„Nachhaltige Technologien 2 | 2022"
tung werden definierte Schad- und Störstoffe, z. B. diverse Bodenbeläge, entfernt und für die sortenreine Entsorgung vorbereitet. Wertstoffe, etwa Buntmetalle, werden gesichert und Re-Use-Bauteile über einen Bau- teilkatalog an gewerbliche und private Abnehmer*innen vermittelt. Die Planung erfolgt derart, dass Erlöse aus Re-Use und Wertstoffsicherung dabei die sozialwirt- schaftliche Arbeit refinanzieren. Insgesamt wurden in BauKarussell-Projekten bisher über 1 330 Tonnen Material aus Rückbaugebäuden geholt, wovon 580 Tonnen als gebrauchte Produkte der Wiederverwendung zugeführt wurden. Dieses Er- gebnis wurde mittels 28 700 sozialwirtschaftlichen Arbeitsstunden erzielt. Bisher waren über 160 Personen in den Rückbauteams im Einsatz: Über 160 Personen, die sich mit Hilfe von BauKarussell an ihrer Reaktivie- rung für den Arbeitsmarkt aktiv einbrachten und dabei gleichzeitig einen wertvollen Beitrag für eine nach- haltige Bauwirtschaft leisteten. Beim OPEN MINE DAY im ehemaligen Wiener Sophienspital im März 2022 beleuchtete BauKarussell mittels einer „Rückwärts-Bemusterung“ Wertschöpfungs- potentiale im Gebäuderückbau Foto: © BauKarussell / Philipp Schuster Lokale sozialwirtschaftliche Partnerbetriebe für operative Arbeit BauKarussell arbeitet mit lokalen sozialwirtschaftli- chen Partnerbetrieben zusammen, die Transitarbeits- plätze für am Arbeitsmarkt Benachteiligte, etwa Langzeitarbeitslose, zur Verfügung stellen und diese beim Wiedereinstieg in den regulären Arbeitsmarkt unterstützen. In Wien sind die BauKarussell-Part- ner das Demontage- und Recycling-Zentrum (DRZ), die Caritas SÖB und „Die KÜMMEREI“. Zu den Auftraggeber*innen und Unterstützer*innen von Bau- Karussell zählen österreichweit unter anderem die Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H. (BIG), die Stadt Wien, gemeinnützige Bauträger wie SOZIALBAU AG und die Wohnbauvereinigung für Privatangestellte WBV-GPA, sowie das Klimaschutzministerium. BauKarussell entwickelt das Konzept Social Urban Mining mit jedem Projekt weiter und arbeitet mittels Bewusstseinsarbeit und interdisziplinäremAustausch daran, dass es zu einer gängigen Praxis im Baubereich wird. Neben der Umsetzung in Rückbauvorhaben, die einen Abbruch nach sich ziehen, kann Social Urban Mining als Best Case auch Teil einer umfassenden Sanierungsstrategie sein. BauKarussell steht für Projektentwickler*innen zur Verfügung, damit in deren Projekten Social Urban Mining realisiert wird. Ausbau von Tribünenstühlen im Ferry-Dusika-Stadion der Stadt Wien Foto: © BauKarussell Urban Mining für Gebäude kurzer Nutzungsdauer Im Projekt BuildReUse (gefördert von der FFG) agiert BauKarussell als umsetzungsorientierte Bauinitiative, welche unter Leitung des Österreichischen Ökologie- Instituts gemeinsam mit dem Projektteam (AEE INTEC (Projektleitung), FH Salzburg, IBO, Spar, KAGES und ATP sustain) das Thema Re-Use für Gebäude mit kurzen Nutzungsdauern (Supermärkte, Bürogebäude und In- terimsgebäude im Sanitätsbereich) beleuchtet. Für Drei Use-Cases werden sogenannte Social Urban Mining-Potenzialanalysen ausgearbeitet. In kompakter Form werden Möglichkeiten für Re-Use und optimier- ten verwertungsorientierten Rückbau zusammenge- fasst. Ein Blick auf Good Practice-Beispiele anderer innovativer Bauherren bereichert die Analyse, um Barrieren, Defizite und Optionen zu deren Überwindung zu identifizieren. Neben der technischen Eignung beeinflussen Verkaufsmöglichkeiten sowie prozessuale und rechtliche Rahmenbedingungen das Umset- zungspotential für „echtes“ Re-Use ebenso. Den Ver- antwortlichen für die drei Use-Cases werden Möglich- keiten zum kreislauffähigeren Umgang mit ihren nur kurz genutzten Gebäuden aufgezeigt. 25 24 GEBÄUDE
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MzkxMjI2