„nachhaltige technologien 01 | 2026"
es einen Mehrwert mit sich bringen, eine standar- disierte Schnittstelle zwischen Netzbetreibern und Energiegemeinschaften zur Verfügung zu stellen. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht würden dadurch Mehrfachaufwände durch eine heterogene Schnitt- stellenlandschaft reduziert und innovative Lösungen vorangetrieben. Eine standardisierte Schnittstelle für den Echtzeitdatenaustausch würde die Entwicklung von lokalen Flexibilitätsmärkten vorantreiben, in denen Energiegemeinschaften ihre Dienste anbie- ten können, und diese auch vergütet bekommen könnten. So können Energiegemeinschaften einen Mehrwert für die Stabilität der Netzinfrastruktur liefern, zusätzlich zum monetären Mehrwert für die Teilnehmer*innen. Energiegemeinschaften stellen nicht nur Verteil- netzbetreiber vor immer größere Herausforderungen, sondern haben auch erheblichen Einfluss auf das Ge- schäftsmodell von Energieversorgungsunternehmen (EVU). Durch die immer größer werdende Anzahl an Endkund*innen, die Teil einer Energiegemeinschaft sind, werden Energieversorgungsunternehmen von „Vollversorgern“ zu „Reststromversorgern“, was ihre Einnahmen deutlich reduziert. Zeitgleich steigt das Ausgleichsenergierisiko für Energieversor- gungsunternehmen und damit auch die Kosten für Ausgleichsenergie nachweislich, da herkömmliche „Mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz wird die Teilnahme an Energiegemein- schaften für Unternehmen und Haushalte deutlich einfacher. Erstmals ist eine gemeinsame Energienutzung ohne eigene Rechtsperson möglich – unkompliziert über einen Vertrag im Peer-to-Peer-Modell. Das bringt Vorteile für alle: Strom, vor allem aus erneuerbaren Quellen, wird effizienter genutzt, Endkundenpreise stabilisieren sich, und es entsteht regionale Wertschöpfung.“ Benedikt Ennser, Leiter der Sektion V – Energie (ad interim), Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus Foto: Wilke Dr. in Dipl.-Ing. in Bernadette Fina, Integrated Energy Systems, Center for Energy, AIT Austrian Institute of Technology GmbH, Scientist und Expertin für Energiegemeinschaften. bernadette.fina@ait.ac.at Dipl.-Ing. David Reihs, Power and Renewable Gas Systems, Center for Energy, AIT Austrian Institute of Technology GmbH, Research Engineer und Experte für digitale Infrastruktur und Energiegemeinschaften. david.reihs@ait.ac.at Dipl.-Ing. Helfried Brunner, MSc, Power and Renewable Gas Systems, Center for Energy, AIT Austrian Institute of Technology GmbH, Thematic Coordinator Power System Planning and Operation. helfried.brunner@ait.ac.at Weiterführende Informationen / Links im E-Paper [BMK 2024] ORANGE [CIRED 2024] Reihs, D., Cejka, S., & Stefan, M. (2024). Grid-aware Demand Response in Energy Communities. Beitrag in CIRED 2024 Vienna Workshop, Wien, Österreich. [CIRED 2025] Reihs, D., Korner, C., & Stefan, M. (2025). Can community scale energy storage and grid-aware control mitigate distribution grid challenges, in Proceedings of CIRED 2025 Conference, Genf, Schweiz Projekt GridCommunity Standardlastprofile für eine ausreichend genaue Pro- gnose der Residual-Lastprofile von Teilnehmenden an Energiegemeinschaften nicht geeignet sind. Auch hier besteht somit unmittelbarer Forschungs- bedarf, was die Prognosemöglichkeiten von Energie- gemeinschaften im Allgemeinen, bzw. individuellen Energiegemeinschafts-Mitgliedern betrifft. Fazit Erfahrungswerte aus Forschung und Praxis zeigen, dass Energiegemeinschaften großes Potenzial haben, durch aktive Beteiligung der Bevölkerung einen signi- fikanten Beitrag zum Gelingen der Energiewende zu leisten. Um dieses Potenzial vollständig zu heben ist es jedoch unerlässlich, Energiegemeinschaften und andere Stakeholder der E-Wirtschaft, wie Energie- versorgungsunternehmen und Verteilnetzbetreiber, noch weiter zusammenrücken zu lassen. Dies kann durch präzise Kenntnis der gegenseitigen Bedürf- nisse und Herausforderungen gelingen, auf deren Basis gemeinsame und für alle Beteiligten tragbare Lösungsansätze entwickelt werden. Österreich ist auch in diesem Kontext prädestiniert, als First-Mover voranzuschreiten und die Entwicklung von Energiegemeinschaften über die nationalen Grenzen hinweg positiv zu beeinflussen. 11 10 ENERGIEGEMEINSCHAFTEN
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