„nachhaltige technologien 01 | 2026"

Die EU-Gebäuderichtlinie (Richtlinie (EU) 2024/1275) sieht bis 2050 Klimaneutralität für den Gebäudebe- stand vor. Wichtige Ziele sind die Renovierung des Gebäudebestands und der Ausstieg aus fossilen Heizungssystemen, wobei von den Mitgliedsstaaten Minimum-Gebäude-Energieeffizienzstandards festgelegt und nationale Gebäudesanierungspläne erstellt werden müssen. Finanzielle Anreize, Ausbildungsinitiativen und Modernisierung der technischen Gebäudeausrüstung zur Steigerung von Energieeffizienz und Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien sowie die Förderung von nachhaltigen Mobilitätslösungen sind weitere Punkte der Richtlinie. In Österreich wurden das Erneuerbare-Wärme-Gesetz, das nationale Emissionszertifikate-Handelsgesetz sowie unterschiedliche Förderungen in Bezug auf Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in den unterschiedlichen Sektoren als relevante Grundlage für die Wärmewende identifiziert. Besonders wichtig in Bezug auf die Ausgestaltung von rechtlichen Rahmenbedingungen und Fördermechanismen ist die Erreichung von Planungssicherheit für die beteiligten Stakeholder*innen, um die Ziele der Wärmewende im vorgesehenen Zeitrahmen auch wirklich erreichen zu können. Technologische Trends Sieben technologische Trends wurden einerseits aus relevanten Studien zum Thema sowie durch acht Expert*innen-Interviews identifiziert. Trend 1: Elektrifizierung des Wärmeversorgung Die Elektrifizierung des Wärmesektors wird sowohl in den Studien als auch von den Expert*innen als Zukunftstrend gesehen. Damit verbunden ist auch die Nutzung von Wärmepumpen, sowohl im Gebäu- de- als auch im Industriebereich. Trend 2: Nutzung unvermeidbarer Abwärme Für die Nutzung von industriellen und kommunalen Abwärmequellen, wie beispielsweise Rechenzentren oder Kläranlagen spielen ebenfalls Wärmepumpen eine zunehmend wichtige Rolle. Die gewonnene Wärme kann entweder in Wärmenetze eingespeist werden oder direkt in Industriebetrieben Verwen- dung finden. Trend 3: Energieraumplanung und Nutzung lokaler, erneuerbarer Wärmequellen Methoden der Energieraumplanung gewinnen zunehmend an Bedeutung, um die Nutzung von lokalen erneuerbaren Energieträgern zu planen und zu optimieren. Durch die Erstellung von kommunalen Wärmeplänen, Ausweisung von Energiezonen oder Ermittlung von Wärmebedarfsdichten können die Nutzung lokaler erneuerbarer Energieträger wie beispielsweise Solarthermie, Geothermie oder Biomasse sowie der gezielte Ausbau von Fernwärme- netzen in dicht bebauten Gebieten bedarfsgerecht geplant beziehungsweise Empfehlungen zur Nutzung bestimmter Heizungstechnologien gegeben werden. Trend 4: Dekarbonisierung von Fern- und Nahwärme Erneuerbaren-Mix In der Umstellung von Fern- und Nahwärmenetzen auf erneuerbare Quellen spielt der Einsatz von (Groß-)Wärmepumpen, Tiefengeothermie, Solarther- mie und Abwärme sowie die Einbindung thermischer Großspeicher eine zunehmend wichtige Rolle. Vor allem die Einbindung von Speichern ermöglicht durch Sektor-Kopplung, Power2Heat-Lösungen oder Ausführung als saisonale Speicher die Möglichkeit einer Flexibilisierung der Netze. Trend 5: Sektor-Kopplung und Systemintegration Durch die Verknüpfung von Energienetzen (Strom-, Wärme-, Gassektor; Power2Heat, Power2Gas) sowie verschiedenen Akteur*innen (Industrie, Gemeinden, kommunale Infrastrukturen, Heizwerkbetreiber*innen) können einerseits die Stromnetze durch gezielten Einsatz von Strom für die Wärmebereitstellung im Gebäude-, Fernwärme- und Industriesektor entlastet sowie andererseits Synergien im Betrieb von Energie- anlagen genutzt werden. Trend 6: Sanierung und Effizienzsteigerung im Gebäudesektor Durch thermische Sanierung wird der Wärmebedarf im Gebäudebereich reduziert. Weiters führt die För- derung integrierter Sanierungslösungen und neuer Versorgungstechnologien zu einer Effizienzsteige- rung im Gebäudebereich. Trend 7: Digitalisierung & Intelligente Steuerung Digitale Steuerungs- und Monitoringsysteme auf Gebäude-, Netz- und Systemebene tragen zu Ver- brauchsoptimierung, Lastmanagement und Inte- gration volatiler Energiequellen bei. Ökonomischer Mehrwert In Bezug auf die Wirtschaftlichkeit der Umwelttech- nikbranche zeigt sich seit ca. 10 Jahren eine konti- nuierliche Steigerung der Bruttowertschöpfung der Branche. Auch in Krisenzeiten wie Corona-Pandemie oder Angriffskrieg in der Ukraine erwiesen sich die Betriebe der „Green Economy“ als krisenresistenter als die übrige Industrie. Durch die Wärmewende lassen sich durch zusätzliche Maßnahmen weitere positive ökonomische Effekte feststellen. Ein Aspekt ist beispielswiese die Senkung der Energiekosten, die in einem Studienszenario je nach Gebäudeart im Zeitraum zwischen 2030 bis 2050 zwischen 22 und 37 Prozent liegt.

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