„nachhaltige technologien 02 | 2025"

eder, der schon mal ein Gebäude saniert hat, weiß: Es kann einfach gehen - oder auch nicht. Und das ist zumeist auch davon abhängig, wie leicht sich Gebäudekomponenten trennen lassen. Beispielsweise lässt sich schwimmend verlegtes Holzparkett einfach herausnehmen. Sind hingegen die Stäbe geklebt, geht das nicht zerstörungsfrei. Im Fach- jargon spricht man von „lösbaren Verbindungen“ und „Rückbaufähigkeit“ wenn sich Bauteile einfach und zerstörungsfrei voneinander lösen lassen. Sowohl im Holz-, als auch im Stahl- und Betonbau kann man gut und schlecht lösbare Verbindungen unterscheiden. Lösbare Verbindungen erleichtern Rückbau und Sanierung Lösbare Verbindungen erleichtern nicht nur Repa- ratur und Sanierung, sondern auch die Wiederver- wendung von Bauprodukten und deren sortenreine Trennung – Voraussetzung für Recycling. Rückbaufä- higkeit ist damit eine wichtige Grundlage für Kreis- laufwirtschaft auf Gebäudeebene. Damit ein (Teil-) Rückbau zerstörungsfrei gelingt, muss schon bei der Planung mitbedacht werden, wie sich das Gebäude oder Teile davon auseinandernehmen lassen, und was am Nutzungsende mit dem Gebäude und seinen Teilen passieren soll. Eine Planung, die Rückbaufä- higkeit verfolgt, wird „Design for Disassembly“ (DfD) und „Design for Adaptation“ (DfA) genannt. Was passiert derzeit mit aus dem Spendergebäude entnommenen Materialien und Produkten? Einiges landet auf Deponien oder wird thermisch verwertet. Im besten Fall entstehen durch Recycling neue Produkte, wie beispielsweise Recyclingbeton oder Holzspanplatten. Wobei angemerkt werden muss, dass die zerstörungsfreie Entnahme derzeit noch die Ausnahme von der Regel darstellt. Zukünftig soll aber auch die Wiederverwendung ganzer Bauprodukte in einem neuen Gebäude mög- lich werden. Das Team des EU-Forschungsprojekts ReCreate arbeitet in Deutschland an der Wiederver- wendung von Betonelementen aus Plattenbauten (https://recreate-project.eu/project-pilots/germany/ ). Im Infrastrukturbau gibt es schon viel Erfahrung mit der Wiederverwendung von Stahlträgern. Im Gebäudebereich ist das Angebot von Re-Use Bau- teilen durch Produkthersteller jedoch noch gering, Ausnahmen sind unter anderem das ReParkett der Firma Weitzer und sogenannte „Loop Bauprodukte“ bei Systemen für den Innenausbau. Bei der Verwendung von Recyclingmaterialien bzw. Reststoffen aus anderen Produktionszweigen hat sich hingegen in den letzten Jahren viel getan. Hersteller von Gipskartonplatten nehmen beispiels- weise eigene Produkte zurück und lassen sie wieder in die Produktion einfließen. Das reduziert die Abhängigkeit von Rohstoffen und verbessert die ökologischen Kennwerte der Produkte. Obwohl viele Produkthersteller sich bemühen, Kreisläufe zu schließen, lag laut erstem Fortschrittsbericht zur österreichischen Kreislaufwirtschafts-Strategie (2024) die Zirkularitätsrate für Abfälle 2022 bei nur 13,8 Prozent. In Zukunft wird der Wert eines Gebäudes im Sinne der Kreislaufwirtschaft aber stärker als bisher davon abhängen, ob sich die enthaltenen Materialen und Produkte einfach ersetzen, entsorgen und wiederver- wenden lassen. Herausforderungen in Bezug auf kreislauffähige Verbindungstechniken Neben den verwendeten Materialien und Produkten geht es bei Kreislaufwirtschaft um Verbindungs- techniken. Bei der Analyse verschiedener Gebäude hinsichtlich Rückbaufähigkeit, fällt folgendes auf: J Krankenhaus LKH II in Graz. Bei der neuen Station in Holzbauweise wurden die Zimmer als Module vorgefertigt. Ziel war es, einen Rückbau und eine Weiternutzung an einem anderen Standort zu ermöglichen Foto KAGES Kreislauffähig bauen? Theorie und Praxis Anna Fulterer, Simon Kindelbacher, Lutz Dorsch

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