„nachhaltige technologien 2|2018“
23 22 THERMISCHE ENERGIETECHNOLOGIEN UND HYBRIDE SYSTEME ie 5. Internationale Konferenz für solare Fern- wärme im April 2018 in Graz zeigte technische Lö- sungen und Trends für solar unterstützte Wärme- netze auf. Best practice-Beispiele demonstrieren das Potenzial. So wie Dänemark als Vorreiterland für solare Wär- menetze gilt, so entwickelt sich Graz immer mehr zur Vorzeigestadt für Solarthermie in der Fernwärmever- sorgung. Nicht nur ist ein Meilenstein in dem Projekt „BIG SOLAR Graz“ geschafft: Die Flächen für den Bau eines Großwärmespeichers mit Technikgebäude und eines relevanten Teils von bis zu 450.000 Quadratme- tern Solarkollektoren sind nun gesichert. Graz kann, neben der schon länger in Betrieb befindlichen und mit 5,4 MW th größten Solarthermieanlage Mitteleuro- pas, auch weitere neue Vorzeigeprojekte vorweisen, so zum Beispiel das „HELIOS-Projekt“. Errichtet auf einer ehemaligen Hausmülldeponie, speisen hier drei Wärmequellen in einen Großspeicher ein: eine Solar- thermieanlage, ein Power-to-heat-Modul und ein mit Deponiegas betriebenes BHKW. Aus diesem Grund wurde die zweitgrößte Stadt Österreichs in diesem Jahr als Austragungsort für die „5th International Solar District Heating Conference” ausgewählt. Am 11. und 12. April 2018 tagten hier rund 350 Wissen- schaftler, Vertreter aus der Industrie, von Kommunen und Energieversorgern sowie andere Entscheider aus 33 Ländern. Die Verdopplung der Teilnehmerzahl im Vergleich zur Konferenz vor zwei Jahren belegt das große Interesse an dieser Technologie zur Dekar- bonisierung von Wärmenetzen. Die Tagungsleiter Christian Fink vom AEE - Institut für Nachhaltige Technologien in Gleisdorf und Thomas Pauschinger vom Steinbeis Forschungsinstitut Solites in Stuttgart werten dies als sehr positives Signal für die Nutzung der Solarthermie in Fernwärmenetzen. Fast 300 Anlagen mit einer Leistung über 350kW th , die in Wärmenetze einspeisen, gibt es derzeit in den Ländern der Europäischen Union. Die installierte Gesamtkapazität dieser Anlagen liegt bei ca. 1 100 Megawatt. 1 Werner Lutsch, Präsident des europä- ischen Fernwärmeverbandes Euroheat&Power und Geschäftsführer des deutschen Fernwärmeverbands AGFW, bezeichnete die Kombination von Fernwärme und Solarthermie auf der Konferenz als „eine gute Lösung zur CO 2 -Reduktion und zum Erreichen des EU-Ziels“. Immerhin sollen laut Heating & Cooling- Strategie der EU bis zum Jahr 2050 80 % Kohlendioxid im Vergleich zu 1990 eingespart werden. 2 Zu den Vor- teilen sagte Lutsch: „Solarwärme ist CO 2 -frei, Sonnen- energie ist überall verfügbar, die Wärmekosten sind über die nächsten 25 Jahre kalkulierbar, und es ist eine ausgereifte und erprobte Technologie.“ Allerdings gebe es auch Hürden bei der Umsetzung solcher Projekte, räumte er ein. Die größte Barriere besteht in dem Flächenbedarf für erneuerbare Ener- gien wie z.B. die Solarthermie. Um Kosten zu mini- mieren, müssen sie in der Nähe der Wärmeabnehmer installiert sein, und Landflächen in Städten oder im Umland sind meist knapp und teuer. „Außerdem ist es aktuell noch eine Nischentechnologie und das Wissen darüber ist noch zu wenig verbreitet“, sagte Lutsch weiter. Dazu kommt die Kostenkonkurrenz zu anderen Wärmeerzeugern, zum Beispiel mit günstigem Erd- gas. Gleichwohl: Solarthermie-Anlagen können heute schon solare Deckungsgrade bis zu 50 % in Wärme- netzen erreichen. Die Erzeugungskosten liegen bei 30 bis 50 €/MWh. Für dieses Jahr prognostizieren Marktforscher, dass Solarthermieanlagen europaweit bereits eine Terawattstunde (= 1 Mrd. kWh) zur Fern- wärmeversorgung beitragen werden. 3 D Mit Solarthermie Wärmenetze dekarbonisieren Foto: SOLID / Picfly.at Thomas Eberhard 1 Werner R. Lutsch, Solar thermal in district heating from the European perspective, 5. Internationale SDH-Konferenz 11.-12. April 2018, Graz 2, 3 Werner R. Lutsch, ebda.
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