nachhaltige technologien_04_17_web

ehr Energieeinsparungsmaßnahmen in der Indus- trie sind für die Erreichung der Klima- und Energiezie- le 2030 national und weltweit unverzichtbar. Ein Drittel des gesamten Endenergieeinsatzes fließt in die Industrie, und derzeit werden 75 % des Energie- bedarfs durch fossile Energieträger gedeckt. 44 % der Treibhausgasemissionen stammen aus dem Sektor Energie und Industrie. DochEnergieeffizienzmaßnahmen inder Industrie sind nicht nur klimapolitisch unverzichtbar, sie beinhalten auch ein enormes wirtschaftliches Potenzial. Einer Einsparung von 8 – 10 % des Endergieverbrauches der Industrie in Europa entsprechen Energiekosten von 11 440 Mio. EUR/a (286 TWh/a bei einem Energiepreis von 40 EUR/MWh). Bei einem Amortisationszeitraum von etwa drei Jahren könnten mit diesen Einsparun- gen Investitionen von mehr als 30 Mrd. EUR finanziert werden! Industrieunternehmen planen und finanzieren Ener- gieeffizienzmaßnahmen üblicherweise im Rahmen ihrer jährlichen Budgets für die Instandhaltung und Verbesserung ihrer Produktionsanlagenundverlangen dabei im Regelfall relativ kurze Amortisationszeiten von zwei bis drei Jahren. Die Kalkulation von kurzen Amortisationszeiten wird nicht als Investitionsrech- nung angestellt, sondern ist in erster Linie eine risi- kopolitische interne Vorgabe. Die adäquate Methode einer Investitionsrechnung läge in der Ermittlung des „Discounted Cash Flow“ für die Energieeinsparungs- maßnahme so wie bei jeder Ersatzinvestition in einem Industriebetrieb. Gerade bei Energieeffizienzmaßnah- men fällt immer wieder auf, dass Investitionen, die attraktive positive Barwerte über die Lebensdauer aufweisen (also relativ hohe Projektrenditen), wegen der kurzen Amortisationszeiten, die gefordert sind, nicht durchgeführt werden. Finanziert werden solche Investitionen, wie Inves- titionen generell, aus dem Cash Flow, der vom Un- ternehmen erwirtschaftet wird (Innenfinanzierung) oder aber aus Kreditmitteln oder Eigenmitteln, die dem Unternehmen zur Verfügung gestellt werden (Außenfinanzierung). Wenn nun ein Industrieunternehmen selber weder den eigenen Cash Flow zur Finanzierung heranziehen will oder auch keine weiteren Bankmittel aufnehmen will, könnte dann nicht ein Finanzinvestor, der derzeit bei Veranlagungen ohnedies nur mit Schwierigkeiten eine adäquate Verzinsung seines Kapitals erzielen kann, gewonnen werden, solche Projekte anstelle des Industrieunternehmens zu finanzieren? Und bietet nicht die „selbstamortisierende“ Struktur von Ener- gieeinsparungsinvestitionen eine ideale Grundlage für solche Finanzierungskonstruktionen? Der Grundgedanke lässt sich einfach veranschaulichen: M Finanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen in der Industrie durch Finanzinvestoren? Winfried Braumann Foto: iStock Energieeinsparungsfinanzierung 100 % 70 % Baseline auf Dauer Einsparungsmaßnahme 70 % 30 % Energie- und Betriebskosten Abzahlung Investition Finanzierung von Effizienzprojekten durch laufende Einsparungen: Die Investition wird zu Beginn durch die Einsparungen finanziert, auf Dauer profitiert das Unternehmen von niedrigen Energiekosten.

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