„nachhaltige technologien 2|2017“
17 16 SCHWERPUNKT FASSADEN intergrund InnovativeFassadenberuhenaufeinertechnologischen Disziplinenkombination aus Maschinenbau, Leichtbau, Metallbau, Glaswesen, Haustechnik etc. mit hohen bauphysikalischen Anforderungen. Dies stellt sowohl Planer als auch Ausführende vor immense Herausfor- derungen, da die unterschiedlichsten Fachdisziplinen zusammenzuführen sind, welche in den seltensten Fällen von nur einem einzelnen Fachplaner oder ei- nem ausführenden übergreifenden Betrieb beherrscht werden. Trotz dieser Systemkomplexität wird auch bei hohen Objektsummen vor der Fertigung häufig keine ausreichende technisch-funktionale Qualitätskontrol- le eingesetzt, lediglich die ästhetische Bemusterung vor Ort findet regelmäßig statt. Komplexe Fassaden übernehmen diverse – eben nicht nur ästhetische – Funktionen, wie Wetterschutz und Raumbehaglichkeit sichern, Belüften, Beleuchten, thermische sowie elektrische Energieerzeugung, -spei- cherung und -verteilung. Um dieser Komplexität mit ihren Risiken (auch finanzieller Art, u.a. Wartung und Betrieb) zu begegnen, werden technisch-funktionale Modelltests benötigt, so dass der Bauherr ausreichen- de Sicherheit über die Funktion der bestellten Fassade erlangt. Darüber hinaus erleichtert ein vorheriger Test im Bereich der Gebäudetechnik die spätere Inbetrieb- nahme und schützt vor späteren Überraschungen, d.h. im Idealfall wird das Gebäude in Betrieb genommen und das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten funktioniert auf Anhieb, ohne dass im laufenden Betrieb noch große Nachbesserungen vorgenommen werden müssen. Mit seinen Kompetenzen und Ver- suchseinrichtungen kann das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Holzkirchen solche Bemusterungen unter Realbedingungen vornehmen, für welche es derzeit keine standardisierten und etablierten Testver- fahren gibt. Im Folgenden werden die Möglichkeiten und die resultierenden Vorteile am Beispiel einer Fas- sadenbemusterung am VERU-Versuchsgebäude des Fraunhofer IBP dargestellt. Beispiel Abluftfassade Am Standort der Firmenzentrale des Unternehmens Festo AG in Esslingen wurde mit dem „AutomationCen- ter“ ein neues Bürogebäude mit einer innovativen Fas- sadentechnologie, einer sogenannten Abluftfassade, geplant und nach einem Mock-up-Test umgesetzt. Zur Minimierung der im Raum wirksam werdenden solaren Lasten wurde die einschalige Fassade mit vollflächiger Sonnenschutzverglasung und einem innenliegenden Blend- und Sonnenschutzscreen ausgeführt. Bei dieser Konstruktionsvariante wird die Abluft aus dem Raum über den Spalt zwischen Screen und Verglasung durch H Technisch-funktionale Modelltests zur Absicherung integraler Fassadenkonzepte Michael Eberl, Herbert Sinnesbichler, Gunnar Grün Außenansicht des Gebäudes mit Testfassade an der Versuchseinrichtung für energetische und raumklimatische Untersuchungen (VERU) am Standort Holzkirchen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik Foto: Fraunhofer-Institut für Bauphysik
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