„nachhaltige technologien 3|2017“

nicht, weil eine vorlaufende Überprüfung der Praxis- tauglichkeit unter weitgehend realen Bedingungen kaum möglich ist. Geplante Prüfungen Ab Herbst 2017 sollen verschiedene Fassadentypen mit thermisch aktivierten Bauteilen und aktiven Haustechnikkomponenten sowie Lüftungskonzepte unter realen Umweltbedingungen geprüft werden. Dabei werden von AEE INTEC und dem österreichi- schen Institut für Baubiologie und –ökologie verschie- dene Fassadenelemente und deren Auswirkungen auf die dahinterliegenden Räume unter denselben Randbedingungen miteinander verglichen. Gemes- sen werden neben klassischen Bauteilkennwerten und energetischen Parametern (Strom-, Heiz- und Kühlbedarf) gleichzeitig auch die Auswirkungen auf den Innenraum, z. B. hinsichtlich der Behaglichkeit. So wird untersucht, wie sich unterschiedliche Kombinati- onen von Fassaden-, Fenster- und Haustechnik unter verschiedenen Nutzungsszenarien auswirken. Die Innenraumparameter wie Lufttemperatur, Luftfeuch- te, Strahlungstemperatur und Luftgeschwindigkeit werden hierfür an unterschiedlichen Messpunkten aufgezeichnet und ausgewertet. Die Messungen werden in einem eigens entwickelten Verfahren mit einer Gebäudesimulation gekoppelt, was einerseits eine wesentlich umfangreichere Analyse und Inter- pretation der Messergebnisse und andererseits eine dynamische Echtzeit-Steuerung des Versuchsablau- fes („hardware-in-the-loop“) gestattet. Dieser Prozess erlaubt es quasi per Knopfdruck den Wandaufbau zu wechseln, z.B. von Stahlbeton auf Leichtbau. Das thermische Verhalten des Wandaufbaus wird dann realistisch nachgebildet. Konstruktion, Aufbau, Messtechnik Die Prüfbox wird durch eine Massivholzkonstruktion gebildet, deren U-Wert im Bereich von 0,10 W/m²K liegt. Im Gegensatz zum üblichen Aufbau einer Gebäu- dehülle lässt sich diese aber in zwei unterschiedlichen Ebenen temperieren. Die außenliegende Aktivierung dient dazu, den Wärmestrom aus dem Innenbereich in allen Flächen – außer der Prüfebene – zu neutralisieren. Hierdurchwird quasi eine „unendlich starke“ Dämmung realisiert, da keine nennenswerten Wärmeverluste aus dem Innenbereich mehr auftreten. Die innere Aktivie- rungsebene dient einerseits zur exakten Bestimmung des Energieeintrags (oder –verlustes) und anderseits zur Simulation des gewünschten realen Verhaltens des gewählten Aufbaus. Sowohl im Innenbereich, als auch im Bereich des Prüf- lings und im Außenbereich steht eine große Anzahl an unterschiedlichenMesssensoren zur Verfügung, umbei jedem Messvorgang möglichst viele Forschungsfrage- stellungen gleichzeitig beantworten zu können. Ausblick Durch den Aufbau dieser neuartigen Forschungs- infrastruktur entsteht ein Kompetenzzentrum für For- schung und Industrie, für die Untersuchung komple- xer, gebäudetechnikintegrierter Fassadenlösungen, für Fenster- und Sonnenschutzentwicklungen und die gesamtheitliche Analyse des Fassadeneinflusses auf den dahinterliegenden Raum. Bei den beteiligten Ins- tituten werden umfassende Kompetenzen aufgebaut, neue Geschäftsfelder erschlossen und eine attraktive Dienstleistung für die Wirtschaft geschaffen. Dipl.-Ing. Dr. Karl Höfler ist Leiter, Dipl.-Ing. Daniel Rüdisser und Dipl.-Ing. Tobias Weiß sind wissenschaftliche Mitarbeiter des Bereichs „Bauen und Sanieren“ bei AEE INTEC. t.weiss@aee.at Ing. Waldemar Wagner ist Leiter und Dipl.-Ing. Reinhard Pertschy ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bereichs „Messtechnik“ bei AEE INTEC. Prok. Ing. Christian Fink ist Leiter, Dipl.-Ing. Thomas Ramschak und Dipl.-Ing. Dr. Alexander Goritschnig sind wis- senschaftliche Mitarbeiter des Bereichs "Thermische Energietechnologien und hybride Systeme" bei AEE INTEC. 27 26 BAUEN UND SANIEREN Dynamische thermische Simulation des Prüfbox- Wand- aufbaus mit den beiden aktiven Ebenen

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