„nachhaltige technologien 03 | 2025"
Erste Ergebnisse Erste Ergebnisse wurden durch integrierte, Hub- spezifische Analysen in den vier Demonstrationsregi- onen erzielt. Diese Bewertungen zielen nicht nur auf Emissionsminderung und Energieeffizienz, sondern demonstrieren auch das regionale Symbiosepotenzial zwischen Industriesektoren. Ein besonders anschauliches Beispiel ist der baskische Hub im Norden Spaniens. Dieser Industriecluster vereint energie- und emissionsintensive Sektoren – Stahl, Zement, Zellstoff & Papier sowie Ölraffinerien – und zeigt vielfältige Synergiepotenziale. Im Bereich energiebasierter Symbiose wurde das Abwärmepotenzial auf verschiedenen Temperaturni- veaus auf Basis von Literaturdaten bewertet (siehe Abbildung 1). Diese Analyse bildet die Grundlage zur Auswahl geeigneter Technologien zur Abwärmenut- zung und Identifikation passender Wärmesenken im Hub. Die kaskadierte Nutzung von Abwärme kann exergieeffiziente Symbiose-Systeme ermöglichen. So fällt bei der Papierherstellung warmes Prozesswasser und heiße, feuchte Abluft an. Je nach Temperaturniveau kann die Abwärme direkt oder über die Integration von z.B. Wärmepumpen intern oder extern genutzt werden - etwa zur Ge- bäudeheizung, zur Versorgung von Fernwärmenetzen oder zur Deckung des Wärmebedarfs von Industrien im niedrigen Temperaturbereich. Im Bereich kohlenstoffbasierter Symbiose wurden CO 2 -Emissionspotenziale aus Stahl- und Zementpro- duktion geschätzt (siehe Abbildung 2). Diese Ströme können z. B. für die E-Methanol-Produktion genutzt werden. Gleichzeitig wurden CO 2 -Senken innerhalb der Anlagen identifiziert – etwa zur Neutralisation von alkalischem Abwasser oder Kühlwasser sowie Dr. Devrim Murat Yazan ist außerordentlicher Professor an der Universität Twente (Niederlande) und leitet das Team „Sustainable Circular Economy“. Er koordiniert das IS2H4C-Projekt und ist Experte für industrielle Symbiose, kreislauforientierte Geschäftsmodelle und systemische Nachhaltigkeitstransformationen. is2h4c@utwente.nl Dipl.-Ing. Mag. rer. soc. oec. Dr. mont. Kerstin Pfleger-Schopf ist Senior Scientist am Lehrstuhl für Energie- netztechnik der Montanuniversität Leoben. Sie leitet die Forschungsgruppe „Industrielle Energiesysteme“ und ist im Innovationsnetzwerk NEFI – New Energy for Industry aktiv. Ihr Fokus liegt auf datenbasierten Methoden zur Unterstützung des Wandels hin zu einer klimaneutralen Industrie. kerstin.pfleger-schopf@unileoben.ac.at Josephin Patzold, MSc., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Bereichs „Industrielle Systeme“ bei AEE INTEC. j.paetzold@aee.at Weiterführende Informationen / Links im E-Paper Projektwebseite Kofinanziert von der Europäischen Union zur Ko-Injektion von Sauerstoff und CO 2 in Lichtbo- genöfen. Einbindung der Stakeholder*innen Neben technologischer Innovation steht auch die Einbindung der unterschiedlichen Stakeholder*innen im Zentrum des Projekts. Die Hubs arbeiten aktiv mit regionalen Behörden, Versorgungsunternehmen, Technologieanbietern, KMU, Wissenschaft und Zivil- gesellschaft zusammen. Gemeinsam entwickeln sie Geschäftsmodelle und bewerten Finanzierungsop- tionen. Geistes- und Sozialwissenschaften werden ebenfalls integriert, um lokale Bedürfnisse, die Grundsätze einer gerechten Transformation und inklusive Governance zu berücksichtigen. Das Projekt IS2H4C fördert auch den Wissenstransfer zwischen den Hubs, identifiziert politische Lücken, Qualifikationsbedarfe und Möglichkeiten zur Harmo- nisierung regionaler Kreislaufwirtschaftsrahmen. Mit 17 aktiven synergetischen Prozessen, 34 Partnern und über 160 beteiligten Forschenden und Praktiker*innen bietet das Projekt eine Blaupause für skalierbare und übertragbare H4Cs in ganz Europa. Fazit Europa will die grüne Transformation beschleunigen, Hubs for Circularity zeigen einen Weg von der Zielformulierung zur Umsetzung auf. Das Innovati- onsprojekt IS2H4C steht dabei an vorderster Front und demonstriert, wie Synergien, Innovation und Zusammenarbeit zu einer prosperierenden und wi- derstandsfähigen Region führen können. Die Zukunft industrieller Symbiosen liegt nicht nur in geteilten Ressourcen – sondern in einem gemeinsamen Ziel. 15 14 INDUSTRIELL-URBANE SYMBIOSEN
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