„nachhaltige technologien 01 | 2025"

bei weitem noch nicht voll ausgeschöpft. Gründe da- für sind unter anderem die vergleichsweise kleinen Planungsbüros, begrenzte Budgets und mangelnde digitale Expertise auch in den eher handwerklich geprägten ausführenden Unternehmen der Begrü- nungsbranche. In Bezug auf BIM fehlen einheitliche Standards, Schnittstellen und Know-how. Genau hier setzen die Forschungsprojekte Green BIM und Green BIM 2 an, um die Digitalisierung der Grünen Branche durch die Entwicklung und Erprobung innovativer Standards und digitaler Werkzeuge voranzutreiben. Die Projekte werden von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert, um grüne Bauprojekte von der Bauwerksbegrünung bis zur Landschaftsplanung nachhaltig zu optimieren und die interdisziplinäre Zusammenarbeit weiter zu verbessern. Zukünftig wird das Projekt Green BIM 3 diese Ansätze erweitern und digitale Tools sowie entsprechende Schulungen für die grüne Branche bereitstellen. Lösungen und Antworten durch Forschungsprojekte Die Forschungsprojekte Green BIM und Green BIM 2 haben wesentliche Fortschritte bei der Digitali- sierung der Grünen Branche erzielt. Beide Projekte haben konkrete Anwendungen von BIM in der Begrü- nungsplanung getestet und weiterentwickelt. Green BIM (2019-2022) legte den Grundstein für die Integ- ration von Begrünungselementen in BIM. Dazu wurde ein Vorschlag für eine „Green BIM IFC-Datenstruktur“ (IFC ist das international standardisierte Datenaus- tauschformat) entwickelt, die es ermöglicht, not- wendige Eigenschaften, wie Nährstoffbedarf, Wuchsverhalten sowie Boden- und Lichtansprüche von Pflanzen mit dem digitalen Modell zu verknüp- fen. Zur weiteren Verbreitung der Projektergebnisse wurde von einigen Projektpartnern der „Verein zur Förderung der Grünen Baukultur“ (https://v-gbk.org/) gegründet. Green BIM 2 (2023-2025) baut auf diesen Grundlagen auf und testete in Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekt*innen und Landschaftsbau- Unternehmen die Praktikabilität der „Green BIM-IFC Datenstruktur“ in realen Begrünungsprojekten. Aus diesen Erfahrungen heraus wurden die Attribute- listen – also diejenigen Informationen, die mit den Green BIM-Objekten digital verknüpft werden können – nochmals überarbeitet und ergänzt. So wird die Datenstruktur um Attribute und Merkmale, die für die Freiraumplanung von Parks oder Stadtquartieren relevant sind, ergänzt. Ein weiterer Meilenstein ist der von AEE INTEC entwickelte und im Rahmen von Green BIM 2 verbesserte BuildingTwin-online-Viewer. Der Viewer ermöglicht es, ein 3D-Modell der Begrü- nung direkt in jedem Webbrowser anzuzeigen und alle IFC-Planungsdaten der Elemente einzusehen und zu bearbeiten. Außerdem können im Viewer auch Echtzeit-Messdaten direkt mit den entsprechenden Elementen im BIM-Modell verknüpft und grafisch dargestellt werden. Dazu gehört beispielsweise die Integration von Sensoren, die Umweltparameter, wie Luftfeuchtigkeit oder Temperatur, messen. Diese Entwicklungen schaffen neue Möglichkeiten, Begrünungen effizienter zu betreiben und deren positiven Beitrag zur Klimaanpassung zu quantifi- zieren. Durch die intuitive Bedienbarkeit des Viewers können Nutzer*innen, wie Landschaftsplaner*innen und Facility Manager*innen, effektiver arbeiten und fundierte Entscheidungen treffen. "Die Klimaerwärmung ist bereits Realität. Das häufigere und intensivere Auftreten von Hitzewellen und Starkregenereignissen hat unmittelbare Auswirkungen auf die Umwelt (Landwirtschaft, Energieproduktion, Tier- und Pflanzenwelt) und die Gesundheit der Menschen. In Anpassung an die Klimaveränderungen ist der Umgang mit Stadt- und Gebäudeoberflächen neu zu überdenken, indem Versiegelungen größtmöglich vermieden und Bauwerksbegrünungen forciert werden. Neben der Sicherung von Frei- und Grünräumen spielen der Erhalt und das Anpflanzen klimafitter Bäume eine bedeutende Rolle zur Verbesserung des Mikroklimas. Nicht zuletzt erfüllen Retentionsflächen durch Speichern und verzögertes Ableiten von Wasser wertvolle Funktionen im Klimaschutz." Petra Brandweiner-Schrott, Geschäftsführung, Ingenieurbüro für Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur, Obfrau der Fachgruppe Ingenieurbüros, Wirtschaftskammer Steiermark, Obmann-Stv.in des Fachverbandes Ingenieurbüros, Wirtschaftskammer ÖsterreichInnovation und Technologie, Abt. III/3 Energie- und Umwelttechnologien, Referentin im FTI-Schwerpunkt Klimaneutrale Stadt Foto: Ripix/Richard Großschädl 17 16 LEBEN IM KLIMAWANDEL

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