„nachhaltige technologien 2|2019“

denen Ansätze der einzelnen Länder grob in drei Kategorien unterteilen lassen: (1) Nutzung und Verteilung einfacher Fragebögen an Unternehmen, (2) holistische und statistische Methoden basierend auf Informationen zu Industriesektoren, eingesetzter Prozess- und Versorgungstechnologien und daraus abgeleiteter Abwärmepotenziale und (3) Nutzung des vorhandenen Wissens über umgesetzte Anlagen oder "Modell"-Anlagen zur Nutzung von Überschusswärme. Durch die Arbeiten zeigte sich, dass alle drei Metho- den zur Bestandsaufnahme von Abwärme relevant sind. Fragebögen scheinen jedoch am relevantes- ten zu sein und liefern zuverlässigere Ergebnisse in Industrien mit einer geringen Komplexität des Energiesystems (z. B. mit einfachen Wärmetauscher- Systemen und einigen großen Wärmequellen) als statistische Methoden. Diese sind zuverlässiger, je komplexer die Systeme sind und je mehr unter- schiedliche Wärmequellen und Informationen dazu vorliegen. Diese sind jedoch zeitaufwendiger und damit teurer. Die Kombination dieser beiden Metho- den kann eine Möglichkeit sein, die Zuverlässigkeit von Fragebogenstudien in z. B. mittelkomplexen Branchen kostengünstiger zu machen. Rahmenbedingungen und deren Einfluss auf zukünftige Abwärmepotenziale Neben Methoden zur Identifikation des Potentials an Überschusswärme benötigt es gesetzlicher Rah- menbedingungen und geeigneter Förderinstrumente, um die Umsetzung von Maßnahmen zu steigern und die Entwicklung neuer Technologien zur effizienten und ökonomischen Nutzung der Überschusswärme in Industrieunternehmen voranzutreiben. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts lag daher in der Erhe- bung und Analyse von politischen und finanziellen Instrumenten in den einzelnen Ländern und der Identifikation nötiger Anreize für die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen. Aus den Arbeiten ging hervor, dass es in den einzelnen Ländern eine Vielfalt an Instrumenten gibt. In Österreich lag das Augenmerk auf der nationalen Umsetzung der EU- Energieeffizienzpolitik und ihrer Auswirkungen auf die Nutzung von Abwärme. Es zeigte sich, dass poli- tische Instrumente im Zusammenhang mit den THG- Emissionskosten in vielen Fällen für die Nutzung von überschüssiger Wärme von Vorteil sind. Schlussfolgerung und Ausblick Obwohl die Nutzung von Abwärme in allen teilneh- menden Ländern grundsätzlich verbreitet ist, gibt es in diesem Bereich noch ein großes Potenzial für eine signifikante Steigerung an Projekten, der Energieeffizienz und somit der Einsparung fossiler Energieträger. Neben dem technischen gibt auch ein großes wirtschaftliches Potenzial. Dies wird durch die durchgeführten Umfragen deutlich, in denen vielversprechende Möglichkeiten identifiziert wurden. Im Zuge des Projektes hat sich gezeigt, dass in den Teilnehmerländern ähnliche Hindernisse bei der Umsetzung von Projekten zur Überschusswär- menutzung bestehen. Dazu zählen beispielsweise fehlende belastbare Informationen zu tatsächlich verfügbaren Mengen und Temperaturniveaus der Überschusswärme, Unsicherheit über Integrations- möglichkeiten und das Zusammenspiel mit anderen Versorgungstechnologien, Unsicherheiten in der Zusammenarbeit bzw. Abhängigkeiten von Betrieben, unterschiedliche Anforderungen an die Rentabilität der Investitionen zwischen Anbieter und Nutzer, und zu hohes Investitionsrisiko aufgrund von Unsicher- heiten über die zukünftigen politischen und rechtli- chen Rahmenbedingungen. Neben dem fachlichem Wissenszuwachs und der Möglichkeit, neue internationale Forschungskoope- rationen zu starten, wurde durch die aktive Teilnahme des österreichischen Konsortiums die Sichtbarkeit des Forschungsstandortes Österreich gestärkt und auch innerhalb Österreichs das Thema der industriel- len Abwärmenutzung verstärkt platziert. Die Ergebnisse zeigen, dass die industrielle Abwär- menutzung zentral und von wesentlicher Bedeutung für den Umstieg in ein erneuerbares Energiesystem ist. Es wird daher aktuell auf internationaler Ebene die Weiterführung der Aktivitäten im Rahmen eines weiteren Projekts vorbereitet. Dipl.-Ing. Anna Grubbauer und Dipl.-Ing. Jürgen Fluch sind wissenschaftliche Mitarbeiter des Bereichs „Industrielle Prozesse und Energiesysteme“ bei AEE INTEC. J.fluch@aee.at Weiterführende Informationen / Links im E-Paper https://nachhaltigwirtschaften.at/de/iea/technologieprogramme/iets/iea-iets-annex-15.php 31 30 INDUSTRIELLE PROZESSE UND ENERGIESYSTEME

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