„nachhaltige technologien 2|2018“
einnehmen konnte, liegt auch an den politischen und infrastrukturellen Gegebenheiten. Zum einen sind die fossilen Brennstoffe Öl und Gas hoch besteuert. Zum anderen ist die Fernwärme in Dänemark stark verbreitet. Deutlich zeigt sich an den dänischen Beispielen, wie durch die großen Wärmespeicher die Nutzung erneuerbarer Energien und der Strom-Wärme-Sekto- renkopplung auf lokaler Ebene „smart“ kombiniert werden können. Durch die Großspeicher können so- wohl KWK-Anlagen als auch Power-to-Heat-Anlagen optimal betrieben werden. Neue Generation der Fernwärmeversorgung Die oben genannten Projektbeispiele weisen auf Trends hin. Christian Maaß, Direktor des Hamburg Instituts, sprach von der „nächsten Generation der Fernwärmeversorgung“, die nun begonnen habe. „Wär- menetze werden eine Plattform für die unterschied- lichsten Wärmequellen sein: Solarthermie, Biomasse, Industrieabwärme, Müllverbrennung, Geothermie und Wärmepumpen.“ Dass es auch für die Montage der Solarkollektoren verschiedenste Optionen gibt, zeigte Simona Weisle- der vom Hamburg Institut auf. Es gäbe eine fehlende Bereitschaft, landwirtschaftliche Flächen für solar- thermische Großanlagen zur Verfügung zu stellen, konstatierte sie und präsentierte Alternativen. Bei dem „Energie-Bunker“ in Hamburg-Wilhelmsburg sind die Solarkollektoren beispielsweise auf einem alten Bun- ker montiert. Sie können aber auch auf Parkhäusern, Gewächshäusern, auf Industrie- und Geschosswoh- nungsbauten, auf still gelegtenMülldeponien, bei Klär- werken und an Lärmschutzwänden montiert werden. Denkbar ist auch, sie entlang Straßen zu installieren oder aufgeständert über landwirtschaftlichen Flächen, wie es bei so genannten Agro-Photovoltaik-Anlagen schon erprobt wird. „In Workshops konnten wir ein großes Interesse an Win-Win-Lösungen feststellen“, berichtete sie. Teilnehmende Vertreter von Landes- institutionen aus der Steiermark, Thüringen und der französischen Region Auvergne-Rhone-Alpes präsen- tierten diesbezüglich ihre Initiativen für verbesserte 25 24 THERMISCHE ENERGIETECHNOLOGIEN UND HYBRIDE SYSTEME rechtliche Rahmenbedingungen und eine bessere Flä- chenverfügbarkeit für erneuerbare Energien. Die Technik ist ausgereift und kann heute genutzt werden, lautete das Fazit der Konferenz. In der ab- schließenden Podiumsrunde forderten die Diskutanten gleichwohl ein stärkeres Engagement der Politik, um Maßnahmen zur CO 2 -Reduktionanzustoßen. Angesichts des niedrigen Preises für fossile Energieträger müsse es Anreize geben, um erneuerbare Energien attraktiver zu machen. Eine Möglichkeit könne sein, CO 2 zu be- steuern. Abschließend appellierte Maaß an die Branche, trotz nicht optimaler politischer Rahmenbedingungen selbstbewusst zu sein und Projekte umzusetzen. „Wir haben alle Argumente auf unserer Seite.“ Hintergrundinformation: 5. Internationale Konferenz für solare Fernwärme Von 11. bis 12. April 2018 trafen sich 350 internationale Fernwärme- und Solarexperten aus über 30 Ländern, um sich über die neuesten Konzepte und Entwicklungen im Bereich der solaren Fernwärme auszutauschen. Veran- staltet wurde die Konferenz von AEE INTEC, dem AGFW | Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V. und dem Steinbeis Forschungsinstitut Solites. Anlagenbesichtigung des Fernheizwerks Puchstraße mit 2.750 m² Kollektorfläche Foto: Guido Bröer Infos zur Veranstaltung: http://solar-district-heating.eu/NewsEvents/ SDHConference2018.aspx Autorin: Ina Röpcke, Fachjournalistin - Erneuerbare Energien D-80339 München, Gollierplatz 2 Tel. +49 (0)89 / 500 788-15 Mob: +49 (0)177 / 381 75 20 info@inaroepcke-pr.de, www.inaroepcke-pr.de
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