„nachhaltige technologien 2|2017“
ie Mehrzahl der Wohnungen und Häuser wird immer noch mittels klassischer Fensterlüftung gelüf- tet, doch die Luftqualität in den Innenräumen gerät zunehmend in den Fokus der Fachleute. Gesellschaft- liche Entwicklungen wie vermehrte Singlehaushalte und Berufstätigkeit aller BewohnerInnen sind zum Teil dafür verantwortlich, dass zu wenig oder falsch gelüftet wird. Der hygienisch notwendige Frischluft- bedarf zur Abführung der Schad- und Geruchsstoffe beträgt ca. 30 m³/h pro Person (CO 2 -Grenzwert 0,1 %, Pettenkoferzahl). Zusätzliche Belastungen durch offe- ne Verbrennungsstätten (Kachelofen) und Emissionen von Geräten wie Computern, Druckern, Hausgeräten und Einrichtungsgegenständen sind ebenfalls zu beachten. Die heutige energetisch optimierte Bauweise hat zwar die thermische Behaglichkeit wesentlich verbessert und die Heizkosten gesenkt, aber die Dichtigkeit der Gebäudehülle bedingt auch die Gefahr von „schlech- ter Luft“ durch gar nicht oder zu wenig lüften. Relative Raumluftfeuchte in Abhängigkeit der Luftwechselrate Quelle: Informationszentrum Fenster Türen Fassaden e.V., Theodor-Gietl-Str. 9, 83026 Rosenheim, ifz, Rosenheim 8/2003 Reduzierung des Luftaustauschs durch neue Fenster Durch den Einbau von "neuen" Fenstern wird der unkon- trollierte Luftaustausch (Infiltration) stark reduziert. Durch die Reduzierung der Luftwechselrate von ca. 1,20 1/h auf ca. 0,20 1/h erhöht sich die relative Luftfeuchtig- keit von ca. 25 % auf 85 %, d. h. um das ca. 3-fache. Dies bedingt, dass ein auf diese neue Situation nach der Sanierung abgestimmtes Lüftungskonzept erforderlich wird. Es müssen die (Fenster-)Lüftungsgewohnheiten der BewohnerInnen geändert und/oder die Installati- on einer mechanischen Be- und Entlüftungsanlage in Betracht gezogen werden. Keine Änderung der Gewohnheiten nach einer Sa- nierung oder kein Lüftungskonzept kann in weiterer Folge zu einer niedrigen Raumluftqualität und auch zu Bauschäden führen. Durch richtiges Lüften kann ein behagliches Wohnklima geschaffen werden und dies bedeutet: Hohe bzw. exzellente Luftqualität, Vermeidung von Schimmelpilzbildung und Bauschäden, gesundes Wohnklima, Reduktion der Heizkosten sowie Steigerung der Konzentration und Arbeitsleistung Es stellt sich nun die Frage, ob diese aufgezeigten Kriterien auch vollständig oder zumindest teilweise durch manuelle oder automatische Fensterlüftungen erfüllt werden können. Nutzerunabhängige Lüftung Prinzipiell stehen für Wohnraumlüftungen mehrere Systeme zur Verfügung, wobei zwischen freier Lüftung und ventilatorgestützter Lüftung unterschieden wird. D Frischluft für die Nutzer durch Fensterlüftungselemente? Karl Höfler „Undichte“ Gebäudehülle Fensterlüftungselement Foto: AEE INTEC
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