„nachhaltige technologien 04 | 2022"

nachhaltige Kreislaufwirtschaft bis 2050. Das Kern- stück bilden vier konkret messbare strategische Zielsetzungen: Diese Ziele stellen die Leitplanken für die mittel- und langfristige Entwicklung der Ressourcennutzung und der Kreislaufwirtschaft in Österreich dar. Im Rahmen der Erstellung der Kreislaufwirtschafts- strategie wurden rund 600 Maßnahmen in den Schwerpunktbereichen Bauwirtschaft und Infra- struktur, Mobilität, Kunststoffe und Verpackungen, Textilwirtschaft, Elektro- und Elektronikgeräte, Informations- und Kommunikationstechnologien, Biomasse, sowie Abfälle und Sekundärressourcen ausgearbeitet. In jedem Schwerpunktbereich wurden konkrete Vorhaben entlang des gesamten Wert- schöpfungskreislaufes, von der Produktgestaltung über die Nutzung bis hin zum Abfallmanagement, erarbeitet. Durch die Umsetzung dieser Maßnahmen sollen Materialien gezielter eingesetzt, länger ge- nutzt und unter Erhalt ihrer Eigenschaften stofflich wiederverwendet oder wiederverwertet werden. Nur das, was gar nicht mehr stofflich rezyklierbar ist, soll einer energetischen Verwertung zugeführt werden. Die Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten, eine erhöhte Reparaturfähigkeit, und die Entwick- lung von Geschäftsmodellen auf Basis von Dienst- leistungen anstatt von Produkten, sind weitere notwendige Entwicklungen. Effizienter Ressourcen- einsatz muss sich für alle Teile der Wertschöpfungs- kette auch ökonomisch lohnen. Leistungsbasierte Geschäftsmodelle wie „Chemical Leasing“ 5 sind der Schlüssel dazu. Der Umsetzungsprozess der Kreislaufwirtschaftsstra- tegie wird von einer mit dieser Aufgabe durch das Klimaschutzministerium noch zu beauftragenden Stelle begleitet und dokumentiert. Vorgeschlagen wird die Schaffung eines „Circularity Lab“ in Anleh- nung an das bereits eingerichtete „Climate Lab“. Eine zentrale Aufgabe des Umsetzungsprozesses wird darin bestehen, „Best Practice“- Beispiele inno- vativer Kreislaufwirtschaftsprojekte darzustellen, zu analysieren und aufzubereiten, sodass eine breite Umsetzung spezifischer Lösungsansätze ermöglicht wird. Bis spätestens Ende 2025 wird das Klima- schutzministerium einen Bericht zur Evaluierung der Strategie und ihrer Umsetzung vorlegen. Darüber hinaus werden seitens des BMK Fortschrittsberichte zur Umsetzung erstellt werden. Die Wandlung hin zu einer nachhaltigen und res- sourcenschonenden Kreislaufwirtschaft erfordert das Engagement und die Mitwirkung aller. Die Politik ist gefordert die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. Aber auch die Bereitschaft der Wirtschaft, Kreisläufe zu schließen, und der Bevölkerung zu einem nachhaltigen Konsumverhalten, wird für den Erfolg der Strategie ganz entscheidend sein. Daher sind die Einbindung, Information und Aufklärung der Öffentlichkeit sowie die enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivil- gesellschaft unabdingbar für eine erfolgreiche Trans- formation Österreichs hin zu einer nachhaltigen und zirkulären Gesellschaft. "In einer Kreislaufwirtschaft werden die Bedürfnisse der Gesellschaft mit einem Optimum an Ressourceneffizienz gedeckt. So ist der effizienteste Weg für saubere Oberflächen zum Beispiel, Verschmutzungen zu vermeiden. Der Vorzug gilt Geschäftsmodellen, welche sich etwa an der zu erbringenden Leistung (Wärme, Licht, Mobilität etc.) und nicht am Absatz der Energieträger orientieren. Längere Nutzung von Produkten ist im Fokus und eigentliches Recycling erfolgt erst dann, wenn Produkte am Ende ihres Lebenszyklus angelangt sind." Dr. Thomas Jakl , Bundesministerium Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, Sektion V – Umwelt und Kreislaufwirtschaft Foto: BMK Mag. Dr. Thomas Jakl ist stellvertretender Sektionsleiter der Sektion V - Umwelt und Kreislaufwirtschaft im Bun- desministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie. Thomas.Jakl@bmk.gv.at Dipl.-Ing. Harald Kasamas ist in Sektion V - Umwelt und Kreislaufwirtschaft, Abteilung V/5 des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie tätig. Harald.kasamas@bmk.gv.at 3 Wirtschaftswachstum in Relation zum Ressourcenverbrauch. Beschreibt das Verhältnis zwischen monetärem Output und Ressourceninput. 4 Die Zirkularitätsrate misst den Anteil des recycelten und wieder in die Wirtschaft eingespeisten Materials. 5 Chemical Leasing zielt auf eine effizientere Nutzung von Chemikalien im Produktionsprozess ab, indem es die Geschäftsbeziehung zwischen dem Nutzer von Chemikalien und dem Lieferanten neu definiert. ZIEL 1 Reduktion des Ressourcenverbrauchs in zwei Schritten Reduktion des Inländischen Materialverbrauchs (DMC) um 25 Prozent auf 14 Tonnen pro Kopf und Jahr bis 2030 Senkung des Material-Fußabdrucks (MF) um 80 Prozent auf 7 Tonnen pro Kopf und Jahr bis 2050 ZIEL 2 Steigerung der inländischen Ressourcenproduktivität 3 um 50 Prozent bis 2030 ZIEL 3 Steigerung Zirkularitätsrate 4 auf 18 Prozent bis 2030 ZIEL 4 Reduktion des materiellen Konsums in privaten Haushalten um 10 Prozent bis 2030

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