„nachhaltige technologien 04 | 2022"

13 12 Torf ist ein beliebter Zuschlagstoff von Gartenerden, sein Anteil in allen Pflanzsubstraten beträgt bei- spielsweise in Deutschland 93,7 Prozent. Aber auch Bio-Substrate sind nicht automatisch Torf-frei. Auch Bio-Gartenerden enthalten bis zu 70 Prozent Torf! Der Torfabbau wird ökologisch gesehen immer pro- blematischer. Negative Folgen der Torfnutzung sind neben der Zerstörung intakter Hochmoore die mas- sive CO 2 -Freisetzung durch den Torfabbau. Die Emis- sionen von Torf für gärtnerische Zwecke betragen jährlich etwa 7 Millionen Tonnen CO 2 -Äquivalente für Europa. Österreich ist daher eine Verpflichtung zum mittelfristigen Ausstieg aus der Torfnutzung eingegangen. Derzeit werden aber leider noch immer jährlich rund 160 000 Tonnen Torf vor allem aus Ost- europa und dem Baltikum importiert. Funktionale und ressourceneffiziente Inwert- setzung des bisherigen „Reststoffes“ Biertreber Unter der Leitung von Braumeister Andreas Werner wurde von der Brauerei Göss eine Machbarkeitsstu- die initiiert, um durch Anwendung neuer Methoden und Technologien ein Konzept für eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Inwertsetzung des ver- gorenen biozertifizierten Biertrebers zu entwickeln. Ziel ist die Implementierung einer neuen Wertschöp- fungskette, die von der optimalen Vorbehandlung des Gärrestes über seine Aufwertung zu einem Tor- fersatzstoff für Bio-Gartenerden und zu einem Flüs- sigdüngemittel bis hin zur gezielten End-Nutzung der verbrauchten Substrate nach Verwendung im Garten- bau als Humusaufbausubstrat zur CO 2 -Fixierung im Boden reicht. Biogasanlage der Brauerei Göss in Leoben Foto BDI-BioEnergy International Credit: Helmut Pierer Voraussetzung für eine Weiterverwertung des Gär- restes ist eine mechanische Separation der Gärreste und eine getrennte Weiterverarbeitung der Flüssig- und Feststofffraktion. In der festen Phase steckt ein Großteil des pflanzenverfügbaren Düngers und des Kohlenstoffes, die flüssige Phase ist besonders reich an Stickstoff. Versuche zur Fest- Flüssigseparation des Gärrestes am Standort der Brauerei Göss Foto: Derler Agrar GmbH Erzeugung eines Recycling-Flüssigstickstoff- düngemittels Mithilfe des Membrandestillationsverfahrens (MD) kann aus der Gärrest-Flüssigfraktion ein hochqualita- tives Flüssigdüngemittel erzeugt werden, das in der Landwirtschaft oder als Konzentrat zur Nährstoffak- tivierung von Kultursubstraten nutzbar ist. Das MD- Verfahren zur Stickstoffrückgewinnung kam bisher im Bereich kommunaler Kläranlagen zum Einsatz. AEE INTEC entwickelt das innovative MD-Verfahren weiter, sodass es für das neue komplexe Stoffsystem Biertreber genutzt werden kann. Die Substitution von industriell – das heißt aus Erdgas – erzeugten Stickstoffdüngemitteln durch re- gionale Produkte ermöglicht nicht nur Energie- und Emissionseinsparungen, sondern trägt auch nachhal- tig zur Senkung der Abhängigkeit von importierten Stickstoffdüngemitteln bei. Anmerkung: Russland war im Jahr 2021 der weltweit größte Exporteur von Stickstoffprodukten. Upcycling der Feststofffraktion Vom Unternehmen Derler Agrar GmbH wird die Feststofffraktion zu einem Torfersatzstoff weiter- entwickelt. Der entwässerte Gärrest weist bereits einen hervorragenden Nährstoffgehalt auf. Das Material übertrifft hinsichtlich des Gehaltes von Spurenstoffen die Anforderungen der höchsten Kom- postgüteklasse A+. Die Konzentration der wertvollen INNOVATIONEN IN DER KREISLAUFWIRTSCHAFT

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