„nachhaltige technologien 04 | 2023“
Ein weiteres Forschungsprojekt, finanziert von Stora Enso, befasste sich 2015/16 intensiv mit der Integration von Fensterelementen, wo auch eine kontrollierte Be- und Entlüftung integriert werden konnte. Derzeit arbeitet unser Büro am Forschungsprojekt PhaseOut, in dem unter Leitung von Fabian Ochs, Universität Innsbruck, die Integration von Wärme- pumpen, Lüftungsgeräten und Photovoltaik in Fer- tigteilfassaden untersucht wird. Gerade im Wiener Raum, wo die Versorgung mit Gas dominierend ist, soll mit diesem Ansatz eine Umsetzung mit erneuer- baren Energieträgern im städtischen Raum erprobt werden. Die grundsätzliche Untersuchung inklusive Probemodul ist fast abgeschlossen, umgesetzt wird dieses Projekt im Jahr 2024 in Wien vom Projektträ- ger Sozialbau AG. Lösungsansätze für breit ausgerollte Umsetzungen Solche Beispiele stimmen mich hoffnungsvoll, jedoch besteht noch immer eine generelle Scheu vor umfassenden Sanierungen – sowohl bei Bauträgern, als auch bei Architektenkolleg*innen. Der Arbeitsaufwand, beginnend bei einer umfas- senden Analyse, Untersuchung und Detaillierung verschiedener Alternativen, sowie die Mitsprache der Bewohner*innen ist wie bereits oben angesprochen bei einer Wohnbausanierung natürlich wesentlich höher als im Neubau. Hinzu kommt, dass die Baukosten bei Sanierungen mit vorgefertigten Fassa- denelementen derzeit doppelt so hoch sind wie der konventionelle „Vollwärmeschutz“, da die Vorteile von vorgefertigten Fassaden erst in einer spürbaren Serie von Umsetzungen zum Tragen kommen. Außer- dem denkt der Bausektor in Österreich nach wie vor in Baukosten – und nicht in Lebenszykluskosten. Von seiten der Politik braucht es Anreize, die Mehrkosten der Planung zu honorieren, Lebenszykluskosten in den Förderungen zu berücksichtigen sowie die Sanie- rungsförderungen auf Kosten der Neubauförderung noch weiter auszubauen. Damit könnte die Politik ein klares Statement für hochwertige Sanierungen abge- ben. In der Steiermark gibt es zwar bereits mündliche Zusagen in diese Richtung, aber schriftlich ist noch nichts fixiert. Firmen für die Umsetzung von vorgefertigten Sanierungslösungen sind vorhanden, doch erst bei einer größeren Anzahl von Häusern wird die Umsetzung interessant. Die Ausschreibung eines Forschungsprojekts, in dem 20 Häuser von fünf Ge- nossenschaften mit fünf Bauträgern systemoffen seriell saniert werden, könnte ein Anstoß für die Firmen sein, um durch die Produktion von größeren Serien attraktive Preise zu erreichen. Deutschland zeigt mit dem Energiesprong-Reallabor bereits, wie dieser Ansatz funktionieren kann (Anm.: siehe auch Artikel „Serielles Sanieren als Schlüsseltechnologie für die Wärmewende“ und „Serielle Sanierung: Dekarbonisierung des deutschen Gebäudebestands“ in dieser Ausgabe der „nachhaltigen technologien“). Arch. Werner Nussmüller, Nussmüller Architekten ZT GmbH, Graz Untersuchung von Fensterelementen mit integrierter Lüftung als Teil einer Plusenergiesanierung Quelle: Nussmüller Architekten ZT GmbH Bei diesem Demonstrator in Wien wird die Integration von Wärmepumpen, Lüftungsgeräten und Photovoltaik in die Fassade untersucht Quelle: Nussmüller Architekten ZT GmbH 17 16 SERIELLES SANIEREN
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