„nachhaltige technologien 02 | 2025"

dabei eine Schlüsselrolle. Durch die Fusion mit Zaliznychteploenergo im Jahr 2024 konnte die opera- tive Effizienz verbessert und die Grundlage für eine umfassende Modernisierung gelegt werden. Das Fernwärmesystem umfasst 171 Kesselanlagen mit einer Gesamtwärmeleistung von ca. 1 600 MW und versorgt 3 807 Verbraucher mit Heizwärme sowie 2 283 mit Warmwasser. Die Struktur orientiert sich anhand der ukrainischen Kesselleistungsklassen: • Zentralisierte Systeme: Anlagen größer 20 MW – ein Heizkraftwerk und 12 Großkessel stellen 87 Prozent der Gesamtkapazität • Semizentrale Systeme: 3 bis 20 MW - 21 Anlagen • Dezentrale Systeme: 1 bis 3 MW – 41 Kessel • Autonome Systeme: kleiner 1 MW – 96 kleine Kessel Der Energieeinsatz basiert derzeit nahezu ausschließ- lich auf Erdgas. 2023 wurden rund 1 600 GWh Wärme erzeugt – eine Zahl, die zugleich die Relevanz als auch das Potenzial zur Dekarbonisierung verdeutlicht. Der größte Wärmeverbrauch entfällt auf Wohngebäude – insbesondere solche aus der Sowjetzeit. Diese weisen erhebliche energetische Schwächen auf: veraltete Hüllen, unzureichend gewartete Heizsysteme und veraltete Regelmechanismen führen zu hydraulischen und thermischen Ungleichgewichten. Die Folge: über- höhter Energieverbrauch bei gleichzeitig unzureichen- dem Komfort. Die Modernisierung dieser Gebäude und Heizsysteme ist daher essenziell, um Energieverluste zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern. viv, eine der größten Städte der Westukraine, ist nicht nur ein bedeutendes politisches, wirtschaft- liches und kulturelles Zentrum, sondern auch ein Spiegelbild jahrhundertealter Urbanität. Die Stadt mit rund 750.000 Einwohner*innen blickt auf eine beweg- te Geschichte zurück, die sich in ihrem vielfältigen ar- chitektonischen Erbe widerspiegelt – von der mittelal- terlichen Altstadt (UNESCO-Weltkulturerbe) bis zu den Wohnsiedlungen der sowjetischen Nachkriegszeit. Gleichzeitig ist Lviv eine Stadt im Aufbruch: Ehemals vernachlässigte Industrieareale wandeln sich seit 2015 zu attraktiven Geschäfts- und Wohnquartieren. Diese Dynamik macht die Stadt zu einem span- nenden Beispiel für die Synthese aus kultureller Kontinuität und moderner Stadterneuerung. Urbane Entwicklungsziele zwischen Vision und Realität Die zukünftige Entwicklung Lvivs basiert auf dem integrierten Stadtentwicklungskonzept „Lviv 2030“. Darin formuliert der Stadtrat strategische Ziele, etwa die Förderung einer „Stadt der kurzen Wege“, nachhaltige Mobilität, Ressourceneffizienz sowie die Stärkung grüner Infrastrukturen. Ergänzend verfolgt Lviv ambitionierte energiepolitische Maßnahmen – wie den vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2050 im Rahmen des Aktionsplans für nachhaltige Energie und Klimaschutz (SECAP). Doch die russische Invasion 2022 brachte die Stadt unter enormen Druck. Lviv wurde Zufluchtsort für über 100.000 Binnenvertriebene, und wichtige Inf- rastrukturen wurden durch gezielte Angriffe beschä- digt. In dieser Ausnahmesituation wurde deutlich: Resilienz ist keine abstrakte Zukunftsvision, sondern eine akute Notwendigkeit. Die Rolle der Fernwärme Ein zentrales Element der klima- und krisensicheren Stadtentwicklung ist das Fernwärmesystem. Das kommunale Unternehmen Lvivteploenergo spielt L Stefan Retschitzegger, Maksym Terletsky Fernwärme in Lviv Strategische Wärmewende in einer Stadt im Wandel Foto: Nataliia Kvitovska on Unsplash 27 26 STÄDTE UND NETZE

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