„nachhaltige technologien 03 | 2025"
herangezogen werden: (1) Ökologie & Nachhaltigkeit, (2) Urbanität & Gesellschaft, (3) Dichte & wirtschaft- liche Effizienz. Im Hintergrund wird URBAN MENUS® durch ESG-Cock- pit 2 unterstützt, ein etabliertes Tool zur Berechnung von Nachhaltigkeits-Kennzahlen auf Basis einer umfangreichen Datenbank. Durch eine integrierte Wirkungsanalyse kann eine Bewertung der Szenarien hinsichtlich der Hauptkriterien – ganz im Einklang mit EU Green Deal, UN SDGs, Diversitäts- und Gen- deraspekten – durchgeführt werden. Die Plattform unterstützt dadurch transparente Kommunikation, objektiven Dialog sowie die Bildung wirkungsvoller Allianzen für zukunftsfähige Stadtentwicklung. Kreislaufermöglichende Technologien in industriell-urbanen Symbiosen Im Projekt Circularity Optimizer wird URBAN MENUS® um eine Methodik zur systematischen Integration von Schlüsseltechnologien erweitert. Diese Technologien sollen dazu beitragen, stoffliche und energetische Kreisläufe zu schließen und damit die Ressourcen- abhängigkeit zu reduzieren und die Resilienz der Systeme zu erhöhen. Ziel ist es, Technologien nicht nur zu beschreiben, sondern sie gezielt in symbio- tische Systeme einzubetten und deren Wirkungen zu bewerten. Drei zentrale Bausteine bilden das Fundament der Methodik: • Strukturierter Technologiekatalog: Technologien werden mithilfe standardisierter Factsheets dokumentiert. Diese enthalten techni- sche, funktionale und wirtschaftliche Parameter so- wie eine Darstellung der Stoff- und Energieströme. Zusätzlich ist eine „Matchmaking“-Logik integriert: Für jede Technologie werden Mindestanforderun- gen definiert (z. B. benötigte Inputströme oder Standortbedingungen), die eine gezielte Integrati- on in Symbiosesysteme ermöglichen. Diese bildet die Grundlage für die Auswahl und Kombination geeigneter Technologien in der Entwicklung von Szenarien. • Szenario-Erstellung mit hybridem Input-Output- Modell: Jedes urbane, industrielle oder technische Objekt 3 wird mit Hilfe eines Objektvektors beschrieben. Die Gesamtheit der ausgewählten Objektvektoren bildet das Symbiose-Modell. Dieses Modell verknüpft phy- sische Stoffflüsse (z. B. Wärme-, Wasser-, Material- flüsse) mit weiteren Daten wie z. B. wirtschaftliche Kennzahlen. So entsteht eine umfassende hybride Systembilanz, die Wechselwirkungen und Synergien sichtbar macht. • Wirkungsanalyse mit mehrdimensionalem Indikatorensystem: Die Wirkung der Szenarien wird anhand eines mehr- dimensionalen Indikatorensystems bewertet, das ökologische, ökonomische, technische und soziale Aspekte umfasst. Die soziale Dimension basiert auf den Daseinsgrundfunktionen 4 , deren Erfüllung je Objekt bzw. im betrachteten Gebiet gezählt wird. Zusätzlich wird die konkrete Nutzbarkeit in Per- sonenstunden nach Alters- und Personengruppen differenziert erfasst, was eine detaillierte Bewer- tung gesellschaftlicher Funktionalität ermöglicht. Diese kombinierte Wirkungsanalyse schafft eine belastbare Entscheidungsgrundlage für zukunfts- fähige Räume. Im Rahmen eines ersten Prototyps wurde die entwickelte Methodik auf ein reales Gebiet in der Region Gleisdorf (Steiermark) angewendet. Unter- sucht wurden zwei Szenarien mit identischer Infra- struktur, bestehend aus einer Kläranlage (WWTP), urbanen Einrichtungen (z. B. Gewerbe, Gesundheit, Sport) und Wohnbauten, die sich ausschließlich im Grad der Technologieintegration unterscheiden. 1 https://urbanmenus.com/ 2 https://akaryon.com/produkte/esg-cockpit-umweltdaten-tool/ 3 Urbane Objekte bezeichnen städtische Einheiten wie Wohngebäude, Quartiere oder öffentliche Einrichtungen. Industrielle Objekte umfassen Produktionsstätten, Unternehmen oder Anlagen, die Material- und Energieströme verarbeiten. Technische Objekte sind Technologien, die zur Schaffung von energetischen oder stofflichen Kreisläufen beitragen. 4 Daseinsgrundfunktionen sind seit den 1960er-Jahren gebräuchliche Kategorien der Raumanalyse. Sie umfassen menschliche Grundbedürfnisse wie Wohnen, Arbeiten, Versor- gung, Bildung, Erholung oder Mobilität und dienen als Maßstab zur Bewertung der funktionalen Ausstattung eines Stadt- oder Raumgebiets. 5 Misst den Anteil der Outputs, die stofflich weiterverwendet oder rückgeführt werden. Base Scenario Impact KPIs PV PV 38,65 % 41,18% 26,19% 9.052 Ph 108 2.411.438 € 6109,91 tCO2eq/an CHP P-MRS HP HP MD Industry: 1 WWTP Urban: Business, 1 Health, 1 Sport Residential: 81 Small, 8 Large Residential: 81 Small, 8 Large Urban: Business, 1 Health, 1 Sport Industry: 1 WWTP T_Circular Output Quota Material 0 % S_Person-Hours Used 8.980 Ph CO Functions 105 GHG 6382,43 tCO2eq/an E_CAPEX Technologies 886.460 € En_Degree of Electric Self-Sufficiency 1,44 % En Degree of Thermal Self-Sufficiency 56,17 % tech Scenario Vergleich zweier Szenarien mit unterschiedlichem Technologie- einsatz im Modellgebiet Gleisdorf. Das Basis-Szenario beinhaltet Photovoltaik und Wärmepumpe, während im Technologie-Szenario zusätzlich Biogas-KWK, Membrandestillation und Phosphorrück- gewinnung integriert sind. Der Indikator CO_Functions stellt dabei die Anzahl der erfüllten Daseinsgrundfunktionen dar Source: © akaryon 21 20 INDUSTRIELL-URBANE SYMBIOSEN
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