nachhaltige technologien_04_17_web

> Komplexität und Kosten: Wenn Energieeinspa- rungsverträge durch Dritte finanziert werden sollen, so ist dies im Regelfall nur durch eine eigene Projekt- trägergesellschaft und Projektfinanzierungsstrukturen möglich, die zeitaufwendig und kostspielig sind. Eine solche Strukturierungwird sich nur bei Projekten lohnen, deren Finanzierungsvolumen größer als 10 Mio. EUR ist. > Finanzmarktregularien: Für die Gründung und Finanzierung eines Energieeffizienz-Fonds ist eine Reihe von finanzmarktrechtlichen Vorschriften für die Gründung und den Betrieb einer solchen Gesellschaft zu beachten, die hohe Rechtskosten und eine aufwen- dige innerbetriebliche Organisation erfordern. Um diese Probleme zu lösen, wurde im europäischen Projekt TrustEE ein gänzlich anderer Finanzierungs- ansatz gewählt: > Das Finanzvehikel, das dieMittel von Kapitalmarkt- investoren bündeln soll, wird nicht die Projekt- und Konstruktionskosten des Energieeffizienzprojektes von der Planungsphase an vorfinanzieren, sondern erst dann einsteigen, wenn das Projekt installiert ist und die Funktionsfähigkeit nachgewiesen ist. Zu diesem Zeitpunkt wird das Finanzvehikel die Forde- rungen des Lieferanten gegen den Kunden aus dem Energieeinsparungsvertrag erwerben („forfaitieren“). Zu diesem Zeitpunkt sind die technischen Risiken größtenteils bereits abgearbeitet und belasten daher nicht mehr die Investoren des Finanzvehikels. Das Horizon 2020 Projekt TrustEE wird von AEE INTEC koordiniert und hat sich zum Ziel gesetzt, ein Finanzie- rungsmodell für Energieeffizienz und Erneuerbare Ener- gien in der Industrie zu entwickeln sowie Umsetzungen zu realisieren. > Rechtlich wurde zu diesem Zweck ein „Securitizati- on Vehicle“ nach Luxemburger Recht gegründet, wel- ches die ausführlichsten und investorfreundlichsten gesetzlichen Regelungen zu dieser Finanzierungsform enthält. > Die Forderungen, die erworben werden sollen, müssen dem vom Finanzvehikel vorweg aufgestellten Risikoprofil entsprechen. Zu diesem Zweck werden mit Lieferanten, die die Forfaitierung in Anspruch nehmen wollen, vorweg Rahmenverträge abgeschlossen, aus denen die entsprechenden Vereinbarungen in den Energieeinsparungsverträgen abzuleiten sind. > Die Lieferanten von Projekten werden von TrustEE akkrediert, die den Forderungen zugrundliegenden Projekte werden technisch durch die im Rahmen des Projektes TrustEE aufgebaute Projektanalyse- und Projektentwicklungsplattform in einem automatisier- ten Vorgang geprüft. > Das Kreditrisiko des Endkunden muss für die Lauf- zeit der Forfaitierung durch eine Kreditversicherung abgedeckt sein. Diese standardisierte Vorgangweise ermöglicht es, auch kleinere Projekte zu prüfen und zu refinanzieren; ange- strebt ist eine Projektuntergrenze von 50.000 EUR, die in der Folge sogar noch gesenkt werden könnte. Das „Securitization Vehicle“ wird zur Finanzierung seiner Forfaiting-Aktivitäten Anleihen begeben, die institutionellen Anlegern angeboten werden sollen. Diese Anleger können damit ein breit gestreutes, von technischen Planungs- und Errichtungsrisiken freies Veranlagungsinstrument im Bereich der Energieeffi- zienz erwerben, das in dieser Form bisher nicht auf dem Kapitalmarkt gezeichnet werden konnte. "Das Energieinstitut der Wirtschaft unterstützt Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz in Unternehmen, um diese möglichst schnell zum Einsatz zu bringen. Innovative, an sich wirtschaftliche Projekte können bei Banken an restriktiven Bewertungskriterien scheitern. Dies hat zur Folge, dass Projekte durch hohe Risikoaufschläge ihre Wirtschaftlichkeit verlieren. Es bedarf daher Standards für die Projektbewertung und Versicherungslösungen zur finanzierungsgerechten Risikoverteilung und –absicherung." Sonja Starnberger, Projektleiterin am Energieinstitut der Wirtschaft GmbH Dr. Winfried Braumann ist bei der REENAG Holding GmbH, Wien in der geschäftspolitischen und organisatorischen Entwicklung sowie in Akquisitions- und Finanzierungsprojekten tätig. Weiterführende Informationen: www.trust-ee.eu

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