„nachhaltige technologien 02 | 2026"

ohann Schwarzenhofer ist einer der Mitbe- gründer von frutura und der DOL-Gruppe, welche für ihre Energieversorgung schon vor einem Jahr- zehnt visionär auf Geothermie setzte. Als gelernter Landwirt treibt ihn der Gedanke an, Landwirtschaft „enkeltauglich“ zu gestalten, mit Ressourcen sorg- sam umzugehen und auch die Energieversorgung in der Gemüse- und Obstproduktion so zu gestalten, dass kommende Generationen von ihrer Produktion gut und im Einklang mit der Natur leben können. Mit Pioniergeist realisierte er eines der größten Geothermie-Projekte Europas für den Anbau von Ge- müse. Schwarzenhofer verbindet tiefes technisches Verständnis für hydrothermale Kreisläufe mit einer klaren unternehmerischen Linie: Weg von fossiler Energie, hin zu regionaler, CO 2 -freier Produktion un- ter Glas. Herr Schwarzenhofer, Sie nutzen Tiefengeothermie nun schon seit Jahren. Was hat Sie dazu gebracht, diesen Weg mit Pioniergeist zu gehen? Die erste Idee, Geothermie zu nutzen, gab es von meinem Partner Manfred Hohensinner schon im Jahr 2002. Es war ursprünglich als Gemeinschaftsprojekt mit der Therme Blumau gedacht. Als kleines Unter- nehmen hat sich dann die Frage gestellt, wer das finanziert. Die Idee war gut, es gab aber keine Inves- toren und das Ganze ist im Sand verlaufen. Als unser Betrieb schon etwas größer geworden ist, haben wir die Idee wieder aufgegriffen. 2012 haben wir uns entschieden, das Ganze allein in die Hand zu nehmen und die Bohrungen zu starten. Der Grund- gedanke war eigentlich immer: Wenn wir auch im Winter Fruchtgemüse produzieren, kommen für uns als nachhaltiges und regionales Unternehmen keine fossilen Energien in Frage. Herr Schwarzenhofer, der Schritt zur Geothermie ist in der Gemüseproduktion aufgrund der massi- ven Erschließungskosten oft ein wirtschaftliches Wagnis. War für Frutura die Entscheidung für den tiefen Untergrund eher eine strategische Antwort auf die Abhängigkeit von fossilen und damit indi- rekt ausländischen Energiemärkten, oder stand die ökologische Vorreiterrolle als Alleinstellungsmerk- mal in der Vermarktung im Vordergrund? Nachhaltigkeit war für uns bereits 2012 das Kernar- gument. Ein Projekt dieser Dimension – wir benötigen jährlich rund 100 Gigawattstunden Wärme – lässt sich mit fossilen Brennstoffen nicht verantwortungs- voll betreiben. Allein durch die Geothermie sparen wir jährlich 28.000 Tonnen CO 2 ein. Ohne diese öko- J Luftaufnahme des mit Geothermie versorgten 28 ha großen Gemüseanbaus von in Bad Blumau Foto: frutura / Lukas Stern Gerald Zotter Johann Schwarzenhofer Foto: frutura Visionäre Energieversorgung im Gemüseanbau

RkJQdWJsaXNoZXIy MzkxMjI2