der direkten Verbesserung der Wohnqualität tragen sie im Außenraum dazu bei, städtische Hitzeinseln zu mindern. Mit der Schaffung einer wissenschaftlich fundierten Basis für die Integration dieser Grün- strukturen in bauliche Energiestandards und Normen knüpft die vom BMK über die FFG beauftragte Studie direkt an das österreichische Forschungsprojekt GREENergieausweis an 1 . Limitationen bisheriger Forschungen zum Thema Trotz der Vielzahl an Studien mit Messungen an Wand- und Dachbegrünungen, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, ist es bisher noch nicht gelungen, daraus allgemeingültige Werte und Mess- verfahren abzuleiten. Ein Grund dafür ist, dass kaum Untersuchungen an Objekten mit zeitgemäßem Gebäudestandard vorliegen. Eine Ausnahme bildet die kürzlich abgeschlossene Studie am Fraunhofer- Institut für Bauphysik IBP 2 . Messungen einer wand- gebundenen Begrünung ergaben im Raum hinter der Grünfassade eine um knapp 2 K niedrigere innere Oberflächentemperatur und einen um bis zu 10 W/m² reduzierten Wärmestrom im Vergleich zum iden- tischen unbegrünten Testraum. Studien an realen begrünten Gebäuden haben das Problem, dass selten ein unbegrünter Referenzraum mit identischen Ausgangsvoraussetzungen (Wandaufbau, Orientie- rung, Fensterflächen) zur Verfügung steht. Dadurch ist es schwierig, die gemessenen Werte eindeutig Effekten der Begrünung zuzuordnen. Der dynamische Charakter von Begrünungen ist, im Gegensatz zu sta- tischen Bauelementen, die sich jahrzehntelang nicht verändern, wesentlich schwieriger mit Kennwerten zu beschreiben. I Die AEE-INTEC-Fassadenprüfbox mit einer der mobilen Grünfassaden und Messequipment Foto: AEE INTEC / Martina Majcen Gebäudebegrünung messbar machen Martina Majcen, Daniel Rüdisser, Waldemar Wagner, Peter Gruber, Susanne Formanek, Elisabeth Leitner, Rudolf Bintinger, Ulrike Pitha, Bernhard Scharf, Philipp Spörl, Udo Buttinger

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