„nachhaltige technologien 2|2018“
teilweise an den traditionellen landwirtschaftlichen Methoden. Die BäuerInnen lassen das Stroh lieber auf den Feldern und brennen es ab, um so den Boden zu düngen. Damit das Konzept aufgeht, bräuchte es weitere Maßnahmen: Information und Beratung (inkl. Überzeugungsarbeit) der BäuerInnen, gesetzliche Regelungen und Anreize sowie ein stärkeres Enga- gement und Investitionsinteresse des Privatsektors. Pragmatismus und Flexibilität sind gefragt Die Beispiele zeigen, dass es Möglichkeiten und Lösungsansätze gibt, Synergien zwischen Wasser, Energie und Ernährungssicherheit zu nutzen und po- tentielle Zielkonflikte zu meistern, auch wenn man in der Realität oft pragmatisch vorgehen und lokale Realitäten berücksichtigen muss. Es bedarf großer Flexibilität in der internationalen Zusammenarbeit, um mittels systemischer Ansätze wie dem Nexus eine nachhaltige und inklusive Entwicklung bei gleich- zeitiger Erhaltung der natürlichen Ressourcen zu erreichen. Zusammenhänge können nicht durch isolierte sekto- rielle Ansätze und Programme in den Griff bekommen werden, sondern benötigen das Zusammenspiel aller verantwortlichen AkteurInnen und Institutionen. Die Notwendigkeit dieses „sektorübergreifenden“ Vorgehens ist unbestritten – in den Industrie- und Entwicklungsländern selbst sowie der internationalen Zusammenarbeit gleichermaßen, ist jedoch noch kaum in der institutionellen Praxis verankert. Vielerlei Fakto- ren behindern gemeinsame systemische Analysen und systematische wie kontinuierliche Zusammenarbeit: unzureichende Kapazitäten und Ressourcen ebenso wie Partikularinteressen und fehlende Anreize. Erfolgsgeschichten und auch Fehlschläge Nexus-Ansätze können nicht nur von oben oder von außen geplant werden, sondern müssen insbesondere auch den Prioritäten und Interessen auf lokaler Ebene Rechnung tragen. Diesbezüglich gibt es ermutigende Beispiele: So wurden etwa im Rahmen des Regional- entwicklungsprogramms in der Boucle de Mouhoun (Burkina Faso), das die Austrian Development Agency (ADA), die Agentur der Österreichischen Entwicklungs- zusammenarbeit, fördert, einfache Biogasanlagen auf lokaler Ebene etabliert, welche die Energieversorgung für Haushalte und Gemeinden sichern. Zusätzlicher Vorteil ist, dass der tierische Dung durch diese Form der Energieerzeugung als Dünger nicht verloren geht und die landwirtschaftliche Produktion und Ernäh- rung sichert. Auf der Hand liegt der Einsatz von solarbetriebenen Pumpen in der Wasserversorgung. Die ADA unterstützt diesbezüglich das ugandische Wasserministerium seit vielen Jahren finanziell und mit technischem Knowhow. Die Wasserversorgung benötigt viel Strom. Das nationale Netz ist allerdings völlig überlastet und wenig zuverlässig. Die Pumpen laufen deshalb oft nur wenige Stunden am Tag. Durch den Einsatz der Solarpumpen kann der Betrieb den ganzen Tag über aufrechterhalten werden, und das Stromnetz wird zugunsten anderer Nutzer entlastet. Weniger von Erfolg gekrönt war der Ansatz bisher in Georgien: In der Region Kachetien bestand die Idee Getreidestroh für die Energiegewinnung zu nutzen, um eine Alternative zu Feuerholz und Erdgas zu schaf- fen. Diese Idee scheiterte bisher an der wirtschaftli- chen Machbarkeit - das Sammeln und der Transport des Strohs ist zu kosten- und zeitaufwendig - und LEITARTIKEL Mag a Waltraud Rabitsch arbeitet als Fachreferentin für Armutsminderung, ländliche Entwicklung und Dezentralisierung in der Austrian Development Agency und ist Mitglied der Arbeitsgruppe Nexus Wasser-Energie-Ernährungssicherheit. 5 4 1 FAO (2009) Global agriculture towards 2050 2 WEF (2011) Water security: The Water-Energy-Food-Climate-Nexus 3 IAE (2012) World Energy Outlook 2012 4 Anm.: Der aus dem Lateinischen stammende Begriff “NEXUS” beschreibt eine Verbindung bzw. einen Zusammenhang. Im Bereich natürliches Ressourcenmanagement tauchte der Begriff erstmalig in den 1980er-Jahren auf (Food-Energy Nexus Programme, (Sachs and Silk 1990)). Internationale Beachtung erfuhr das Thema in akademischen und politischen Kreisen seit der Bonn2011 NEXUS Conference. Solarbetriebene Pumpen fördern zuverlässig Wasser für die Versorgung der Bevölkerung von Ryakarimira, einer Kleinstadt im Südwesten von Uganda. Foto: ADA/Schattauer
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MzkxMjI2