„nachhaltige technologien 3|2018“
19 18 ENERGIEFLEXIBILITÄT ie optimale Auslegung der Gebäudetechnik in Gebäuden mit thermoaktiven Bauteilsystemen ist für PlanerInnen derzeit unzureichend dokumentiert. Trotzdem wird Bauteilaktivierung mittlerweile häufig genutzt, um Wärme in einen Raum einzubringen bzw. aus diesem abzuführen. In der Praxis werden für die Auslegung neben der Normung auch Auslegungsme- thoden auf Basis von abgesicherten Erfahrungswer- ten verwendet. Eine optimale Auslegung in Hinblick auf die notwendi- ge Gebäudeheizlast, die Dimension der Anlagenkom- ponenten und die Berücksichtigung der dynamischen Speichereffekte der aktivierten Bauteile bedeutet für den Planer/die Planerin einen hohen Zeitaufwand und Detailwissen, das manchmal nicht vorhanden ist. Aufgrund des Fehlens einer geeigneten Simulations- software kann der Planer/die Planerin die Bemessung des Gebäudeheizsystems nicht anhand eines realen Klimaszenarios absichern und testen. Die Planungsqualität könnte durch Berücksichtigung der Nutzung zur Heizlastbemessung bei Mehrparteien- gebäuden, Default-Werte zur Auslegung der thermo- aktivierten Bauteile, eine vereinfachte Regelung zur Nutzung der aktivierten Bauteile als Speicher sowie das Testen der Anlagenkomponenten anhand eines repräsentativen Jahresszenarios verbessert werden. Neues Auslegungsverfahren Genau hier setzt die Entwicklung eines neuen Auslegungsverfahrens an, das darauf abzielt, einen mit der Planungsgenauigkeit mitwachsenden Pla- nungsprozess zu schaffen. Heizsysteme mit Bauteil- aktivierung sollen dadurch genauer ausgelegt und Anlagenkomponenten wie z. B. Wärmepumpen und Biomassekessel exakter dimensioniert werden. ImentwickeltenRechenalgorithmusbzw. demWebser- vice soll außerdem eine Regelung implementiert wer- den, die die Nutzung eines erhöhten Energieangebots analysieren kann. Das heißt, dass damit Heizsysteme simuliert werden, die bei einem Energieüberangebot z. B. aus Windkraft oder der eigenen Solarthermiean- lage den Pufferspeicher beladen können bzw. auch die aktivierten Bauteilmassen direkt heizen können. Das Ziel dieser erweiterten Gebäudetechnikregelung ist eine an das Energieangebot angepasste Energie- nutzung mit positiven Effekten auf die Einschaltzyk- len des Zusatzheizsystems sowie die Verbesserung des Eigenverbrauchsanteils von vor Ort erzeugter erneuerbarer Energie bzw. eine Entlastung der Stromversorgungsinfrastruktur. Letztendlich soll durch dieses neue Auslegungsver- fahren, dessen Entwicklung im Forschungsprojekt D Das Wohnhaus mit 16,2 m² Kollektorfläche, 1000 l Pufferspeicher und 56 m³ Bauteilaktivierung erreicht einen geplanten Deckungsgrad von 75 %. Foto: AEE INTEC Kostenoptimale Nutzung von Bauteilaktivierung als Energiespeicher Sebastian Zilles, David Venus
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