„nachhaltige technologien 02 | 2026"
I Betrachtung geophysikalischer Bohrlochmessungen Foto: Hydro GmbH Ingenieurbüro für Hydrogeologie und Geothermie n Österreich entfällt ein Großteil des Wärmebe- darfs auf die Wintermonate, während im Sommer häufig ein Überschuss an erneuerbarer oder indus- trieller Wärme entsteht. Saisonale Wärmespeicher können diese zeitliche Diskrepanz überbrücken und damit eine zentrale Rolle für eine klimaneutrale Wärmeversorgung spielen. Eine besonders vielversprechende Technologie ist der sogenannte Aquiferwärmespeicher (Aquifer Thermal Energy Storage - ATES). Dabei wird warmes Wasser in tiefen Grundwasserleitern, sogenannten Aquiferen, gespeichert und Monate später wieder entnommen, wenn Wärme benötigt wird. Diese Technologie wird in mehreren europäischen Ländern bereits erfolgreich eingesetzt, etwa in den Nieder- landen. In Österreich existiert bislang jedoch noch kein derartiges System im industriellen Maßstab. Fürstenfeld als Vorreiter in Österreich Genau hier setzt das durch den Klima- und Energie- fonds geförderte Forschungsprojekt ATESref (Aquifer Thermal Energy Storage und Reinjektion am Beispiel Fürstenfeld) an. Ziel des Projekts ist es zu untersu- chen, ob im Raum Fürstenfeld in der Oststeiermark ein solcher unterirdischer Wärmespeicher technisch und wirtschaftlich realisiert werden kann. Damit könnte Österreich erstmals eine großskalige saiso- nale Wärmespeicherung im Untergrund erreichen und damit einen wichtigen Schritt auf dem Weg in eine klimaneutrale Wärmeversorgung setzen. Projektgrundlagen und Untersuchungsmethoden Im Mittelpunkt des Projekts steht die Frage, ob sich der Untergrund im Steirischen Becken für eine hoch- temperaturfähige Wärmespeicherung eignet. Dazu werden geologische, hydrogeologische und energie- systemische Untersuchungen miteinander kombiniert. Ein wichtiger Bestandteil der Projektarbeiten ist die Analyse mehrerer vorhandener Tiefbohrungen in der Region Fürstenfeld. Diese liefern wertvolle Informa- tionen über die Eigenschaften der tiefen Sediment- schichten. Besonders interessant ist der sogenannte „Carinthische Schotter“, eine kiesreiche Sediment- schicht in etwa 640 bis 650 Metern Tiefe aus der geologischen Zeitstufe des Sarmatiums. Diese Schicht besitzt eine relativ hohe hydraulische Durchlässigkeit und wird von tonreichen, gering durchlässigen Gestei- nen über- und unterlagert. Dadurch eignet sich diese geologische Schicht ausgezeichnet als natürlicher Wärmespeicher. Die Temperatur des Tiefengrundwas- sers liegt in dieser Tiefe bei voraussichtlich 38 °C. Zusätzlich wurden geophysikalische Messdaten und seismische Profile neu ausgewertet. Sie helfen dabei, die räumliche Ausdehnung dieser Schichten besser zu verstehen und mögliche geologische Störungen zu identifizieren. ANZEIGE www.hydro-gmbh.at Hydrogeologie Geothermie Geophysik Saisonaler Hochtemperatur - Wärmespeicher im tiefen Untergrund Nikolaus Petschacher, Vilmos Vasvári, Marcellus Schreilechner, Jakob Hütter
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