„nachhaltige technologien 02 | 2026"

logische Basis hätten wir das Vorhaben nicht umge- setzt. Es war uns wichtig, die Abhängigkeit von Gas zu beenden, auch wenn das technische Risiko bei der Erschließung des Thermalwassers enorm war. Wirtschaftlich gesehen war die Entscheidung an- fangs sogar ein Nachteil: Als wir 2016 starteten, war die Geothermie aufgrund der hohen Investitionskos- ten gegenüber dem damals billigen Erdgas faktisch nicht konkurrenzfähig; wir haben teurer geheizt als der Wettbewerb. Dennoch war der Weg richtig: Der Marketing-Mehrwert beim Endkunden und im B2B- Bereich ist heute ein entscheidender Wettbewerbs- vorteil. Langfristig sichert uns die Unabhängigkeit von fossilen Preissprüngen und CO 2 -Steuern zudem die wirtschaftliche Stabilität des gesamten Betriebs. Wie bewerten Sie die rechtlichen Rahmenbedin- gungen in Österreich? Erfahren Projekte dieser Grö- ßenordnung politischen Rückenwind oder bremsen starre Richtlinien den Ausbau? Es fehlt in Österreich massiv an modernen Richtli- nien für die Tiefengeothermie. Das Problem ist die Kopplung an ein sehr träges Wasserrecht: Eine Boh- rung in 3.000 Metern Tiefe wird rechtlich oft wie ein herkömmlicher 50-Meter-Hausbrunnen behandelt. Obwohl wir das Wasser lediglich energetisch nut- zen und vollständig reinjizieren – also kein Tropfen entnommen wird, hängen Projekte jahrelang in der Warteschleife. In der Praxis kollidieren hier zwei Welten: Das Berg- recht, das die technische Umsetzung ab 300 Metern Tiefe regelt, und das Wasserrecht, das an Grund und Boden gebunden ist. Letzteres führt zu absurden Hürden, da man theoretisch die Zustimmung jedes Grundeigentümers benötigt, den man tief im Un- tergrund mit einer verrohrten Bohrung unterquert. Hier sind Länder wie Deutschland mit festen Erkun- dungszonen für Investoren wesentlich weiter. Ohne rechtliche Trennung zwischen oberflächennahem Grundwasser und tiefer geothermaler Nutzung bleibt die Umsetzung solcher Großprojekte unnötig schwer und risikobehaftet. Hard Facts: Austrittstemperatur des Thermalwassers 125 °C Jährlicher abgedeckter Energiebedarf 100 GWh Förderrate 60 l/s Thermische Leistung 16 MW th Tiefe je Geothermiebohrungen 3200 m Beheizte Glashausfläche 28 ha Jährliche produzierte Gemüsemenge 9.000.000 kg ANZEIGE

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