„nachhaltige technologien 04 | 2022"
Nährsalze Phosphor und Kalium ist für eine direkte Nutzung des Materials im Gartenbau sogar zu hoch. Ziel der Forschung ist es nun, auf Basis des Biertre- bers optimale Substratmischungen durch Zugabe unterschiedlicher, teils nährstoffärmerer biogener Zuschlagstoffe zu finden. Als biologische Nährstoff- quelle kann das Material als hochwertige Basis und Torfersatzstoff für Bio-Kultursubstrate oder als Bio- Feststoffdünger im Erwerbsgartenbau eingesetzt, oder abgemischt als hochwertige Bio-Gartenerde Verwendung finden. Entwässerter Gösser Bio-Biertreber Foto: Derler Agrar GmbH CO 2 -Speicherung durch Humusaufbau Nach Verwendung in Glashäusern sind die „ver- brauchten Substrate“ noch immer sehr kohlenstoff- reich und können als Humusaufbausubstrat gezielt genutzt werden, um auf heimischen landwirtschaft- lichen Flächen neuen Bodenhumus aufzubauen und die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig zu verbessern. Humusaufbau ist eine der wenigen Klimaschutzmaß- nahmen, die es erlauben, CO 2 in großem Umfang der Atmosphäre zu entziehen. Bei der UN-Klimakonferenz 2015 in Paris entstand daher die „4 Promille Initiati- Dipl. Ing. (FH) Christian Platzer, MSc ist Projektleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bereichs „Technologieentwicklung“ bei AEE INTEC. c.platzer@aee.at ve“. Eine Erhöhung der Humusgehalte in allen Böden der Welt um 4 ‰ pro Jahr könnte die durch Men- schen bedingten CO 2 -Emissionen weitgehend kom- pensieren. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „Carbon Capture“ oder „Negative Emission Technology“. Nebenbei wirkt sich das positiv auf die Bodenfruchtbarkeit aus, erhöht die Wasserspeicher- kapazitäten und damit die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft gegenüber den Folgen des Klima- wandels. So sieht auch das „Klimaschutzprogramm 2030“ der deutschen Bundesregierung vor, dass das Kohlenstoffspeicherpotenzial der landwirtschaftlich genutzten Böden durch humusmehrende und hu- muserhaltende Landwirtschaft verstärkt aktiviert werden soll. Fazit Das stoffliche Potenzial von Biertreber ist insgesamt enorm. Allein in Österreich fallen jedes Jahr ca. 189 000 Tonnen Biertreber an. In der EU sind es sogar 8 Millionen Tonnen pro Jahr. Für die Brau-Union Österreich liegt die strategische Bedeutung des Projektes darin, die bereits heute klimaneutrale „grüne Brauerei GÖSS“ in die erste klimapositive Großbrauerei der Welt zu verwandeln. Klimapositiv bedeutet, in Summe mehr CO 2 zu kom- pensieren als man verursacht hat. Dieses Ziel kann allein durch lokale Maßnahmen ohne Zukauf von CO 2 - Zertifikaten erreicht werden. Die geplanten Schritte erlauben nicht nur CO 2 -Emissionen zu verhindern, sondern ermöglichen es sogar, CO 2 -Emissonen ande- rer zu kompensieren. Die grüne Brauerei Göss zeigt damit vor, dass durch effiziente Nutzung von heimischen Ressourcen- und Reststoffen und einer nachhaltiger Kreislaufwirt- schaft nicht nur hervorragendes, sondern auch „kli- mapositives“ Bier gebraut werden kann. "Der große Charme der Gärrestverwertung liegt für mich in der optimalen Nutzung dieses Wertstoffes und in der de-facto Schließung des Wertschöpfungskreislaufes." Andreas Werner , Braumeister Brauerei Göss Foto: Brauunion
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