„nachhaltige technologien 04 | 2022"

Insektenzuchtanlage Eine Anlage zur Herstellung von Insekten kann in Form eines Hochregallagersystems oder in flacher Bauweise entwickelt werden und besteht im Wesent- lichen aus drei Teilen: 1) Substrataufbereitungsanlage: Um aus organischen Reststoffen bzw. landwirt- schaftlichen Nebenprodukten ein Substrat herzu- stellen, welches leicht von den Larven verarbeitet werden kann. Befinden sich „Störstoffe“ im Sub- strat, wird als erster Schritt mit Bioseparatoren gearbeitet, welche nicht-organische Fraktionen abtrennen. Zur Einstellung des Wassergehaltes muss entwässert (Obst- und Gemüsefraktionen enthalten viel Wasser) oder ein trockenes Substrat (z. B. Brot) zugemischt werden. Je nach Substratquelle können auch noch weitere Aufbe- reitungsschritte notwendig werden. 2) Reproduktion und Produktion: Die Larven fressen das Substrat und wandeln es in organischen Dünger um. Am Ende dieses Vorganges wird ein kleiner Anteil der Larven zur Reproduktion herangezogen. 3) Ernte und Endverarbeitung: Nach der Umwandlung des Substrats in organi- schen Dünger werden die Larven geerntet, das heißt sie müssen vom Dünger getrennt werden. Die Trennung erfolgt durch Siebung (Trennung nach Größe) und darauffolgende Sichtung (Tren- nung nach Dichte). Anschließend werden die Larven über das sogenannt „dry rendering“ oder „wet rendering“ in Insektenmehl und Insektenfett umgewandelt. Die spezifische Zusammensetzung des Substrates hat einen enormen Einfluss auf die Produktivität der Larven. Bei günstiger Substratzusammensetzung kann eine Biokonversion 1 von bis zu 25 Prozent (in seltenen Fällen auch höher) erreicht werden. So- mit würde eine Anlage, in die täglich 100 Tonnen Substrat in die Mast eingebracht würden, bis zu 25 Tonnen Lebendlarven produzieren. Nach der Weiter- verarbeitung im Rendering ergeben sich ca. 6 Tonnen Insektenmehl und ca. 2,5 Tonnen Insektenöl. Auch die Aminosäurenzusammensetzung hängt vom Substrat ab, Alanin, Lysin, Leucin, Glycin, Prolin, Glutaminsäu- re und Asparaginsäure sind vorwiegend vorhanden. Die Schwarze Soldatenfliege legt nach der Paarung die Eier in einen sogenannten Eisammler Foto: Insektianer Larven kurz vor der Ernte Foto: Insektianer Christof Ertl (Christof Global Impact) und Mario Engleder (Insektianer) in der Pilotanlage in Wels Foto: Insektianer 1 Als Biokonversion bezeichnet man die Umwandlung von organischen (Rest-) Stoffen in energetisch oder stofflich nutzbare Produkte. 2 Schlüsseltechnologie

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