„nachhaltige technologien 2|2019“

rotz des politischen Drucks ist der weltweite Ener- gieverbrauch in den letzten zwanzig Jahren um über 30 % gestiegen. Ohne eine weitreichende Änderung der Energiepolitik ist eine weitere Steigerung des Einsatzes fossiler Brennstoffe und der damit verbun- denen CO 2 -Emissionen in den kommenden Jahren nicht zu vermeiden. Der industrielle Energieverbrauch macht ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs der Gesellschaft aus. Daher sind Aktivitäten zur För- derung einer effizienten Energienutzung mit gerin- gen Umweltauswirkungen und die Implementierung neuer Technologien zur Verbesserung der Energieef- fizienz von entscheidender Bedeutung. Industrielle Überschusswärme stellt eine potenzielle Ressource dar, um zu einer verbesserten Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit in größeren Systemen beizutragen. Obwohl industrielle Überschusswärme bisher bereits genutzt wird, wird das Potenzial für eine noch umfas- sendere Nutzung als beträchtlich angesehen. Im Rahmen des Annex 15, der im Zuge des Imple- menting Agreement der Internationalen Energie- agentur „Industrial Energy-Related Technologies and Systems“ (IEA IETS) bearbeitet wurde, wurde ein multidisziplinärer Ansatz zur Rückgewinnung von Überschusswärme und zur integrierten Nutzung in Industriebetrieben verfolgt, um die Energieeffizienz weltweit zu optimieren. Der Ansatz basiert auf den Bedürfnissen der Industrie und kombiniert das Wis- sen über industrielle Technologien mit Energieeffi- zienz und Wirtschaftlichkeit. Österreichische Ziele im internationalen Annex Das internationale Projektkonsortium setzte sich aus Teilnehmern aus acht EU Staaten und einem Institut aus Kanada zusammen, um Inhalte und Ergebnisse aus nationalen Projekten einzubringen und ein internationales Forschungsnetzwerk aufzubauen. Das österreichische Projektkonsortium verfolgte die Ziele der verstärkten Einbindung österreichischer Forschungseinrichtungen in das internationale Netzwerk, die Partizipation an einer Plattform für den Informationsaustausch, die Initiierung interna- tionaler Projekte im Bereich Abwärmenutzung in In- dustrieprozessen, Entwicklung neuer Kooperationen und Partnerschaften in Industrie und Forschung, Wis- senstransfer und die Weiter- bzw. Neuentwicklung technologischer Kompetenzen sowie das Anbieten von existierendem Know-how und Wissensausbau. Zudem wurde durch das Einbringen vieler nationa- ler und internationaler Vorprojekte die Sichtbarkeit des Forschungsstandorts Österreich in Bezug auf Energieeffizienz und Nutzung von industrieller Über- schusswärme erhöht. Erhebung und Analyse von Überschusswärme Ein Fokus des Annex 15 lag in der Erhebung von Methoden zur Identifikation des technischen und wirtschaftlichen Potenzials von industrieller Über- schusswärme für die Nutzung in netzgebundener Wärmeversorgung oder in anderen industriellen Betrieben. Dafür wurden in den teilnehmenden Län- dern die Methoden zur Ermittlung von (quantitativer) Menge und (qualitativer) Temperaturniveaus indus- trieller Überschusswärme sowie deren technisch und wirtschaftlich optimale Nutzungsmöglichkeiten erhoben. Dabei zeigte sich, dass sich die verschie- Jürgen Fluch, Anna Grubbauer T Industrielle Abwärme- nutzung essentiell zur Erreichung der Energie- und Klimaziele Foto: iStock/Nostal6ie

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