„nachhaltige technologien 04 | 2020"

Die Begriffe „open BIM“ und „closed BIM“ beziehen sich vereinfacht gesagt auf die verwendeten Soft- warelösungen. Wie die Namen bereits verraten, han- delt es sich bei „closed BIM“ um ein geschlossenes System. Das heißt, die Daten werden nach einem proprietären Informationsmodell eines Softwareher- stellers ausgetauscht, dessen Struktur nicht offen- gelegt ist. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei „open BIM“ um eine offene Datenaustauschstrategie basierend auf einem offengelegten Schema. Sowohl „closed BIM“ als auch „open BIM“ haben im praktischen Einsatz Vor- und Nachteile. Aufgrund der größeren Möglichkeit der Einbindung verschiedener Softwaretools konzentriert sich die Forschung bei AEE INTEC auf die Verwendung von „open BIM“. Als einheitliches Datenaustauschformat hat sich in „open BIM“ das IFC-Format etabliert 2 . Bereits im Jahr 2013 wurde das Datenformat als ISO-Standard zertifiziert und wird laufend erweitert und weiterent- wickelt. Die Spezifikation von IFC erfolgt unter der Verantwortung von buildingSMART International. BIM- Forschungsprojekte bei AEE INTEC Building Information Modeling hielt im Jahr 2016 Einzug in die Forschungsprojekte bei AEE INTEC. Im Projekt „Digitale Gebäudemodelle für Nachhaltige Gebäude“, welches vom damaligen Bundesminis- terium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft im Rahmen der ACR (Aust- rian Cooperative Research) gefördert wurde, war das zentrale Ziel die Integration von Instrumenten und Soft- waretools im Bereich der Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden in BIM. Nach- haltigkeitsaspekte sollten so direkt im BIM-basierten Planungsprozess dynamisch optimiert werden können. Als Untersuchungsobjekt diente der Passivhaus-Kindergarten „Wolkenschiff“ in Gänsern- dorf, der seit 2012 in Betrieb ist und 2015 erweitert wurde. Die Herausforderung in diesem Projekt lag haupt- sächlich in der Anknüpfung der unterschiedlichen Werk- zeuge an die vorliegende Datenbasis. Dabei mussten nicht nur die technischen Probleme für das Auslesen und Zurückführen der Daten gemeistert, sondern auch die Frage gelöst werden, welche Daten zu welchem Zeitpunkt, in welcher Form, in welchem Umfang und in welcher Qualität in den BIM-Prozess einfließen sollen. Im Jahr 2017 wurde das von Stadt der Zukunft geförderte Forschungsprojekt „6D BIM–Terminal: Missing Link für die Planung CO 2 -neutraler Gebäude“ gestartet. Das Ziel des Projektes war es, die Lücken zwischen BIM-basierter Entwurfsplanung und den Fachplanungen zu schließen und eine durchgehende planungsbegleitende Lebenszyklusanalyse zu unter- stützen. Im Rahmen des Projekts wurde der Prototyp des „BIM-Terminals“ (https://bimterminal.com/ ) ent- wickelt. Das Tool wertet die in IFC4-Dateien enthalte- nen Geometrie- und alphanumerischen Daten aus und verknüpft sie mit Daten, die für Gebäudeökobilanzen und Ausschreibungen von Bauleistungen notwendig sind. Auf Basis der ausgewerteten Daten und der hinterlegten Codes berechnet das BIM-Terminal die Ökobilanzwerte und Lebenszykluskosten und erstellt Leistungsverzeichnisse für das Gebäude. Die Projektergebnisse unterstützen PlanerInnen dabei, schon zu Beginn eines BIM-Prozesses auf öko- logische und ökonomische Optimierungen Rücksicht zu nehmen. Sie sollen vor allem KMUs unterstützen und den Einstieg in die komplexe BIM-Planung er- leichtern. 1 Quelle: https://www.bmdw.gv.at/Themen/Digitalisierung.html 2 IFC - Industry Foundation Classes, dabei handelt es sich um den in „open BIM“ am weitesten verbreiteten Standard für den Austausch von referenzierten Datenmodellen. Screenshot des BIM-Terminals Quelle: https://bimterminal.com 19 18 DIGITALISIERUNG IM ENERGIESEKTOR

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