„nachhaltige technologien 01 | 2025"

Die Implementierung von Dach- und Fassadenbegrü- nungen hilft weiters, „städtebauliche Wärmeinseln“ zu reduzieren. Pflanzen absorbieren Kohlendioxid, bieten Schatten und erhöhen die Verdunstung, was die Temperatur in städtischen Gebieten senken kann. Dies ist besonders wichtig in einer Zeit, in der Hit- zewellen immer häufiger auftreten und dadurch die Gefahr von hitzebedingten negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung steigt. Anhand von drei Forschungsprojekten sollen An- wendungsmöglichkeiten, Herausforderungen und Lösungsansätze näher beleuchtet werden. Bauwerksbegrünung und Grauwassernutzung Ein im Jahr 1895 errichtetes Gründerzeit-Gebäude in Wien mit 31 Wohnungen und vier Geschäftslokalen wurde im Rahmen des Forschungsprojekts „Queen Gudrun II“ nach dem EnerPHit-Standard saniert. Durch einen Dachausbau in Holzbauweise wurde nachverdichtet und ein innovatives Bewässerungs- system mit recyceltem Grauwasser von Strebelwerk GmbH installiert. Dieses versorgt die lebendige Fassadenbegrünung mit Wasser. Als Fassadenbegrü- nungssystem kam ein modulares, wandgebundenes Fassadenbegrünungssystem der Partnerfirma Sem- pergreen (Urbanscape) als Living Wall zum Einsatz. Das Bewässerungssystem nutzt Grauwasser, das in einem Tank gesammelt, biologisch gereinigt und durch eine automatische Steuerung an die Pflanzen abgegeben wird. Eine extensive Dachbegrünung, begrünte Balkone und ein grüner Innenhof steigern die Lebensqualität der Bewohner*innen und tragen ebenfalls zur Verbesserung des Stadtklimas bei. Einige Wohnungen sind über diesen Innenhof und eine Laube erreichbar. Die Fassadenbegrünung wurde kontinuierlich über- wacht und ein Pflegevertrag gemäß Norm L1136 für vertikale Fassadenbegrünung mit der Firma Jakl abgeschlossen. In der Sanierung war auch die Stadt Wien, unter anderem mit WieNeu+, eingebunden. Ein zentrales Ziel war es, die Natur wieder verstärkt in ur- bane, dicht bebaute Gebiete zurückzubringen. Weite- re Partner waren Schöberl & Pöll GmbH, Trimmel Wall Architekten ZT GmbH und eFriends Energy GmbH. Ein Vorversuch wurde bereits im Labor der Universi- tät für Bodenkultur im Projekt greenWATERrecycling durchgeführt. Der Einfluss von Grauwasserbe- wässerung wurde auf die Vitalität verschiedener Pflanzenarten untersucht. Das Ergebnis war positiv: Verschiedene Parameter wie Biomasse und Pflan- zenwachstum wurden an Rasen über Stadtbäume bis zu Kletterpflanzen gemessen und zeigten, dass aufbereitetes Grauwasser unter bestimmten Bedingungen eine ressourcenschonende Alternative für die Bewässerung darstellt. So wird bei einer potenziellen Verknappung von Leitungswasser die Pflanzenbewässerung sichergestellt. Der Technikraum von Strebelwerk GmbH mit Grauwassertanks Foto: Strebelwerk GmbH Menschlicher Urin als natürlicher Dünger für Bauwerksbegrünung – Projekt SAVE Urin ist ein hervorragender Rohstoff, Stickstoff und Phosphor sind seine wertvollsten Bestandteile. Wäre es möglich, ihn vom restlichen Abwasser zu trennen und aufzubereiten, hätte dies erhebliche Vorteile für Mensch und Umwelt. Die Wiener Kläranlage in Simmering entfernt bei- spielsweise weniger als 80 Prozent des Stickstoffan- teils aus Abwässern. Der Rest gelangt zusammen mit Abwässern aus der Landwirtschaft in Fließgewässer und weiter ins Meer. Sie sorgen aufgrund der hohen Stickstoff- und Phosphoranreicherung – Hauptbe- standteile von Düngemitteln – zu Überdüngung bzw. Eutrophierung und in weiterer Folge auch zu marinen Totzonen, in denen es zu vermehrtem Algenwachs- tum kommt, und kein Sauerstoff mehr im Wasser vorhanden ist. Das Wiener Industriedesignstudio EOOS NEXT befasst sich schon länger mit sozialem und nachhaltigem Design, die besondere Expertise liegt in der Integra- tion der Urine Trap Technologie in Urinseparations- toiletten, die aus der langjährigen Zusammenarbeit mit der Bill & Melinda Gates Foundation entstanden ist. Das Designstudio wollte einen einfachen und Schema der Grauwasseranlage aus dem Projekt Queen Gudrun Foto: Trimmel Wall Architekten ZT GmbH, Strebelwerk GmbH 21 20 LEBEN IM KLIMAWANDEL

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