„nachhaltige technologien 02 | 2026"
Zielkonflikte von Stakeholder*innen bremsen die Umsetzung Geothermische Vorhaben werden nicht allein auf Basis geologischer oder technischer Fakten ent- schieden. Vielmehr sind sie in lokale und regionale Interessenskonstellationen eingebettet. Diese Kons- tellationen sind keineswegs nebensächlich, sondern prägen den Realisierungsverlauf unmittelbar. Wo konkurrierende Technologien bereits institutionell verankert sind, wo bestehende Versorgungsmodelle verteidigt oder wo politische Entscheidungen nur zögerlich getroffen werden, gerät Geothermie schnell ins Hintertreffen. Technische Reife allein reicht dann nicht aus. Es braucht politische Priorisierung, klare Zuständigkeiten und die Bereitschaft, langfristige Infrastrukturentscheidungen auch gegen kurzfristig bequemere Alternativen durchzusetzen. Die Wärmewende ist vor allem eine Governance-Aufgabe Das vielleicht wichtigste Ergebnis von CASCADE ist ein systemisches. Erfolgreiche Wärmewendeprojekte ent- stehen nicht allein durch gute Technologie, sondern durch gelingende Kooperation. Kommunen, Versor- gungsunternehmen, Industrie, Wissenschaft und Pla- nung müssen an einem gemeinsamen Zielbild arbeiten. In der Praxis ist das jedoch schwierig herzustellen. „Geothermie ist ein zentraler Baustein für die Wärmewende. Der Verein Geothermie Österreich vernetzt alle Akteure der Geothermie in Österreich, stärkt Wissen und Sichtbarkeit und treibt Geothermie als zentralen Baustein für eine klimafitte, sichere und unabhängige Energieversorgung voran.“ Karl Weidlinger, Obmann von Geothermie Österreich Foto: Mario Riener Fotografie Dipl.-Ing. in Dr. in Edith Haslinger ist Senior Scientist am AIT Austrian Institute of Technology GmbH. edith.haslinger@ait.ac.at Julia Hekerle ist Scientist am AIT Austrian Institute of Technology GmbH. Projektteam: AIT: Johannes Riedl, Robin Friedrich, Julia Hekerle, Anna Novotny, Ahmed A. Serageldin; RAG Austria AG: Gerhard Wiesmayr, Wilma Troiss-Nasri; RED Drilling & Services GmbH: Heimo Heinzle, Michael Brunneder, Oliver Tausch, Moritz Reiser; Sirius eU: Alexander Buchner, Roland Faschingbauer; Montanuniversität Leoben : Andreas Hammer; Energie AG: Markus Puelzl Weiterführende Informationen / Links im E-Paper Projekt CASCADE Unterschiedliche Akteure verfolgen unterschiedliche Zeithorizonte, Verantwortlichkeiten und Risikoein- schätzungen. Wenn es nicht gelingt, sie in einen gemeinsamen Umsetzungsrahmen zu überführen, bleibt die Dekarbonisierung fragmentiert. Wärme- wende ist deshalb weit mehr als ein Technikthema. Sie ist vor allem eine Governance-Aufgabe. Fazit: Systemische Ansätze und Planungssicherheit essenziell Das Projekt CASCADE zeigt, dass Geothermie in Oberösterreich weder eine theoretische Nischen- technologie noch ein bloßes Zukunftsversprechen ist. Die Ressource ist vorhanden, industrielle und kommunale Anwendungen sind technisch dar- stellbar, und die Kombination mit Wärmepumpen, Effizienzmaßnahmen und Wärmenetzen eröffnet realistische Dekarbonisierungspfade. Dennoch bleibt die Umsetzung schwierig, da die Dekarbonisierung von großen Systemen eine Mammutaufgabe ist. Damit Geothermie vom Potenzial zur Realität werden kann, braucht es mehr als gute Geologie und belast- bare Technik. Erforderlich sind verlässliche politische Rahmenbedingungen, geeignete Finanzierungs- und Risikoteilungsmodelle und eine integrierte kommu- nale Wärmeplanung. Erst dann können aus Mach- barkeitsstudien tatsächliche Umsetzungsprojekte werden. Danksagung: Das Projekt CASCADE wird vom Klima- und Energie- fonds im Rahmen der FTI-Initiative „Vorzeigeregion Energie“ gefördert. 11 10 ENERGIE AUS DEM UNTERGRUND
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