„nachhaltige technologien - 2|2020"

eingespart oder durch erneuerbare Technologien versorgt werden kann. Da das unter wirtschaftlich sinnvollen Rahmenbedingungen möglich ist, sind diese Zahlen für Investoren von größtem Interesse. Unter der Annahme von Technologiekosten von durchschnittlich 40 €/MWh stehen diese Einspa- rungen für ein jährliches Volumen von mehr als 50 Milliarden Euro. Trotz dieses beachtlichen wirtschaftlichen Potenzials findet eine flächendeckende Umsetzung entspre- chender Projekte nicht statt. Die Crux daran: neben technologischen Herausforderungen stellt vor allem die Finanzierung ein großes Hindernis dar. KMUs, die Mehrheit der Unternehmen in der produzieren- den Industrie, haben Schwierigkeiten, Bankkredite für diese Art von Projekten zu erhalten und somit scheitern zahlreiche technisch und wirtschaftlich vielversprechende Projekte zur Realisierung und zur Integration von erneuerbaren Energien an fehlenden tragfähigen Finanzierungsmöglichkeiten. Die Gründe sind vielfältig: (i) unzureichende Leis- tungs- oder Kreditgarantien der KMU für die Umset- zungsprojekte, (ii) fehlende Richtlinien für Banken/ Investoren zur Projektbewertung und Abschätzung der Projektrisiken, (iii) mangelndes Knowhow in der technischen Projekt- und Risikobewertung, (iv) keine industriellen Standards in der Projektentwicklung, Projektbewertung sowie Vertragserrichtung und damit einhergehend (iv) hohe Transaktionskosten, die in keinem Verhältnis zu den eigentlichen Investi- tionskosten stehen. Forschungsprojekt Das Horizon 2020 Projekt TrustEE hat sich dieser Bar- rieren angenommen. Das Konsortium um AEE INTEC und REENAG Holding GmbH in Österreich sowie Borg & Co AB, Fraunhofer-ISE, ainia centro tecnológico (ainia), European Council for an Energy Efficient Economy (eceee) und Universidade de Évora hat den Fokus dabei auf die thermische Energieeffizienz und die erneuerbaren Technologien Solarthermie, Bio- masse und Biogas gelegt. Projektziel war es, mithilfe eines neuen und innovativen Finanzierungsmodells sowie einer digitalen, web-basierten Plattform zur standardisierten (technischen und wirtschaftlichen) Projektbewertung die Umsetzung industrieller Energieeffizienz-Projekte und Investitionen in erneu- erbare Energien in KMUs voranzutreiben. Dreh- und Angelpunkt war die wissenschaftliche Entwicklung der web-basierten Plattform. Standardi- sierte Abläufe und methodische Projektbewertungen waren mit der Datenschutzgrundverordnung in Einklang zu bringen, der Umgang mit sensiblen Daten und gleichzeitig die Sicherstellung der Anwendbarkeit wissenschaftlicher Simulationsmo- delle ein Forschungsschwerpunkt. Wissenschaftler, Projektentwickler, Industriebetriebe und vor allem Investoren sprechen teilweise eine unterschiedliche Sprache und haben in den Projektphasen von der Idee bis zur Umsetzung unterschiedliche Erwartun- gen an Bewertungsparameter, die Finanzierung und die Risikoabschätzung. Das Finanzierungsmodell selbst wurde von REENAG ausgehend von der Antragsphase bis zum Projektab- schluss an das Feedback aller beteiligten Stakeholder angepasst, erweitert und vorangetrieben. Am Ende steht der innovative Ansatz eines "Securitisation Vehicles", das in dieser Form im industriellen Bereich noch nicht angewendet wurde und die Bedürfnisse von Investoren, industriellen Endkunden und Techno- logieanbietern gleichermaßen berücksichtigt. Dabei werden die Forderungen eines Technologieanbieters gegenüber dem Endkunden mit der erfolgreichen Inbetriebnahme übernommen und Investoren an- geboten. In der Phase der Projektentwicklung bis zur Umsetzung trägt der Technologieanbieter das Risiko, ab der Inbetriebnahme wird die Absicherung des Risikos über geeignete Schienen von TrustEE abgedeckt. Der Technologieanbieter hat sich dann im Rahmen einer technischen Gewährleistung um den reibungslosen Betrieb zu kümmern, der Indus- triebetrieb bezieht die Energie zu einem festgelegten Preis. Was wiederum die Rendite für den Investor ist, er verdient unter Berücksichtigung des Restrisikos Geld. Das Geschäftsmodell steht. Kommerzialisierung Das Forschungsprojekt war von Anfang an dazu aus- gelegt, Erkenntnisse in ein kommerzielles Produkt umzuwandeln, d. h. das wissenschaftliche Knowhow in eine Form zu gießen, die den Gap zwischen technischem und wirtschaftlichem Potential und tat- sächlichen Umsetzungen schließt. Gemeinsam mit CP i-Invest GmbH wurde TrustEE in eine bestehende Plattformstruktur eingebunden und weiterentwickelt. Antragsteller können sich auf der Plattform regis- trieren und ihre Projekte definieren. Das mehrstu- fige Verfahren (siehe Abbildung auf der nächsten Seite) basiert dabei auf allgemeinen Projektdaten, wirtschaftlichen Informationen zu beteiligten Part- nern (Technologieanbietern und industriellen Endkunden) und schließlich technischen Details der geplanten Umsetzung. Jeder Schritt wird einem Plausibilitätscheck unterworfen. Sobald die Formulare vollständig befüllt sind, wird der Kern von TrustEE automatisch aufgerufen. Je nach gewählter Technologie wird ein Algorithmus gestartet, der die Technologieintegration technisch und wirtschaftlich bewertet. Der technische Teil basiert auf der wis- senschaftlichen Expertise von AEE INTEC und der beteiligten Partner. Die Projekterwartung wie bei-

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