„nachhaltige technologien 02 | 2023"
Mobilitätsverträge abgeschlossen, die den Bau- träger verpflichteten, unter anderem die Fahrrad- mobilität (Qualitative Abstellplätze, Fahrradser- vicetage, Fahrradserviceboxen) zu stärken oder den Bewohner*innen Ticket-Ermäßigungen zur Förderung des öffentlichen Verkehrs bereitzustellen. Durch eine frühzeitige Einbindung von Stakeholdern konnte für das Brauquartier Puntigam eine nachhaltige Ener- gieversorgung eingerichtet werden. Die Abwärme der Brauerei Puntigam versorgt Wohnungen und Betriebe mit Wärme. Weitere Tools, um die Energiewende zu forcieren, können Förderungen sein, die von Städten an Hauseigentümer*innen oder Bauträger ausbezahlt werden. Die Stadt Graz bietet beispielsweise immer wieder finanzielle Unterstützungen für Erstberatungen für Bauwerksbegrünungen an oder fördert die Entsiege- lung von Vorgärten. Diese Maßnahmen können als langfristige Strategie von den Städten vorgeschrieben werden und bilden einen Rahmen für eine klimawandelangepasste Stadt. Energiewende mit Bauträgern Damit die Energiewende gelingen kann, müssen sich auch wichtige Stakeholder und Akteur*innen, welche Städte aktiv planen und mitgestalten, mit der Energiewende beschäftigen. Es gibt Projekte, in welchen Bauträger versuchen, das Thema Klimaneutralität und Klimawandelanpassung zu forcieren. Innerhalb der ÖWG-Wohnbau gibt es verstärkte Bemühungen und auch Zielsetzungen im Bereich Klimaschutz. Beim Projekt Reallabor Ge- bäude – Gebäude als Reallabor für klimaneutrales, bedarfsgerechtes und leistbares Wohnen – werden Dekarbonisierung der Wärme- und Stromversorgung, grüne und blaue Infrastruktur, Materialökologie, sparsamer Umgang mit der Ressource Boden, Kli- maschutz auf Bewohner*innenebene, Mobilität oder Lebenszyklusbeobachtungen genau betrachtet und überlegt, wie diese Komponenten in Zukunft bei Bau- vorhaben bzw. Sanierungen berücksichtigt werden können. Ziel des Projektes ist es, Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung bei Sanierungs-/Bestands- erweiterungs- und Nachverdichtungsprojekten strategisch zu verankern und für ein konkretes Pilot-Objekt im urbanen Raum ein umfassendes, klimaneutrales Sanierungskonzept zu entwickeln, das in weiterer Folge auch umgesetzt wird. Dabei spielt auch die frühzeitige Einbindung der Bewohner*innen eine große Rolle und die Bewusst- seinsbildung für langfristige Veränderungen des Nutzer*innenverhaltens. Energiewende mit Bürger*innen Städte sind für Menschen gemacht, die dort quali- tätvoll wohnen, arbeiten und leben wollen. Ohne die Einbindung von Bürger*innen kann die Energiewende auf Dauer nicht gelingen. Nicht nur, dass ein Um- denken und eine Verhaltensänderung bei jedem und jeder einzelnen von uns notwendig sind, auch die Entscheidungen von Seiten der Politik, Verwaltung oder Planer*innen müssen von den Menschen akzeptiert und mitgetragen werden. Daher werden auch bei energierelevanten Stadt- entwicklungen immer öfter Bürger*innen und Unternehmen beteiligt. Veränderungen im direkten Wohn- und Lebens- umfeld erzeugen immer wieder Unsicherheiten bei den Menschen und können so zu Konflikten führen. Durch eine transparente Informationsarbeit, Aufklärung und Miteinbindung wird die Akzeptanz der Bewohner*innen gegenüber Sanierungsvorhaben und Nachverdichtungsprozessen in ihrem direkten Wohnumfeld gestärkt. Reallabor Gebäude: Exkursion mit dem Projektteam zu Sanierungsobjekten Foto: StadtLABOR GmbH Bürger*innenversammlung und Infoabend mit Planer*innen und der Stadt Graz Foto: StadtLABOR GmbH 17 16 ENERGIEWENDE IN STÄDTEN UND GEMEINDEN
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