„nachhaltige technologien - 2|2020"
iedrige Fernwärme-Netztemperaturen steigern die Effizienz von Erzeugung und Verteilung und sind dadurch wesentlich für zukünftige Fernwärmenetze. Durch niedrige Netztemperaturen können erneu- erbare Wärmequellen und Abwärme gut technisch integriert und hohe Erträge ermöglicht werden. Damit verbessert sich die Wirtschaftlichkeit der Ein- bindung erneuerbarer Wärmequellen und erleichtert die Transformation zu erneuerbaren, flexiblen und zukunftstauglichen Fernwärmesystemen. Moderne Heiz- und Warmwassersysteme erlauben bereits heute niedrige Temperaturen 1 . Hohe Rück- lauftemperaturen ergeben sich häufig aus Mängeln bei den Kundenanlagen, die im Fokus des Projekts T2LowEx stehen. Im Rahmen des Projekts wurden Methoden entwickelt, die Wärmenetzbetreiber beim Erschließen von Potenzialen auf Kundenseite unterstützen. Diese umfassen die Abnehmeranalyse, die Ermittlung der wirtschaftlichen Effekte tempera- turabsenkender Maßnahmen für das Gesamtsystem unter Berücksichtigung der relevanten Einflusspara- meter wie z. B. Erzeugungsmix oder Verteilung, sowie Geschäftsmodelle, die einen Anreiz zur Senkung der kundenseitigen Rücklauftemperaturen bieten. Identifizieren und Beheben von Fehlern Ein funktionierendes Monitoring und die regelmäßige Analyse von Kundendaten ist die Grundvoraussetzung für einen optimalen Betrieb bzw. das Erfassen von Mängeln. Dazu müssen neben den Energieverbräuchen auch die Volumenströme der Kundenanlagen erfasst werden. Priorisierungsmethoden basierend auf Mo- nats- oder Jahreswerten 2 ermöglichen das Erkennen mangelhafter Kundenanlagen und deren Einfluss auf das Gesamtnetz. In voll digitalisierten Fernwärmenet- zen mit zeitlich hochaufgelösten Daten aller Kunden- stationen kann die Detektion automatisiert und rasch nach Eintreten von Veränderungen bzw. Mängeln erfolgen. Dazu wurde im Projekt T2LowEx eine digitali- sierte und automatisierte Fehlererkennungsmethode auf Basis von Clustering-Algorithmen entwickelt, die derzeit mit realen Messdaten validiert wird. 3, 4 Um die Behebung von erkannten Mängeln zu forcieren, wurden im Projekt die Häufigkeit von Fehlern und der Aufwand zu deren Behebung evaluiert (siehe folgende Abbildung). Auffällig war dabei, dass der Aufwand für viele Fehlerbehebungen gering ist, die Verantwortung dafür aber häufig beim Kunden liegt. Gleichzeit profi- tieren Wärmenetzbetreiber meist mehr als die Kunden. N Jakob Binder, Harald Schrammel, Paolo Leoni, Andreas Müller Foto: Stadtwerke Gleisdorf GmbH Niedrige Rücklauftemperaturen für zukunftstaugliche Fernwärmenetze
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