„nachhaltige technologien 03 | 2025"

Industrial Symbiosis Gap Der „Energy Efficiency Gap“ beschreibt den Mehrver- brauch an Energie zwischen der optimalen und der tat- sächlich vorgefundenen Nutzung (vgl. Jaffe/Stavins, 1994). In Anlehnung an diesen seit Jahrzehnten etablierten Begriff wurde der Begriff „Industrial Symbiosis Gap“ eingeführt, welcher ebenso den Unterschied zwischen dem optimalen Ausmaß an direkter Kooperation und dem heutigen Status quo beschreibt (Moser/Rodin, 2021). Volkswirtschaftlich wäre im Detail zwischen einem theoretischen, technischen, wirtschaftlichen und makroökonomi- schen Gap zu unterscheiden. Auch die Frage nach mikroökonomischen Restriktionen, die sich aus Infor- mationsasymmetrien ergeben, ist zu beleuchten. Die in der Studie TransformIndustry berechneten Ex- tremszenarien einer klimaneutralen österreichischen Industrie zeigen für den Prozesswärmebereich, dass durch intensivierte Abwärmenutzung hypothetisch bis zu 20 Prozent an Primärenergie eingespart werden könnten (Böhm et al., 2025). Eben leider nur hypothetisch, aber es lässt sich ableiten, dass definitiv mehr industrielle Symbiose erstrebenswert ist und dass es sich in jedem Einzelfall auszahlen kann, durch einen Blick über den Betriebszaun zu eruieren, ob Kooperationspotenziale gegeben sind. Klare Sprache auch für CCU/CCS erforderlich Im IETS Task 21 wurde analysiert, wie im Kreislauf geführter Kohlenstoff in Lebenszyklusanalysen (LCA) adäquat zu berücksichtigen ist. Die Analysen zeigten, dass vorab das Wording eine essenzielle Rolle spielt: gerade, wenn es um „Carbon Dioxide Capture in Industry“ (der nun aktuelle Subtask-Titel) geht, sollen keine unpräzisen Begriffe wie Dekarbonisierung oder Circular Carbon verwendet werden, stellen Zeilerbauer Kooperationen initiieren Für die Initiation und die Begleitung der Umsetzung von Industriellen Symbiosen kann viel vom Wär- mesektor gelernt werden. Moser/Lassacher (2020) identifizierten in Österreich 42 Beispiele, wo indus- trielle Überschusswärme an Fernwärmenetze gelie- fert wird. Aufbauend darauf untersuchten Moser/ Jauschnik (2023) diese Fallbeispiele dahingehend, wie diese zustande kamen. Essenziell ist demnach die Identifikation von Potenzialen, und Personen, die aufgrund ihres Interesses oder einer Vertrauensbasis die Gespräche zwischen den unterschiedlichen Stakeholder*innen initiieren können. Insbesondere die lokale Politik kann als externer Treiber fungieren. Vertrauen und Transparenz sind dabei essenziell für den Aufbau stabiler Kooperationsbeziehungen: Nur wenn sich alle Beteiligten fair behandelt fühlen, gelingt ein offener Informationsaustausch. Es sind also vor allem die nicht-technischen Komponenten Information und Vertrauen, die als Erfolgsfaktoren erkannt werden. Möglichkeiten aufzeigen Im IETS Task 21 wurde ein Überblick erstellt, mit welchen Mitteln die Entscheidungsträger*innen motiviert werden können, industrielle Symbiose in Betracht zu ziehen und aktiv weiterzuverfolgen. Die Möglichkeiten reichen von langfristigen Perspektiven, die durch Videos mittels Storytelling vermittelt wer- den, bis zu eher kurzfristig orientierten, detaillierten, Lastprofile vergleichenden Tools. Das Energieinstitut an der Johannes Kepler Universität Linz brachte sein Zukunftsbild für den Zentralraum Oberösterreich ein. Es stellt Potenziale und Bedarfe für Ressourcen in einer sich entwickelnden Industrieregion dar. Trotz der langfristigen Perspektive werden diese bestmöglich quantifiziert. Energie- und CO 2 - bezogene Möglichkeiten der Industriellen Symbiose bzw. Sektorkopplung zur Erreichung der Klimaneu- tralität für den Zentralraum Oberösterreichs 2040+ Quelle: Energieinstitut an der JKU

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