„nachhaltige technologien 02 | 2026"

Geothermie gilt aufgrund ihrer konstanten Grund- last als ideal, doch die Realität der Heizkurven – gerade in der Fernwärme – wird immer kurzlastiger und steiler. Wie optimieren Sie die Nutzung Ihrer Anlage, um die hohen Investitionskosten über aus- reichend Betriebsstunden zu rechtfertigen? Ich sehe die reine Fernwärmenutzung ohne Ergän- zungen kritisch, da hohe Investitionen bei geringen Stundenlasten wirtschaftlich schwer darzustellen sind. Wir haben den Vorteil eines sehr spezifischen Lastprofils: Wir benötigen auch im Frühjahr und Herbst enorme Energiemengen. Im Hochsommer nutzen wir die Geothermie morgens zum „Trocken- heizen“ der Bestände, um Pilzkrankheiten durch Feuchtigkeit zu verhindern. Selbst wenn wir im Som- mer nur ein Drittel der Leistung abrufen, benötigen wir in Monaten wie dem April oder einem kühlen Mai oft die volle Last, um die optimalen Ertragstempera- turen zu halten. Dennoch gilt für die Geothermie dasselbe wie für die Photovoltaik: So hervorragend die Quelle ist, ohne Speicherung wird es langfristig nicht funktionieren. Wir müssen die Wärmemengen effizient in jene Zeit- fenster verschieben, in denen sie wirklich gebraucht werden. Neben der Wärme liefert die Geothermie auch im Wasser gelöste Gase. Wie gehen Sie damit um? Wie nutzen Sie dieses Gas für die Produktion, und welchen ökologischen Vorteil bietet das gegenüber herkömmlichen Methoden? Das ist ein wesentlicher Teil unseres Konzepts, da wir ein Gas-Wasser-Verhältnis von 8:1 haben. Das be- deutet, auf einen Kubikmeter Wasser kommen acht Kubikmeter Gas, das zu über 98 % aus CO 2 besteht. Wir nutzen dieses CO 2 direkt für die Pflanzendün- gung in unseren Glashäusern. Dabei wird nur so viel Gas separiert, wie wir benötigen. Das entnommene CO 2 wird gereinigt und für die Bevorratung verflüs- sigt. Da die Pflanzen vor allem im Hochsommer bei starker Sonneneinstrahlung enorme Mengen an Koh- lenstoff benötigen, setzen wir das gespeicherte Gas gezielt in diesen Spitzenmonaten ein. Ein entschei- dender Vorteil ist daher das weitgehende Wegfallen von industriellem CO 2 , das sonst aufwendig per LKW angeliefert werden müsste. Wie sieht die weitere Strategie von frutura aus? Gibt es Expansionspläne oder Überlegungen, die energetische Nutzung noch weiter zu optimieren? Wir sind geothermiemäßig aktuell ziemlich an der Kapazitätsgrenze. Wenn wir noch erweitern wollen, brauchen wir andere Ansätze. Ein konkreter Plan ist der Einsatz von Wärmepumpen, um die Rücklauf- temperatur weiter abzusenken. Wenn man dort das Delta um weitere 5 Grad absenken und nutzen kann, erzielen wir durch diesen doppelten Effekt einen sehr guten Wirkungsgrad und bekommen mehr Energie aus der bestehenden Geothermie heraus. Ein zweites, für mich sehr spannendes Thema ist die Speicherung von sommerlichen Überschüssen. Ein Ansatz ist der Carinthische Schotter als Aquifer- Speicher: Wir wollen im Sommer, wenn wir genug Energie haben, diese einspeichern, um sie über den Winter verfügbar zu haben. Ich bin im engen Aus- tausch mit Experten wie der Hydro GmbH, was die Geologie betrifft als auch für die Speicherintegration mit AEE INTEC. Geothermie und Geologie ist für mich ein bisschen zum Hobby geworden. Herr Schwarzenhofer, Sie sind ja Landwirt und gelten als „role-model“ in Punkto Nachhaltigkeit. Sie hatten den Mut selbst anzupacken und zu ge- stalten. Was wollen Sie anderen Unternehmen zum Thema Nachhaltigkeit mitgeben? Der Gedanke für Nachhaltigkeit kommt ja eigentlich aus der Landwirtschaft, weil wir als Landwirt*innen immer mit Grund und Boden verwurzelt waren und davon gelebt haben. Und natürlich, wenn man von den Eltern einen gesunden Boden erhalten hat, kann die nächste Generation gut darauf aufbauen. Wenn irgendetwas ruiniert wurde, dann hat man als Nachfolger*in Schwierigkeiten, davon leben zu können. Es verschiebt sich immer mehr, wie Land- wirtschaft früher war und heute ist. Aber wir haben bei uns, der frutura, so einen schönen Begriff kreiert, immer alles „enkeltauglich“ zu betreiben. Das heißt, immer auf lange nachhaltige Sicht zu planen. Das Interview mit Johann Schwarzenhofer führte Gerald Zotter, Leiter der Forschungsgruppe „Thermische Energiespeicher“ bei AEE INTEC. g.zotter@aee.at Foto: frutura / Philip Platzer

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