„nachhaltige technologien 02 | 2025"

Die heute gängigen Design-Prinizipen für kreislauffä- hige Gebäude „Design for Disassembly“ und „Design for Adaptation“ bauen unter anderem auf den Theo- rien des Open Buildings und der Shearing Layers auf. Vielleicht haben auch Sie schon einmal ein Gebäude besucht, das nach Design for Disassembly- und Design for Adaptability-Aspekten geplant und umge- setzt wurde: Das Centre Pompidou in Paris aus den 1970ern kann als radikales Beispiel für eine Trennung von Tragstruktur und Ausbau gesehen werden und berücksichtigt Design for Disassembly-Prinzipien. Design for Re-Use ist auch bei der gegenwärtigen Sanierung wieder Grundlage der Planung 2 . Ein weiteres Beispiel für Design for Disassembly ist der Crystal Palace in London. Er wurde für we- nige Monate Stellzeit zur Weltausstellung 1850 in London geplant und dann an anderer Stelle wieder aufgebaut. Ermöglicht wurde die im Wettbewerb geforderte Möglichkeit zu Demontage (und der Wiederaufbau) durch maßlich und geometrisch standardisierte und optimierte Bauteile mit wenigen verschiedenen Grundformaten. Daraus resultierten eine effiziente Modularität und Reglementierung. Zu- dem wurden die Verbindungen zwischen Stützen und Trägern durch Verriegeln mit Eisenbauteilen reversi- bel ausgeführt. Unterstützt wurde das Konzept durch ein Unternehmen mit Erfahrung im Eisenbahnbau. Auch in Österreich wird beim Bauen ein Trend hin zu Kreislaufwirtschaft gefordert: Material -und Energiekreisläufe werden bei Zertifizierungen und Förderungen abgefragt und von Produktherstellern angestrebt. Das Schöne bei Kreislaufwirtschaft ist: sie ist sehr intuitiv verständlich. Wer sich damit beschäftigt, bekommt schnell einen Blick und Ver- ständnis dafür. Und das ist eine gute Voraussetzung für den Wandel hin zu Kreislauf-Bauwirtschaft! Dipl.-Ing. in Dr. in techn. Anna Fulterer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bereichs „Gebäude“ bei AEE INTEC. a.m.fulterer@aee.at Dipl.-Ing. Simon Kindelbacher, B.Eng., Junior Researcher Sustainable Materials and Technologies, Fachhoch- schule Salzburg GmbH / Salzburg University of Applied Sciences. simon.kindelbacher@fh-salzburg.ac.at Dipl.-Ing. (FH) Lutz Dorsch M.BP ., Senior Lecturer, Department Design and Green Engineering, Studiengang Green Buildings. Lutz Dorsch. lutz.dorsch@fh-salzburg.ac.at Weiterführende Informationen / Links im E-Paper Projekt Build ReUse Centre Pompidou open- building manifesto Wiederver- wendung von Betonbauteilen Geschichte des Klebens 2 Centre Pompidou 2030, Press conference, https://cdn.archilovers.com/projects/292d8af1-3ee5-437d-902d-82bf842afebc.pdf Nr. Layer, engl. Bezeichnung Bezeichnung im Deutschen Angenommener Austauschzyklus 1 Site Grundstück Unbegrenzte Nutzungsdauer 2 Structure Tragstruktur 30 bis 300 Jahre 3 Skin Gebäudehülle 20 Jahre und mehr 4 Services Gebäudetechnik 7 bis 15 Jahre 5 Space Plan Grundriss 3 bis 30 Jahre 6 Stuff Ausstattung Bis zu täglich Beim Centre Pompidou in Paris hat sich die Trennung in Shearing Layers bewährt und wird auch bei Sanierungen weitergeführt. Im Bild sieht man verschiedene Komponenten der Gebäudetechnik. Diese wurden außen am Gebäude ange- bracht, um möglichst ungestörte Innenräume zu realisieren. Auch Reparaturen und Erneuerungen können dadurch von außen umgesetzt werden Foto: zefart – stock.adobe.com Tabelle 1: Die sechs Schichten des „Shearing Layers”- Konzepts nach Brand (1995) Quelle: eigene Darstellung

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