„nachhaltige technologien 02 | 2026"
Ihre unabhängige Plattform für Geothermie in Österreich. Jetzt Mitglied werden ist deshalb nicht nur eine Frage der Energiequelle, sondern ebenso eine Frage von Gebäudesanierung, Quartiersplanung und Netzarchitektur. Analyse der Use Cases und Vorbereitung der Umsetzungsphase Im Projekt CASCADE werden bei den Industriebetrie- ben Energieeffizienzmaßnahmen sowie die Machbar- keit für Wärmerückgewinnung und der Einsatz von Wärmepumpen bzw. Biomassekesseln geprüft. Die Entwicklung von Tiefengeothermie steht momentan aufgrund seines hohen geologischen Potenzials nur mehr für Gmunden zur Diskussion. Detaillierte Wär- mebedarfsanalysen werden in Gmunden durchgeführt, um die techno-ökonomische Machbarkeit des Einsatzes von Tiefengeothermie für die Industriebetriebe und die Einspeisung in ein lokales Wärmenetz zu prüfen. In Steyr wird die Entwicklung eines mitteltiefen geo- thermischen Reservoirs auf ca. 1 700 m aus techno- ökonomischen Gründen zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiterverfolgt. Allerdings wird die Machbarkeit von dezentralen Niedertemperatur-Wärme- und Kältenet- zen als Alternative für die fossile Hochtemperatur- Versorgung für verschiedene Areale im Stadtgebiet analysiert. Die vielversprechendsten Areale werden dann am Ende der Projektlaufzeit bzw. im Anschluss an das Projekt detailliert ausgearbeitet und für die Umsetzung vorbereitet. Potenziale für Energieeffizienz und Wärmerückge- winnung identifiziert, insbesondere im Bereich von 30 bis 85 °C. Ein ähnliches Bild ergibt sich in der Brauerei Hof- stetten. Die wesentlichen Brauprozesse könnten mit Heißwasser unter 120 °C betrieben werden, sofern ein effizientes Wärmepumpensystem vorhanden ist. Dampf wäre dann nur noch für einzelne Anwendungen wie die Sterilisation von Fässern erforderlich und könn- te punktuell direkt-elektrisch bereitgestellt werden. Die Herausforderung liegt in der Umsetzung. In vielen Industriebetrieben sind Dampfsysteme tief in die bestehende Prozesslogik eingebunden. Der Umstieg auf Heißwasser, Wärmepumpen oder hy- bride Versorgungslösungen bedeutet daher einen strukturellen Eingriff in bestehende Produktionssys- teme. Geothermie kann in der Industrie eingesetzt werden, doch ihre Nutzung setzt eine präzise Analyse der Temperaturniveaus, der Prozessintegration und der der Möglichkeiten der Umstellung industrieller Prozesse in den Betrieben voraus. Wärmenetze: Ohne Systemdenken keine Transformation Ähnlich komplex ist die Lage im kommunalen Bereich. Auch hier kann Geothermie ihr Potenzial entfalten, wenn sie als Teil eines integrierten Versorgungssys- tems verstanden wird. Im Projekt CASCADE wurden deshalb detaillierte Wärmebedarfsanalysen für kommunale Gebäude, Stadtquartiere und historische Stadtbereiche durchgeführt (siehe Abbildung 1). Die Ergebnisse zeigen, dass eine geothermische Wär- meversorgung nur dann sinnvoll dimensioniert und wirtschaftlich geplant werden kann, wenn Lastpro- file, Wärmebedarfsdichten, Gebäudestandards und zukünftige Sanierungspfade systematisch berück- sichtigt werden. Gerade dieser Zusammenhang ist zentral. Eine in- effiziente Gebäudehülle erhöht den Wärmebedarf, verschlechtert die Ausnutzung geothermischer Syste- me und zwingt zu größeren, teureren Infrastrukturen. Sanierungsmaßnahmen hingegen senken die erfor- derliche Leistung, verbessern die Nutzbarkeit von Niedertemperatursystemen und machen geothermi- sche Lösungen oftmals überhaupt erst wirtschaft- lich sinnvoll. Die Wärmewende im urbanen Raum Abbildung 1: Ergebnisse der Wärmebedarfsanalyse am Beispiel des Projektstandorts Resthof, Steyr Quelle: Forschungsprojekt Cascade, NEFI Jährlicher Energieverbrauch (MWh) 6.1174 6.1172 6.1170 6.1168 6.1166 400 350 300 250 200 150 100 1.6054 1.6055 1.6056 1.6057 1.6058 1.6059 1.6060 ANZEIGE
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