„nachhaltige technologien 2|2018“
Best practice-Beispiele Wie Projekte erfolgreich umgesetzt werden können, konnten die Konferenzteilnehmer auf Exkursionen in Augenschein nehmen. Eine Station war die oben er- wähnte HELIOS-Anlage, ein Projekt des Energieversor- gers „Energie Graz“. Im ersten Bauabschnitt wurden im vergangenen Jahr 2.000 m² Flachkollektoren auf einer ehemaligen Hausmülldeponie im Grazer Stadt- gebiet installiert. Dazu wurde ein Wärmespeicher mit 2.500 m³ Fassungsvermögen errichtet. Zusätzlich er- zeugen ein Power-to-heat-Modul 3 mit 90 kW Leistung und ein Deponiegas-BHKW mit 170 kW th Wärme. Die Einspeiseleistung in das Fernwärmenetz liegt bei bis zu 10 MW. Ein intelligentes Speichermanagementsystem sorgt dafür, dass Spitzenlasten in dem Wärmenetz verschoben werden und somit vorrangig Wärme aus erneuerbaren Energien genutzt wird. Seit November läuft die Anlage im Testbetrieb. Die Energie Graz plant, die Kollektorfläche auf 10.000 m² zu erweitern. Eine andere Station war das Fernheizwerk Puchstraße, wo bereits heute 7.750 m² Solarkollektoren Wärme in das Grazer Fernwärmenetz einspeisen. Rund 5.000 m² der Solarkollektoren wurden 2007 auf Gebäuden errich- tet, 2014 wurden weitere 2.750 m² auf dem Gelände des Heizwerks installiert. Aktuell erweitert der Betrei- ber S.O.L.I.D. GmbH die Anlage nochmals um 500 m² Solarkollektoren. In dieser Anlage sollen - wie in der ersten Freilandanlage - Kollektoren von verschiedenen Herstellern im Fernwärmebetrieb getestet werden. Die zweite Exkursion führte in die Gemeinde Eibiswald. Seit 1997 unterstützen hier eine Solarthermieanlage mit 1.250 m² Solarkollektoren und ein Wärmespeicher mit 105 m³ Fassungsvermögen das Biomasseheizwerk. Zu dieser Zeit konnte die Solarthermieanlage 90 % des Sommerbedarfs im örtlichen Wärmenetz decken. Durch neue Kunden stieg der jährliche Wärmebedarf 2012 auf 8 GWh an. Das Netz war nun 10.000 Meter lang. Deshalb wurden weitere 1.200 m² Solarkollek- toren und ein 70 m³ fassender Pufferspeicher instal- liert. Der solare Deckungsanteil liegt bei 12 %. Den Hauptteil des Wärmbedarfs decken zwei Hackschnit- zelkessel mit 2,3 MW und 0,7 MW Leistung. Dank der Solarthermie können sie im Sommer komplett außer Betrieb gehen. „Dies ist eine in den ländlichen Regi- onen Österreichs häufig vorkommende Kombination zweier Erneuerbarer.“, so Fink. In der Summe speisen in der Region Graz und in der Steiermark derzeit Anlagen mit rund 35 MW th (rund 50.000 m² Kollektorfläche) Solarwärme in Fernwärme- netze ein. Die Stadt Graz will ihre Wärmeversorgung mittelfristig komplett dekarbonisieren und hat sich für Solarthermie als eine Technologie hierfür entschieden. Die Anlage „BIG SOLAR Graz“ soll in ihrer Endausbau- stufe 20 % des Fernwärmebedarfs decken. Rund 4.400 Gebäude könnten damit vollständig versorgt werden. Wachsender Markt in Deutschland Auch in Deutschland geht es voran. Hier sind zurzeit rund 25 große Solarthermie-Anlagen mit Anbindung an ein Wärmenetz in Betrieb. Weitere Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 40 MW th sind in Planung und Vorbereitung. Das stärksteMarktsegment sind aktuell Energiedörfer 4 . Gleich fünf Anlagen sollen in diesem Jahr in Betrieb ge- hen. Sie entstehen in Randegg und Liggeringen (beide in Baden-Württemberg), Mengsberg (Hessen), Ellern (Rheinland-Pfalz) sowie Breklum (Schleswig-Holstein). Aktiv sind aber auch städtische Energieversorger, wie an der größten netzgebundenen Solarwärmeanlage Deutschlands im brandenburgischen Senftenberg und einer neuen Pilotanlage der Stadtwerke Düsseldorf zu erkennen ist. „Wir gehen davon aus, dass sich bei Großanlagen die Kollektorfläche in Deutschland in den nächsten Jahren verdoppeln wird. Den wesentlichen Teil der derzeitigen Planungen sehen wir dabei im Segment der städtischen Fernwärme.“, so Pauschinger. Die Nase weit vorn hat allerdings immer noch Däne- mark. Hier gibt es mittlerweile über 110 Anlagen mit rund 700 MW thermischer Leistung, die ins Fernwärme- netz einspeisen. Dass Dänemark diese Vorreiterrolle HELIOS-Anlage der Energie Graz mit dem ersten Teilkollektorfeld mit 1,4 MWth bzw. 2.000 m² Kollektorfläche Foto: AEE INTEC 3 Ein Power-to-heat-Modul wandelt Überschussstrom mittels Heizpatrone in Wärme um. 4 Energiedörfer bzw. Bioenergiedörfer sind Gemeinden, die ihren Energiebedarf mit erneuerbaren Energien (auch in Kombination mit Solarthermie) decken.
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