„nachhaltige technologien 04 | 2022"

Industrie und auch Berater verstanden bis Projekt- start unter Energieeffizienz lediglich die Optimierung elektrischer Anlagen und die Nutzung solarer Energie wurde vor allem mit Photovoltaik verbunden. Dabei sind die Voraussetzungen für Energieeffizienz und vor allem solare Prozesswärme sehr gut. Bei einem ähnlichen Anteil diffuser und direkter Solarstrahlung wie in Mitteleuropa liegt der Gesamtwert solarer Strahlung bei mindestens 1.600 kWh/m²*a, also signifikant höher als in Mitteleuropa (Vergleich Ös- terreich etwa 1.100 kWh/m²*a). Dieses Potential zu heben und Industriebetriebe dabei zu unterstützen, war das Ziel des UNIDO-gef5-Projektes. Bewusstseinsbildung, Trainings und Umsetzungen Die Aktivitäten mit dem klaren Ziel der maximalen Energieeffizienz und Integration solarer Prozesswär- me in der Industrie sollten sicherstellen, dass durch das Projekt eine nachhaltige Wirkung erzielt wird. Deshalb wurde an unterschiedlichen Eckpfeilern gearbeitet: Bewusstseinsbildung und Ausbildungsprogramme In der ersten Projektphase galt es, das Bewusstsein für die technischen und wirtschaftlichen Potentiale industrieller Energieeffizienz und solarer Prozess- wärme zu schaffen. Dabei wurden praktisch alle relevanten Stakeholder adressiert: (i) politische EE INTEC hat gemeinsam mit der United Nations Industrial Development Organisation (UNIDO) ein Projekt zu industrieller Energieeffizienz und solarer Prozesswärme (SHIP) in Malaysien durchgeführt. Nach sieben Jahren als Kernpartner wurde dieses Vorhaben nicht nur abgeschlossen, sondern der Grundstein für ein Erfolgsmodell gelegt. Ausgangspunkt Die Ziele des UNIDO-gef5-Projektes „Green House Gas Emissions Reductions in Targeted Industrial Sub- Sectors through Energy Efficiency and Application of Solar Thermal Systems in Malaysia“ waren auf die Bedürfnisse der Industrie und die nachhaltige Förde- rung solarer Prozesswärme in Malaysien ausgelegt. Die Ausgangslage auf dem Weg zur Dekarbonisie- rung ist mit jener in europäischen Ländern absolut vergleichbar: • 28 % des Endenergiebedarfs fallen in der Industrie an 1 • Industrieller Energiebedarf wird hauptsächlich durch Erdgas (37 %) und Strom (15 %) gedeckt • Anteil erneuerbarer Energieträger vernachlässigbar • Die drei größten Industriesektoren sind „Eisen und Stahl“, „Mineralerzeugnisse“ und „Herstel- lung von Lebensmitteln und Getränken“ 1 • Weltmarktführer in der Herstellung von Latexhandschuhen und Palmöl • Anteil des Prozesswärmebedarfs (ausgenommen Stahlindustrie) in niedrigem und mittleren Temperaturbereich (<100 °C / 100 – 400 °C) sehr groß 2 A Umsetzung solarer Prozesswärme in Malaysien Foto: SIRIM/MAEESTA 1 National Energy Balance Report, 2016, Energy Commission-Malaysia 2 ECOHEATCOOL (IEE ALTENER Project), The European Heat Market, Work Package 1, Final Report published by Euroheat & Power (https://www.euroheat.org/resource/ecoheatcool-european- heating-and-cooling-market-study.html) Jürgen Fluch Solare Prozesswärme in Malaysia – eine Erfolgsgeschichte 27 26 INDUSTRIELLE SYSTEME

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