„nachhaltige technologien 04 | 2022"
entfiel auf nicht-metallische Mineralstoffe, vor allem Baurohstoffe (95 Mt/a), knapp ein Viertel auf Bio- masse (38 Mt/a), 15 Prozent auf fossile Energieträger (24 Mt/a) und 5 Prozent auf Metalle (8 Mt/a). Noch deutlich höher als der DMC ist der österreichische Material-Fußabdruck (MF) 2 . Er lag 2017 bei 33 Tonnen pro Kopf und Jahr und somit ebenfalls weit über dem europäischen Durchschnitt von 23 Tonnen. Österreichischer Materialverbrauch (DMC) Quelle: Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, Ressourcennutzung in Österreich, BMK 2020, Band 3 Materialien sorgfältiger und gezielter einzusetzen, Produkte möglichst lange zu nutzen und Stoffe möglichst lange im Wertstoffkreislauf zu halten – das sind die Gebote der Stunde und das alles sind Kernelemente der Kreislaufwirtschaft. Die aktuellen Herausforderungen zeigen uns die Grenzen unseres derzeitigen Wirtschaftssystems schonungslos auf. Ein kollektives Umdenken ist unumgänglich und dringendst geboten. Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie Im Herbst 2020 erfolgte der Startschuss für die Arbei- ten an einer österreichischen Kreislaufwirtschafts- strategie. In einem breit angelegten und transparen- ten Beteiligungsprozess haben ca. 250 Experten aus verschiedensten Disziplinen ihr Fachwissen einge- bracht, um gemeinsam die für eine Transformation zu einer Kreislaufwirtschaft erforderlichen Maßnah- men zu entwickeln. Die in der Kreislaufwirtschaftsstrategie formulierte Vision ist die Umgestaltung der österreichischen Wirtschaft und Gesellschaft in eine klimaneutrale, Quelle: Europäische Kommission 1 Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz Unsere Klimaziele sind nur mit der Umsetzung einer effizienten Kreislaufwirtschaft zu erreichen. Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaftsmodel- le bieten großes Potenzial für die Reduktion von Emissionen, indem wir die Art und Weise ändern, wie wir Güter produzieren und nutzen. Die globalen Treibhausgasemissionen sind zu rund 50 Prozent, der Biodiversitätsverlust und der Wasserstress zu mehr als 90 Prozent auf die Gewinnung und Verarbeitung von primären Rohstoffen zurückzuführen. Allein die Produktion von Stahl, Zement, Kunststoffen, Papier und Aluminium verursacht 36 Prozent aller globalen Treibhausgasemissionen. Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz Gerade die jüngsten Entwicklungen zeigen auf be- klemmende Weise, wie wichtig die Sicherung der Verfügbarkeit von Rohstoffen ist. Der Krieg in der Uk- raine ist vor allem eine humanitäre Katastrophe und eine Völkerrechtsverletzung. Aber darüber hinaus spüren wir in Europa auch massiv eine Störung der Lieferketten und die eingeschränkte Verfügbarkeit von Rohstoffen. Hier kann die Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Beitrag leisten, unabhängiger von Importen zu werden und somit die Resilienz der ös- terreichischen Wirtschaft zu stärken. Der Ressourcenverbrauch in Österreich hat sich in den Jahren von 2010 bis 2018 zwar stabilisiert, aller- dings auf einem sehr hohen Niveau. Der inländische Materialverbrauch (DMC – Direkter Materialeinsatz minus Ausfuhr in das Ausland) lag 2018 bei 167 Mil- lionen Tonnen (Mt) pro Jahr bzw. bei 19 Tonnen pro Kopf und Jahr und liegt damit um 5 Tonnen über dem europäischen Durchschnitt. Über die Hälfte davon 1 https://www.europarl.europa.eu/news/en/headlines/economy/20151201STO05603/circular-economy-definition-importance-and-benefits 2 Der Material-Fußabdruck (MF) berücksichtigt neben den in Österreich gewonnenen Rohstoffen (DMC) auch die Menge aller Rohstoffe, die im Ausland für die Herstellung und den Transport der in Österreich verbrauchten oder genutzten Güter und Dienstleistungen verwendet werden. 57% Nicht-metallische Mineralstoffe 05 Mt/a 23% Biomasse 38 Mt/a 15% Fossile Energieträger 24 Mt/a 5% Metalle 8 Mt/al 1% Andere Produkte 1 Mt/a Werte sind gerundet, Rundungsdifferenzen wurden nicht ausgeglichen. 167 Mt/a DMC Österreich 2018 7 6 INNOVATIONEN IN DER KREISLAUFWIRTSCHAFT
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