„nachhaltige technologien 3|2017“

Anwendungsbereiche Die Anwendungsgebiete können prinzipiell in zwei Bereiche unterteilt werden. Im ersten Bereich geht es darum, dass unter Berück- sichtigung der Einflussfaktoren Umwelt und Nut- zerverhalten das Verhalten von scheinbar einfachen Bauteilen schnell recht komplex und schwer darstell- bar wird. Sehr relevante und vermeintlich einfache Fragestellungen, etwa bezüglich des Energieeintrags, der Blendung, der Innenraum-Behaglichkeit etc. kön- nen hier meist nur mit Hilfe von Untersuchungen unter Realbedingungen beantwortet werden. Als Beispiel können etwa beschattete Glasfassaden genannt werden: Dynamisch sich ändernde Umwelt- bedingungen (Einstrahlung, Wind etc.) werden auf komplexe Weise von der Fassade „transformiert“ und führen zu sich ebenso dynamisch ändernden Innenraumbedingungen. Den zweiten wichtigen Anwendungsbereich bilden komplexe Fassaden- und Konstruktionselemente. Zur Erreichung der ambitionierten Klimaziele gibt es einen neuen Trend hin zu integrierten, multifunktionellen Bauteilen. Hierbei wird im Neubau, aber insbesondere auch bei der Sanierung angestrebt, verstärkt gebäu- detechnische Funktionen in die Fassade zu integrie- ren, z. B. Sonnenkollektoren, Versorgungsleitungen, Wärmepumpen, Bauteilaktivierungen, Kühlsysteme und Photovoltaik-Module. Die hierbei auftretenden Fragestellungen sind viel- schichtig und betreffen sehr unterschiedliche Bereiche, etwa Ästhetik, Schutz vor Umwelteinflüssen, Statik, Energieumwandlung, Energiespeicherung, Energie- verteilung, Auswirkungen auf die Behaglichkeit usw. Derzeit werden in der thermischen Sanierung von Altbauten noch wenig vorgefertigte Fassaden- und Ge- bäudetechnikmodule bzw. -komponenten eingesetzt. Konzepte und erste Umsetzungen von großflächigen, vorgefertigten Fassadenmodulen gibt es jedoch so- wohl in Leichtbau- als auch in Massivbauausführung. Die nötigen Gebäudetechnikkomponenten werden hierbei entweder ohne Abstimmung auf die spezifi- schen Eigenheiten der thermisch sanierten Gebäude erneuert und kostenintensiv eingebaut, oder - im häu- figeren Fall - von der Sanierung ausgeklammert und im ursprünglichen Zustand belassen. Eine mögliche Umsetzung mittels Integration der Gebäudetechnik in die vorgefertigten Fassadenelemente wird oft gar nicht in Betracht gezogen, insbesondere auch deshalb Errichtung der Prüfboxen am Labordach von AEE INTEC. Fotos: AEE INTEC Bislang gibt es europaweit kaum geeignete Prüf-Infra- strukturen, welche es auf jeweils unterschiedliche Wei- se gestatten, integrale Untersuchungen durchzuführen. Bei diesen Einrichtungen werden unter möglichst realen Bedingungen bei jedem Prüflauf gleichzeitig viele Er- kenntnisse hinsichtlich verschiedener Eigenschaften gewonnen, z. B. Energiebedarf, Behaglichkeit, Lichtlen- kung, Luftdurchlässigkeit, Witterungsbeständigkeit, so- larer Eintrag, Dauerfunktion, dynamisches Verhalten etc. Für diese Untersuchungen ist ein flexibler, ausreichend großer, real bewitterter Prüfstand notwendig, welcher über eine Vielzahl an messtechnischen Laboreinrich- tungen verfügt. AEE INTEC und das Österreichische Institut für Baubiologie und -ökologie (IBO) haben diese Anforderungen angenommen und zur Schließung dieser Lücke erstmals in Österreich eine Prüfeinrichtung mit rotierbaren, energetischen Zwillingsräumen für Freiver- suche an Fassadenelementen und Fenstern errichtet.

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