„nachhaltige technologien 03 | 2025"
Damit solche Skalierung funktioniert, braucht es standardisierte Ausschreibungen, funktionale Leis- tungsbeschreibungen und faire Rahmenverträge für Generalunternehmer. Pilotprojekte auf Quar- tiersebene können hier als Blaupause dienen. Die Studie empfiehlt daher bewusst die Förderung von Modellvorhaben mit offen kommunizierten Kosten- strukturen. So entstehen belastbare Benchmarks und Vertrauen bei potenziellen Auftraggebern. Rechtliche und organisatorische Weichen stellen Neben bautechnischen und wirtschaftlichen Fragen adressiert die Studie auch strukturelle Hürden im Rechtssystem. Das derzeitige Bundesvergabegesetz erschwert es, Sanierungen als Systemleistung an einen Anbieter zu vergeben. Anpassungen sind nötig, damit ganzheitliche Lösungen nicht durch kompli- zierte Einzelvergaben blockiert werden. Im Mietrecht wiederum behindern komplizierte Zustimmungs- pflichten Sanierungen in Mehrparteienhäusern. Hier schlägt die Studie Reformen vor, die Sanierungen als Teil einer übergeordneten Klimastrategie zu verankern. Öffentliche Gebäude sollten als Vorreiter serieller Sanierung dienen – ihre Sanierung schafft sichtbare Beispiele, die Vertrauen schaffen und Nachahmung fördern. Ein Markt braucht Koordination Die MasSan-Studie zeigt klar: Überall dort in Europa, wo serielle Sanierung in größerem Maßstab erfolg- reich umgesetzt wird – etwa in den Niederlanden, Deutschland oder Frankreich – gibt es ein eigen- ständiges, unabhängiges Marktentwicklungsteam. Diese sogenannten Market Acceleration Teams (MAT) übernehmen eine koordinierende Rolle zwischen Bauwirtschaft, Wohnungswirtschaft, Politik und Forschung. Österreich verfügt derzeit über keine vergleichbare Struktur. Ein national etabliertes Marktentwick- lungsteam kann als zentrale Drehscheibe agieren: Es vernetzt relevante Akteur*innen, koordiniert Pilotprojekte, etabliert Standards und sichert den Wissenstransfer. So wird der Sprung vom Einzelpro- jekt zum Serienmarkt möglich. Mehr als Technik: Architektur, Beteiligung, Baukultur Serielle Sanierung ist nicht nur eine technische Aufgabe. Ein zentrales Thema der Studie ist die Ge- staltung. Um Akzeptanz zu sichern, müssen standar- disierte Elemente auch architektonisch überzeugen. Die Studie betont, dass seriell nicht gleich monoton bedeutet: Begrünte Fassaden, flexible Grundrisse und neue Wohnformen können helfen, Baukultur und Klimaschutz zu verbinden. Genauso wichtig ist die soziale Einbettung. Die Vorteile – kurze Bauzeit, Sanierung im bewohnten Zustand – entfalten ihre Wirkung nur, wenn Eigentümer und Bewohner*innen frühzeitig eingebunden werden. Begleitende Kom- munikation, Partizipation und klare Ansprechpartner sind dafür unerlässlich. Fazit: Ein Hebel, der genutzt werden muss Die Studie „MasSan“ zeigt: Serielle Sanierung ist technisch machbar, wirtschaftlich sinnvoll und sozial verträglich – wenn sie strategisch ausgerollt wird. Der Weg dorthin erfordert aber politischen Mut, neue Fördermodelle, Reformen im Rechtssystem und eine starke Koordination. Wenn Österreich die vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen umsetzt, kann serielle Sanierung zu einem Leuchtturm der Bauwende werden: für mehr Klimaschutz, ressour- censchonendes Bauen und leistbares Wohnen. Die Voraussetzungen sind geschaffen – jetzt braucht es politischen Mut, den Markt strategisch zu aktivieren. Dipl.-Ing. in Ulla Unzeitig, Leitung Kommunikation, RENOWAVE.AT . ulla.unzeitig@renowave.at Dipl.-Ing. in Dr in Cornelia Ninaus ist Projektleiterin des Bereichs „Gebäude“ bei AEE INTEC. Weiterführende Informationen / Links im E-Paper Projekt MasSan Machbarkeitsstudie
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