„nachhaltige technologien 01 | 2026"

nergiegemeinschaften gelten als Schlüssel für die Dezentralisierung des Stromnetzes. Doch die Standard-Implementierung über gegebene Marktpro- zesse stößt an technische Grenzen: Latenzzeiten und fehlende Datentiefe verhindern echte Flexibilität. Die Erneuerbare Energiegemeinschaft (EEG) Stanzer- tal zeigt, wie man diese Hürden durch eine Symbiose aus „Social Engineering“ und Distributed-Ledger- Technologie (Blockchain) überwindet. Technologische Innovation findet nicht im luftleeren Raum statt. Sie benötigt eine Infrastruktur – nicht nur in Form von Glasfaser und Transformatoren, sondern auch in Form von sozialer Akzeptanz und Anwender*innenbereitschaft. In Stanz im Mürztal dient eine historisch gewachsene Beteiligungskultur als Basis für ein High-Tech-Projekt, das weit über das gewöhnliche Abrechnungsmodell einer Energiege- meinschaft hinausgeht. Das Ziel: Die Tokenisierung von Energie und die Etablierung lokaler Peer-to-Peer- Märkte in Echtzeit. Der Use Case: Warum Standard-Prozesse nicht reichen Seit der Einführung des Erneuerbaren-Ausbau-Geset- zes (EAG) sprießen Energiegemeinschaften aus dem Boden. Der Standardweg führt dabei über die Platt- form EDA (Energiewirtschaftlicher Datenaustausch) und die Marktprozesse der ebUtilities. Für eine reine bilanzielle Abrechnung ist dies zumeist ausreichend, für eine technisch sinnvolle Netzintegration jedoch nicht. Das Problem ist die Latenz und die Granularität: Viertelstundenwerte der Smart Meter werden erst mit 24 Stunden Verzögerung über die EDA-Plattform bereitgestellt. Das anschließende Clearing kann bis zu sechs Wochen dauern. Zudem enden die Daten am Smart Meter. Was dahinter passiert – Sub-Metering, PV-Erzeugung in Echtzeit oder der Ladestand von Bat- teriespeichern – bleibt für das System eine "Black Box". Für die EG Stanzertal war klar: Um echte Flexibilität, Erhöhung des Eigennutzungsgrades und eine netz- dienliche Optimierung zu erreichen, sind Echtzeitda- ten und eine direkte Kommunikation von Maschine zu Maschine unerlässlich. Diese Vernetzung ist je- doch kein technologischer Selbstzweck – im Zentrum des Systems steht nicht die Maschine, sondern der Mensch. Phase 1: Der soziale "Roll-out" als Basis Die Basis bildete ein seit 2016 laufender Lokale- Agenda-21-Prozess in der Gemeinde. Hier wurde ein Mindset etabliert: Ausprobieren statt jahrelanger Theorie. Ein Beispiel für dieses "Social Prototyping" war das Projekt "Stanzer E-Mobil". Was als analoge Mitfahr- börse begann, skalierte zu einem von 20 Freiwilligen betriebenen, kommunalen E-Taxi-System. Diese Pro- jekte zeigen für die Bevölkerung: Technologie stei- gert die Lebensqualität, wenn sie gemeinschaftlich verwaltet wird. Ein wesentlicher Türöffner für die fundierte Ausei- nandersetzung mit innovativen Möglichkeiten der Im Stanzertal trifft Blockchain auf Bürger*innenbeteiligung Rainer Rosegger E Foto: LupiSpuma

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