„nachhaltige technologien 02 | 2023"

Im neu entwickelten Stadtteil Reininghaus wurde ein innovatives Energiemodell auf Basis eines Niedertempereratur-Nahwärmenetzes mit altena- tiver Wärmeversorgung geplant und realisiert. Das Energiekonzept fußt auf einer Restabwärmenutzungs- anlage sowie einer Niedertemperaturauskopplungs- anlage bestehend aus hocheffizienten industriellen Wärmepumpen, welche mit modular aufgebauten Wärmespeichereinheiten, situiert im sogenannten "Power Tower", (siehe Abbildung) kombiniert sind. Die für die alternativen Wärmeerzeugungsanlagen erfor- derliche ökologische Abwärme zur Versorgung des Niedertemperatur-Nahwärmenetzes stammt dabei aus dem nahegelegenen Stahl- und Walzwerk Marien- hütte. Im geplanten Endausbau des Stadtteils können bis zu 17.270 Tonnen CO 2 pro Jahr durch die nachhaltige Energieversorgung eingespart werden. Im Projekt RES-DHC konnten neben Stadtentwicklungs- projekten Technologien für Langzeitwärmespeicher und Ansätze zur Versorgung aus dem Fernwärmerück- lauf im gegenständlichen Projekt weiter verfolgt und mit qualitativen Erfolgsfaktoren zur regionalen Be- wusstseinsbildung kombiniert werden. Diese können eine klimaneutrale und zukunfssichere Wärmeversor- gung in der Stadt Graz und der umliegenden Region unterstützen. Beispiel klimaneutrale Wärmeversorgung in Schweizer Regionen Die Wärmebereitstellung verursacht in der Schweiz einen Energieverbrauch von rund 100 TWh pro Jahr und ist für rund die Hälfte des Energieverbrauchs verantwortlich (Stand 2020). Mehr als 60 Prozent oder über 60 TWh/a werden derzeit fossil erzeugt. Mit dem Handbuch zur Dekarbonisierung für ther- mische Netze soll in einem methodischen Ansatz gezeigt werden, wie der Anteil erneuerbarer Energien in bestehenden Wärmenetzen in der Schweiz er- höht werden kann. Das Handbuch deckt technische, wirtschaftliche, rechtliche und organisatorische Aspekte ab und zeigt Maßnahmen anhand von Praxis- beispielen. Ein Leitfaden zu Übergangslösungen und zur frühzeitigen Einbindung von potenziellen Wärmekund*innen in den Planungsprozess wurde mit dem Ziel zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und dem Ausbau von Wärmenetzen realisiert. Der strukturierte methodische Ansatz des RES-DHC- Projekts sowie die Umsetzungen in den sechs Regi- onen zeigen konkrete Beispiele, wie die Dekarboni- sierung von Wärmenetzen vorangetrieben und der Wandel zur klimaneutralen Wärmeversorgung nach- haltig gefördert werden kann. Durch die konsequente Realisierung von emissionsmindernden Maßnahmen können Städte und Regionen im Klimaschutz eine Vorreiterrolle einnehmen. "Die „Wärmewende“ ist ein zentraler Baustein der Dekarbonisierung unseres Energiesystems. Sie kann nur gelingen, wenn alle Möglichkeiten zur Einbindung und saisonalen Speicherung erneuerbarer Energie und Abwärme konsequent genutzt werden. Gerade das Thema „Saisonspeicher“ ist technisch und wirtschaftlich sehr herausfordernd. Im Rahmen des EU-Projektes „RES-DHC“ konnten für Graz wichtige Voruntersuchungen zu diesem Thema durchgeführt werden." Werner Prutsch , Abteilungsleiter Umweltamt der Stadt Graz Foto: Umweltamt Weiterführende Informationen / Links im E-Paper Projekt RES-DHC Dipl.-Ing. Carina Seidnitzer-Gallien ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Technologieentwicklung bei AEE INTEC, c.seidnitzer-gallien@aee.at Dipl.-Ing. Michael Salzmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Städte und Netze bei AEE INTEC, m.salzmann@aee.at Dipl.-Ing. Dr. Ingo Leusbrock ist Leiter des Bereichs Städte und Netze bei AEE INTEC, i.leusbrock@aee.at Dipl.-Ing. Stefan Thalmann ist Projektleiter im Bereich Fernwärme bei Verenum AG, stefan.thalmann@verenum.ch Dipl.-Ing Laure Deschaintre ist Projektleiterin im Bereich Erneuerbare Energietechnologien bei Planair SA, laure.deschaintre@planair.ch Dieses Projekt wird durch das Forschungs- und Innovationsprojekt Horizon 2020 der Europäischen Union unter dem Förderkennzeichen 952873 gefördert. Errichtung der Speicherein- heit im „Power Tower“ zur Versorgung des Stadtteils Reininghaus in Graz mit Niedertemperatur- Nahwärme Foto: Energie Graz 21 20 ENERGIEWENDE IN STÄDTEN UND GEMEINDEN

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