„nachhaltige technologien 03 | 2026"
und organische Reststoffe. Diese Ansätze können künftig mit mineralischen Düngemitteln auf Basis von grünem Ammoniak hinsichtlich ihrer agronomi- schen und ökologischen Eigenschaften verglichen werden. Weitere Forschungsarbeiten befassen sich mit Materialien für die Wasserstofferzeugung, darunter kupferbasierte Dünnschichten für die elektrochemische Wasserspaltung. Damit dient das DGHV nicht nur als Demonstrationsanlage, sondern zugleich als Forschungsplattform für eine regional verankerte grüne Wasserstoffwirtschaft. Grüner Wasserstoff für Mobilitätsanwendungen Das Ziel von „Cleanergy“, einer Anlage für Grünen Was- serstoff, die im September 2025 in Betrieb genommen wurde, bestand darin, Technologien zur Erzeugung von und Betankung mit Grünem Wasserstoff zu demonstrieren und in Namibias grüne Wirtschaft zu integrieren. Cleanergy war die erste Anlage zur Erzeu- gung von Grünem Wasserstoff in Namibia, die eine funktionsfähige Tankstelle für Wasserstoff sowie ein mobiles Tankstellennetz in Betrieb nahm. Darüber hinaus hat Cleanergy eine Wasserstoff-Akademie eingerichtet, die Studierenden und Fachkräften aus der Industrie ein breites Spektrum an Schulungen zu Grünem Wasserstoff anbietet. Cleanergy hat außerdem eine voll funktionsfähige Werkstatt einge- richtet, in der Maschinen und Fahrzeugmotoren von herkömmlichen fossilen Kraftstoffen (Diesel, Benzin usw.) auf Grünen Wasserstoff umgerüstet werden. Das Cleanergy-Projekt hat Beschäftigungsmöglich- keiten für Einheimische geschaffen, insbesondere im Hinblick auf den Gesamtbetrieb der gesamten Anla- ge, Mess- und Regelsysteme, Motorumbauten sowie die Herstellung von Speichermaterialien. Aufgrund der Ergebnisse und Fortschritte von Cleanergy wurde im September 2025 ein Folgeprojekt zur Skalierung in Auftrag gegeben, um lokale Wasserstoffanwen- dungen auszuweiten, Qualifizierungsmaßnahmen durchzuführen, Kapazitäten aufzubauen und die Forschung voranzutreiben. Pilotprojekte für Grünen Wasserstoff Pilotprojekte für Grünen Wasserstoff sind beispiels- weise „Daures Green Hydrogen Village“ (DGHV), „Cleanergy“ oder das Projekt „UNAM-RealTest“. Daures Green Hydrogen Village (DGHV) Ziel des Daures Green Hydrogen Village (DGHV) ist es, die Erzeugung von Grünem Wasserstoff und grünem Ammoniak aus erneuerbaren Energiequellen mit konkreten Anwendungen in Landwirtschaft, For- schung und lokaler Wertschöpfung zu verbinden. In der Pilotphase sollen jährlich rund 18 Tonnen Grüner Wasserstoff, 100 Tonnen grünes Ammoniak sowie mehr als 400 Tonnen Tomaten und weitere Garten- bauprodukte erzeugt werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Verbindung zwischen Wasserstoff- und Düngemittelproduktion. Mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien wird zunächst Wasser durch Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der grüne Wasserstoff wird anschließend mit Stickstoff aus der Luft zu grünem Ammoniak umgesetzt. Ammoniak bildet den Ausgangsstoff für die Herstellung mineralischer Stickstoffdünger. Im DGHV soll daraus insbesondere Ammoniumsulfat-Dünger produziert werden. Auf diese Weise kann Grüner Wasserstoff dazu beitragen, die bislang stark von fossilen Energieträgern abhängige Düngemittelproduktion zu dekarbonisieren und gleichzeitig die lokale Landwirtschaft zu stärken. Auch die landwirtschaftliche Infrastruktur ist ein wesentlicher Bestandteil des Projekts. Sieben Bohrun- gen stellen rund 70.000 Liter Wasser pro Tag bereit; Gewächshaus und Baumschule produzieren bereits verschiedene Gemüsearten und Setzlinge für den lokalen Markt. Ergänzt wird die Anlage durch For- schungs- und Ausbildungseinrichtungen sowie eine nachhaltig betriebene Lodge. Während die landwirtschaftlichen Einrichtungen bereits in Betrieb sind, hat sich die Fertigstellung der Wasserstoff-, Ammoniak- und insbesondere der nachgelagerten Düngemittelproduktion verzögert. Die erste lokale Produktion von Ammoniumsulfat- Dünger ist derzeit für Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 vorgesehen. Angestrebt wird eine Pro- duktionskapazität von mehr als 400 Tonnen kohlen- stoffarmem Ammoniumsulfat pro Jahr. Das Projekt schafft zugleich lokale Arbeits- und Ausbildungs- möglichkeiten und dient als Demonstrationsprojekt für die Verbindung von erneuerbarer Energie, grüner Industrie und nachhaltiger Landwirtschaft. Begleitet wird DGHV durch Forschungskooperatio- nen, unter anderem mit der University of Namibia (UNAM) und der Universität Stuttgart. Untersucht werden beispielsweise alternative, lokal verfügbare Ausgangsstoffe für Bodenverbesserer und Düngemit- tel, darunter Biokohle aus namibischen Meeresalgen Namibias erste Wasserstofftankstelle wurde im Projekt „Cleanergy“ umgesetzt: Ein 5 MWp Solarpark auf 6,5 Hektar dient der Off-grid Wasserstoffproduktion mit einem 5 MW-Elektrolyseur and einer 5,9 MWh Batterie Foto: Cleanergy Solutions – Namibia Green Hydrogen Programme 7 6 SOLAR-TO-X: VOM SONNENSTRAHL ZUM MOLEKÜL
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