„nachhaltige technologien 04 | 2023“

2005 wurden wir zwar wegen unserer Ansätze gelobt, umgesetzt wurde aber weder der Entwurf in der Algersdorferstrasse in Graz noch einige andere Pro- jekte, wie z. B. ein durchgeplantes Projekt in Eisenerz (Europasiedlung – SG Ennstal). Grund dafür war unter anderem der Mehraufwand, der mit Fassadensa- nierungen mit Fertigteilen verbunden ist. Sowohl für die Bauträger, als auch für Architekt*innen und Planer*innen bedeutet Sanierung ein Mehr an Arbeit, das derzeit nicht extra honoriert wird. Befundungen sowie Bestandsanalysen mit Ausführungsvarianten sind Vorarbeiten, die der Bauträger bezahlen muss. Dafür fehlen nach wie vor Anreize. Weiters müssen sich die Bauträger im Rahmen von Sanierungen mit den Mieter*innen auseinandersetzen. Haus- verwaltungen haben meist Schwierigkeiten, mit den Mieter*innen oder Eigentümer*innen zu reden und sie von der Sinnhaftigkeit eines umfassenden Sanierungsvorhabens zu überzeugen. Dafür wären Soziolog*innen zur Begleitung des Vorhabens not- wendig, was wiederum einen aufwändigeren Prozess bedeutet. Prototypen und Grundlagenstudien Um das Jahr 2010 wurden in ganz Europa die ersten größeren Fassadensanierungen geplant und auch veröffentlicht. Die 2009 fertiggestellte Tes Solar Energiefassade von Frank Lattke und Stefan Winter ging genauso durch die Fachpresse wie die Fassade von Gap Solution, in Graz von GIWOG am Dieselweg verwirklicht (Planung Hohensinn Architektur). Trotz Bearbeitung der Projekte mit hohem Engage- ment und Know-how der Initiator*innen kamen diese Ansätze nicht über den Prototypenstatus hinaus. Unser Architekturbüro hatte die Gelegenheit, im Rah- men eines Forschungsprojektes - wieder in Zusam- menarbeit mit AEE INTEC und dem Soziologen Rainer Rosegger (Büro Scan) – an einer Grundlagenstudie zum Thema Fassadensanierung mit Fertigteilen mitzuarbeiten. Nach einer umfassenden bautechnischen Analyse von typischen Wohnbauten aus den 50ger bis 80ger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde am Beispiel eines Gebäudes in der Johann-Böhmstraße in Kapfenberg die Umsetzung mit einer innovativen Fertigteilsanierung umgesetzt. Der Bauträger SG Ennstal beauftragte Nussmüller Architekten ZT GmbH mit der Planung und bautechnischen Begleitung. Die Umsetzung erfolgte 2013/14 und wurde neben vielen anderen Preisen vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) als erste Plus- energiesanierung eines Wohnhauses in Österreich ausgezeichnet. Erste Plusenergiesanierung eines Wohnhauses in Österreich 2013/14 in Kapfenberg Quelle: Nussmüller Architekten ZT GmbH Konzeptstudie zu Sanierung mit vorgefertigten Fassadenelementen Quelle: Nussmüller Architekten ZT GmbH Transparente Wärmedämmfassade von Gap Solution an einem Demonstrationsprojekt in Graz Dieselweg Foto: AEE INTEC

RkJQdWJsaXNoZXIy MzkxMjI2